Interview mit Sylvia Heil

Warum Wiesenfelder Hebamme nun als Heilpraktikerin arbeitet

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Mit Freude im neuen Beruf: Die ehemalige Hebamme Sylvia Heil arbeitet nun als Heilpraktikerin in ihrer eigenen Praxis, die sie am 1. Oktober in Wiesenfeld eröffnet hat. 

Wiesenfeld – In Wiesenfeld eröffnete zu Monatsbeginn die Hebamme Sylvia Heil eine Praxis als Heilpraktikerin. Sie hat damit den von ihr mit großem Verantwortungsbewusstsein, wachsender Fachkompetenz und sehr viel Herz von 1996 bis 2016 ausgeübten Beruf als Hebamme niedergelegt.

Der Grund für sie wie viele andere Kolleginnen: Die Berufsbedingungen für Geburtshelferinnen haben sich in den vergangenen Jahren so sehr verschlechtert, dass es für freiberufliche Hebammen immer schwerer wird, ihren Beruf sinnvoll auszuüben. 

Wir sprachen mit Sylvia Heil, die von 1996 bis 2016 sowohl angestellt im Frankenberger Kreiskrankenhaus wie auch freiberuflich als Hebamme gearbeitet hat, über ihren Berufswechsel.

HNA: Frau Heil, warum haben Sie Ihren Hebammenberuf aufgegeben?

Ich habe meinen Beruf als Hebamme wirklich geliebt und gelebt. Mein Kontakt zu den Familien war intensiv und begann mit der Feststellung der Schwangerschaft und endete in der Regel, wenn das Kind einige Monate alt war. Ich war der Überzeugung, meinen Beruf über das Rentenalter hinaus leben zu können. Aufgrund der hohen Haftpflichtversicherungsprämie aber (von 2002 bis 2019 verzehnfacht auf 8664 Euro im Jahr) konnte ich das Kernstück meines Berufes – die Geburtshilfe – nicht mehr ausüben. Zudem gab es immer mehr kleinere Änderungen, die dazu führten, dass ich das, was ich gelernt habe, nicht mehr vollständig anwenden konnte. Am Ende gab ich den Beruf auf, da ich die Ganzheitlichkeit dieser wertvollen Familienarbeit nicht mehr erhalten konnte.

Wie könnte aus Ihrer Sicht das Problem der Situation freiberuflicher Hebammen gelöst werden?

Ich halte die Lösung dieses Themas für nicht so schwierig. Wenn Eltern einmalig zur Geburt Ihres Kindes 100 Euro bezahlen würden, dann wäre die Haftpflichtsumme gedeckt und Mutter und Kind im Falle eines Geburtsfehlers finanziell abgesichert. Für Eltern, die keine 100 Euro bezahlen können, würden an dieser Stelle der Staat oder eine Art Fond eintreten. Wir sind ein reicher Staat, der es sich leisten könnte und zudem gut investiert, wenn die Kinder einen gesunden, gesicherten Start ins Leben haben.

Wäre die Arbeit als angestellte Hebamme in einem Krankenhaus für Sie noch eine Alternative?

Die Hebammenarbeit im Krankenhaus möchte ich ebenfalls nicht mehr leisten. Sie ist im Verhältnis zur Verantwortung nicht ausreichend bezahlt, und aufgrund von Personalmangel werden Überstunden standardmäßig erwartet. Viele geburtshilfliche Abteilungen schließen seit Jahren, anfangs standen wirtschaftliche Gründe im Vordergrund, heute steht Personalmangel an erster Stelle. Gab es in Deutschland 1991 noch 1186 Kliniken mit geburtshilflicher Abteilung, so waren es 2017 nur noch 672. Monatlich kommt eine neue Schließung hinzu.

Weshalb sind Sie auf den Heilpraktikerberuf umgestiegen?

Für mich war es schon als Hebamme immer ein Anliegen, prophylaktisch, also gesundheitserhaltend zu arbeiten. Bereits zu Beginn einer die Gesundheit verlassenden Entwicklung möchte ich den Menschen wieder in Richtung Heilung begleiten. Meine Erfahrungen aus den vergangenen 20 Jahren, in denen ich weit über 2000 Familien begleitet habe, nehme ich in meine Heilpraktikerarbeit mit und möchte vor allem weiterhin Kinder und Eltern im Heilungsprozess unterstützen.

Welche Erfahrungen sind Ihnen für Ihren neuen Beruf besonders wichtig?

Im Laufe der Jahre meiner Familienbegleitung habe ich festgestellt, dass immer mehr Wissen über die Hausapotheke aus der Natur, wie sie unsere Großeltern noch hatten, verloren gegangen ist. Das möchte ich gern wiederaufleben lassen; den Eltern das Wissen mitgeben, damit sie ihre Kinder beim Gesundwerden unterstützen können. Weiterhin möchte ich Paare auf dem Weg zu ihrem Kinderwunsch und darüber hinaus begleiten und Paaren und Familien, die aus dem Gleichgewicht geraten sind, beratend zur Seite stehen.

Welcher Bereich der Heilkunde interessiert Sie in Ihrem zukünftigen Berufsfeld besonders?

Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren mit der klassischen Homöopathie und werde sie in Zukunft wieder einsetzen. Außerdem interessiert mich besonders die Marma-Therapie, eine sanfte Behandlungstechnik aus der ayurvedischen Heilkunst, mit der ich mich seit einiger Zeit befasse und mit der ich den Menschen wieder in seiner Ganzheitlichkeit sehen und behandeln darf.

Zur Person:

Sylvia Heil wurde 1965 in Bremerhaven geboren und machte zunächst eine Ausbildung als Bürokauffrau. Angeregt durch die Erfahrungen mit ihrem eigenen Kind, entdeckte sie ihr Interesse am Hebammenberuf.

Nach der Ausbildung in Marburg übte Sylvia Heil die Hebammentätigkeit 20 Jahre aus, davon ab 1996 fünf Jahre im Kreißsaal des Frankenberger Kreiskrankenhauses, dann als Beleghebamme im Westerwald und bei der Betreuung von Hausgeburten.

Danach kehrte sie in ihr 2008 bezogenes Haus in Wiesenfeld, Am Bahnhof 2, zurück, wo sie nun auch ihre Praxis als geprüfte Heilpraktikerin betreibt.

Während ihrer Berufsjahre bildete sie sich in klassischer Homöopathie, Ayurvedischer Phytotherapie und Pulsdiagnose, Wirbelsäulentherapie nach Dorn/Breuß, Paarberatung, natürlicher Fruchtbarkeitsbehandlung, systemischer Familienberatung und Schreikindberatung weiter.

Kontakt: sylviaheil@gmx.de  zve

VON KARL-HERMANN VÖLKER

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