Im Wald erschossen: Gedenkstein für Förster Hans Ross geschützt

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Ein Dach für Hans Ross: In den vergangenen Tagen wurde das barocke Denkmal für den 1676 von Wilddieben ermordeten Förster von Hessen Forst neu gesichert und geschützt. Dabei halfen mit (von links) Frank Kleinwächter, Matthias Hupfeld (beide Ernsthausen), Frank Waßmuth (Roda) und Heinrich Waßmuth (Münchhausen).

Burgwald. Das Denkmal für den vor fast 340 Jahren im Burgwald erschossenen Förster Hans Ross ist jetzt neu gesichert worden. Hessen Forst hat dafür viel Geld und Mühe aufgewendet.

„Schelmischer und mordwütiger Weise“, so die Inschrift im roten Sandstein, wurde am 28. Juli 1676 im Pfuhlgrund zwischen Bottendorf und dem heutigen Ortsteil Burgwald „der ehrenfeste Hans Ross, Förster zu Ernsthausen am Burgwald von drei Erzwilddieben“ erschossen. Seitdem kündet ein kleiner, aber fein ausgearbeiteter Gedenkstein an diesen mutigen Forstmann, „ein kulturhistorisches Kleinod“, wie heute Matthias Hupfeld, Leiter der Revierförsterei Ernsthausen, findet.

Er hat in den vergangenen Wochen zusammen mit seinen Forstwirten dieses Denkmal, das vermutlich nur wegen seiner sehr versteckten Lage im Wald fast vier Jahrhunderte unbeschädigt überdauerte, neu gesichert und durch eine Überdachung geschützt.

Bereits 1992 hatte der Marburger Bezirksdenkmalpfleger Prof. Dr. Michael Neumann auf den Wert dieses barocken Kunstwerks hingewiesen und gemeinsam mit Maurermeister Johannes Engeland aus Bottendorf für die Restaurierung der von Umwelteinflüssen stark angegriffenen Sandsteinplatte gesorgt.

Auch das Forstamt Burgwald beteiligte sich im Sommer 1992 bei den Schutzmaßnahmen für den Hans-Ross-Stein mit seiner interessanten Forstgeschichte, indem es die Forstwirte Reinhold Cronau und Heinrich Engel aus Ernsthausen ein Schutzdach anbringen ließ. In jüngster Zeit aber geriet das Denkmal erneut in Gefahr, weil die direkt neben der Bodenplatte stehende, etwa 130 Jahre alte Fichte schadhaft geworden und auch der Stand des Denkmals nicht mehr fest war.

„Wir mussten sie im Zuge der Holzernte zusammen mit einigen benachbarten Bäumen fällen“, berichtet Revierförster Hupfeld. Vorher aber wurde der Ross-Stein sorgfältig geschützt, das alte, morsch gewordene Dach abgenommen, dann mit neuer Bodengründung neu aufgebaut. Dadurch steht das Försterrelief nun auf einer hellen, belichteten Fläche mit dem alten Baumstumpf als „Wächter“ und Blickfang gleich nebenan.

„Hessen Forst hat hier viel Mühe und Geld aufgewendet, um den Hans-Ross-Stein wieder als würdiges Denkmal zu präsentieren“, so der Forstbeamte. „Wir denken auch hier in langen Zeiträumen.“

Man findet den Hans-Ross-Stein am gleichnamigen Weg, wenn man von der Abzweigung nach Burgwald zum Bundeswehr-Schießstand läuft und dann links abbiegt. Er ist auch vom Fernwanderweg „Quernstweg“ leicht zu erreichen. Da er wenige Meter vom Weg abseits im Wald steht, weist ein neues Schild auf ihn hin. Das Kulturdenkmal „Hans-Ross-Stein“ ist außerdem in allen aktuellen Wanderkarten verzeichnet.

Von Karl-Hermann Völker 

Mehr zur Geschichte vom Kampf des Försters Hans Ross mit den Wilddieben lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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