Moore erhalten

Naturschutzgebiete im Burgwald um 175 Hektar erweitert

Moorbereiche mit Wollgras wie dieser hier sind charakteristisch für den Burgwald und werden nun noch mehr geschützt.
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Moorbereiche mit Wollgras wie dieser hier sind charakteristisch für den Burgwald und werden nun noch mehr geschützt.

Die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Gießen (RP) hat sechs Naturschutzgebiete im Burgwald erweitert. Aus den ursprünglich 269 Hektar sind 443 geworden – ein Plus von 175 Hektar. „Das ergibt umgerechnet rund 245 Fußballfelder, die dazugekommen sind“, sagt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich.

Burgwald - Neben dem „Christenberger Talgrund“ nördlich von Mellnau (rund 116 Hektar) und dem „Langen Grund bei Schönstadt“ (50) sind die Gebiete „Christenberg“ östlich von Münchhausen (25), „Franzosenwiesen/Rotes Wasser“ nordwestlich von Bracht (202) sowie „Diebskeller/Landgrafenborn“ und „Nebeler Hintersprung“ erweitert worden. Die beiden Letzteren südöstlich von Rosenthal- Roda sind durch die Erweiterung zum Naturschutzgebiet „Diebskeller und Nebeler Hintersprung“ (fast 50 Hektar) zusammengewachsen, teilt das RP mit.

Die neuen Bereiche seien in enger Zusammenarbeit mit dem Forstamt Burgwald, das die Naturschutzgebiete im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde vor Ort betreut, und mit der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ ausgewählt worden. „Nicht zuletzt durch die sehr gute Zusammenarbeit hat sich die Gesamtfläche der sechs Naturschutzgebiete um rund 65 Prozent vergrößert“, lobt Verena Werle von der Oberen Naturschutzbehörde beim RP, die das Ausweisungsverfahren federführend bearbeitet hat. Kenntlich gemacht werden die neuen Bereiche durch entsprechende zusätzliche Schilder.

Anlass für die Novellierung der Naturschutzgebiete ist, dass es in den feucht-kühlen Talzügen des Burgwaldes seltene und schutzwürdige Moor- und Feuchtlebensräume gibt. „Auch wenn Moore nur drei Prozent der Landesfläche bedecken, speichern diese ein Drittel der irdischen Kohlenstoffvorräte. Daher stellt die Sicherung und Renaturierung von Mooren einen wesentlichen Beitrag im Rahmen des Klimaschutzes dar“, betont Verena Werle.

„In Moorbereichen herrscht ein hoher Wasserstand und es mangelt an Sauerstoff. Dadurch werden abgestorbene Pflanzenteile nicht richtig zersetzt und zu Torf umgewandelt“, erklärt sie. Das von den Pflanzen aufgenommene CO2 wird als Kohlenstoff im Torf eingelagert und gespeichert.

Die Pflanzenarten, die an diesen Stellen vorkommen, sind hoch spezialisiert. Zum Beispiel Torfmoose, die wie ein Schwamm das 30-fache ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen können. So regulieren Moore den örtlichen Wasserhaushalt, indem sie bei starken Niederschlägen ungeheure Mengen an Wasser aufnehmen und danach langsam wieder an die Umgebung abgeben.

„Auch das Lokalklima profitiert von den Mooren“, ergänzt Eberhard Leicht, Leiter des Forstamts Burgwald. „Denn Moorböden verdunsten zehn bis 15 Prozent mehr Wasser und tragen so vor allem im Sommer zur Kühlung der bodennahen Luftschichten bei.“

Die Hessische Landesregierung hatte das Forstamt Burgwald im vergangenen Jahr zum forstlichen Modellbetrieb für Klimaschutz erklärt.

Die mosaikartige Anordnung von vermoorten offenen Bereichen, Stillgewässern oder Sumpf- und Bruchwäldern ist ein Paradies für viele und vor allem seltene Tier- und Pflanzenarten. Im „Christenberger Talgrund“ gibt es beispielsweise Sumpf-Veilchen und Arktische Smaragdlibellen, im „Langen Grund bei Schönstadt“ den Rundblättrigen Sonnentau und die Geburtshelferkröte.  

Besucher können helfen, die Natur zu schützen

Die Obere Naturschutzbehörde und das Forstamt Burgwald kümmern sich federführend um die Sicherung und die langfristige Pflege der Gebiete. Zum Erhalt der Naturschutzgebiete kann auch jeder, der den Burgwald besucht, etwas beitragen. Das geht alleine schon dadurch, dass sich Besucher an die geltenden Regeln halten und beispielsweise die Wege nicht verlassen und Hunde anleinen, sagt das RP. Was erlaubt ist und was nicht, das ist auch im Burgwald auf Schildern nachzulesen. Noch dazu gibt es per QR-Codes Informationen zu den einzelnen Gebieten – etwa wie groß sie sind, seit wann es sie gibt und welche besonderen Tiere und Pflanzen hier vorkommen. Alle diese Informationen gibt es auch direkt auf der Internetseite des RP Gießen unter rp-giessen.hessen.de/beschreibung-der-einzelnen-naturschutzgebiete.

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