Wald und Moore stärken

Forstamt Burgwald wird hessenweiter Modell-Betrieb für Klimaschutz plus 

Es geht um Bäume und Boden: Die Bäume nehmen durch ihre Biomasse enorme Mengen CO2 auf. Wichtig ist aber auch der Boden als Wasserspeicher. Das erläuterte Forstamtsleiter Eberhard Leicht (Mitte) beim Besuch von Umweltministerin Priska Hinz (links) und Stefan Nowak von Hessen-Forst im Burgwald bei Mellnau.
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Es geht um Bäume und Boden: Die Bäume nehmen durch ihre Biomasse enorme Mengen CO2 auf. Wichtig ist aber auch der Boden als Wasserspeicher. Das erläuterte Forstamtsleiter Eberhard Leicht (Mitte) beim Besuch von Umweltministerin Priska Hinz (links) und Stefan Nowak von Hessen-Forst im Burgwald bei Mellnau.

Das Forstamt Burgwald soll als Modellbetrieb für Klimaschutz hessenweit Vorreiter werden in Sachen Klimaschutz und Lösungen finden, wie der Wald als Klimaschützer und Wasserspeicher gefördert werden kann.

Burgwald – Die Hessische Umweltministerin Priska Hinz hat das Forstamt Burgwald als „Modellbetrieb für Klimaschutz plus“ ausgewiesen. „Ziel des Klimaschutz-Forstamtes ist es, Maßnahmen zu ergreifen und herauszufinden, welche einen positiven Effekt auf den Klimaschutz haben“, erklärte die Ministerin am Mittwoch bei einem Besuch im Burgwald.

Dem Wald komme beim Klimaschutz eine besondere Rolle zu, sagte sie. „Er ist zum einen Opfer des Klimawandels, aber gleichzeitig Klimaretter. Er speichert große Mengen an Kohlenstoff in Bäumen sowie in den Böden und produziert den nachhaltigen Rohstoff Holz.“

Im Forstamt Burgwald solle nun die CO2-Bindung durch waldbauliche Maßnahmen gesteigert, die Speicherung von Wasser im Waldboden optimiert und der Schutz von Mooren verbessert werden.

„Wir wissen bereits, dass Mischwälder stabiler sind gegenüber Klimaveränderung und optimale Voraussetzung für Klimaschutz bieten“, erläuterte die Ministerin. Nadel- und Laubbäume hätten dabei beide wichtige Funktionen: Nadelbäume seien aufgrund ihres schnellen Wachstums effiziente Kohlenstoffspeicher und würden häufig zu langlebigen Holzprodukten verarbeitet, was wiederum CO2 einspare. Laubbäume seien widerstandsfähiger gegen Stürme und Hitze. Deshalb sei es wichtig, dass unterschiedliche Baumarten in einem Wald zusammenwachsen. „Im Forstamt Burgwald soll nun der Frage nachgegangen werden, welche Zusammensetzung von Baumarten optimal ist für Klimaschutz“, sagte Hinz. Der 14 000 Hektar große Staatswald mit 64 Prozent Nadelholz bietet gute Ausgangsbedingungen, die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen.

Das Forstamt beginnt nun mit der Planung, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen. Diese sollen ab 2023 innerhalb von zehn Jahren umgesetzt werden. Eine Stelle zur Koordination wird von Hessen-Forst zur Verfügung gestellt. Die Maßnahmen sollen wissenschaftlich begleitet werden. Es soll ein waldbauliches Behandlungskonzept erarbeitet werden, das Varianten bei der Baumartenwahl, Mischung, Waldstruktur und Produktionszeiträume mit Blick auf die Klimaschutzleistung bewertet. Ziel sei es, damit eine Entscheidungsgrundlage auch für andere Forstämter zu schaffen.

Dass es beim Besuch der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz im Burgwald regnete, das fassten sowohl die Forstleute vor Ort als auch sie selbst als ein gutes Zeichen auf. Denn der „Wald ist auf jeden Tropfen Regen angewiesen“, sagte Forstamtsleiter Eberhard Leicht.

Bekanntlich hat die enorme Trockenheit in den vergangenen Jahren dem Wald, insbesondere den Fichten, enorm geschadet. Das Forstamt Burgwald soll als Modellbetrieb für Klimaschutz hessenweit Vorreiter werden in Sachen Klimaschutz und Lösungen finden, wie der Wald als Klimaschützer und Wasserspeicher gefördert werden kann.

„Damit Bäume das CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und lange binden können, müssen sie gesund bleiben und dafür brauchen sie genügend Flüssigkeit. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels müssen wir uns auf weitere heiße und trockene Sommer einstellen. Deshalb ist es wichtig, den Boden unter dem Wald als Wasserspeicher zu schützen und zu stärken“, erläuterte Ministerin Hinz den Hintergrund.

Moor-Renaturierung im Burgwald: Darüber berichtete Forstamtsleiter Eberhard Leicht beim Besuch von Umweltministerin Priska Hinz auf einer renatuierten Moorfläche nahe der Franzosenwiesen. Dort wurden Bäume mit einer Seilkrananlage entnommen. Sie haben dem Boden Feuchtigkeit entzogen.

Bei dem Termin im Burgwald standen die Waldbesucher unter einer großen Douglasie und waren trotz Regens im Trockenen. Das verdeutlichte die Komplexität des Themas: Auf dem Waldboden kommt unter solchen Bäumen kaum Wasser an, das im Boden gespeichert werden könnte. Ein Teil des Regenwassers verdunstet schon in der Baumkrone. „Aber die schnell wachsende Douglasie ist dennoch gut für das Klima. Denn durch ihre enorme Biomasse nimmt sie viel CO2 auf“, erklärte Stefan Nowak, Abteilungsleiter Waldentwicklung und Umwelt bei Hessen-Forst.

Forstamtsleiter Eberhard Leicht erläuterte, wie das Forstamt als Modellbetrieb seine Klimaschutzaufgaben umsetzen will: „Wir wollen in der Praxis erproben, wie ein größtmöglicher Anteil des Niederschlagswassers für die Waldbäume verfügbar bleiben kann und wie wir in Zukunft verhindern, dass nach Starkregenereignissen das Wasser oberflächlich aus den Wäldern abfließt.“

Ebenfalls sollen im Forstamt die Moorflächen besonders geschützt werden. Etwa 30 Hektar ursprüngliche Moore befinden sich im Burgwald – das ist hessenweit einzigartig. Moore speichern weltweit mehr Kohlenstoff als alle Wälder dieser Erde zusammen. Außerdem halten sie das Wasser wie ein Schwamm im Boden.

Wie berichtet, treibt das Forstamt die Renaturierung der Moore seit Jahren voran. Künstliche Entwässerungsgräben wurden geschlossen, Baumbewuchs wurde zurückgenommen, denn gerade Fichten und Kiefern entziehen den Böden viel Flüssigkeit. Eine solche renaturierte Moorfläche bei den Franzosenwiesen stellte Leicht der Ministerin vor. „In Zukunft suchen wir nach weitergehenden Möglichkeiten, die Moore mit ausreichend Wasser zu versorgen“, sagte der Forstamtsleiter.

Von Martina Biedenbach

Finanzierung des Klimaschutz-Projekts

Für die Umsetzung und die wissenschaftliche Begleitung des Modellbetriebs Klimaschutz plus können laut hessischem Umweltministerium voraussichtlich Mittel aus dem Integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025 bereitgestellt werden. Ebenfalls können Mittel aus dem Klimafonds des Bundes beantragt werden. Darüber hinaus wird das Land prüfen, ob Mittel im Haushalt 2023 vorgesehen werden.

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