1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Burgwald

Zephyros Energy aus Lichtenfels will vier Windräder bei Ernsthausen bauen

Erstellt:

Von: Martina Biedenbach

Kommentare

Windräder bei Ernsthausen. Einige der sieben Windkraftanlagen bei Ernsthausen – von Münchhausen aus aufgenommen. Die rot markierten Windräder im Hintergrund sind 150 Meter hoch, die anderen sind 80 Meter hohe Tacke-Anlagen, die abgebaut werden sollen.
Windräder bei Ernsthausen. Einige der sieben Windkraftanlagen bei Ernsthausen – von Münchhausen aus aufgenommen. Die rot markierten Windräder im Hintergrund sind 150 Meter hoch, die anderen sind 80 Meter hohe Tacke-Anlagen, die abgebaut werden sollen. © Karl-Hermann Völker

Die in Lichtenfels (Kreis Waldeck-Frankenberg) ansässige Firma Zephyros Energy will auf der Windvorrangfläche bei Burgwald-Ernsthausen vier neue Windkraftanlagen errichten; drei Altanlage sollen abgebaut werden.

Burgwald- Ernsthausen – Zahlreiche Firmen haben in den vergangenen Jahren geplant, zusätzliche Windkraftanlagen bei Ernsthausen zu bauen. Nun tritt mit der in Lichtenfels ansässigen Firma Zephyros Energy ein weiteres Unternehmen auf.

Es präsentierte dem Ortsbeirat Ernsthausen am Dienstagabend konkrete Pläne – unter anderem für den Bau von vier neuen, 250 Metern hohen Windkraftanlagen in der Windvorrangfläche nordwestlich des Ortes.

Wir haben Fragen und Antworten zu dem Projekt zusammengefasst.

Wer ist die Firma Zephyros Energy?

Die Zephyros Energy GmbH & Co. KG ist ein junges Joint-Venture der Volksbank Mittelhessen und der Burg Lichtenfels GmbH & Co. KG, also ein Zusammenschluss der Genossenschaftsbank mit Hauptsitz in Gießen und des Lichtenfelser Unternehmens, das Windenergieprojekte in Deutschland entwickelt, errichtet und betreibt. Dieses Unternehmen hatte bereits zusammen mit der Firma Anker Foundations, die Fundamente für Windräder baut, im Juli 2020 Projekte für Ernsthausen vorgestellt (wir berichteten).

Die Volksbank Mittelhessen ist „gefragter Partner bei der Begleitung großvolumiger Projekte Erneuerbarer Energien und treibt die regionale Energiewende voran“, heißt es auf der Webseite zephyros-energy.com. Zephyros-Geschäftsführer ist Jan Weimer von der Volksbank Mittelhessen. Er war ebenso wie Projektbeauftragte Michaela Kiel in Ernsthausen.

Grafik vom Gebiet westlich von Ernsthausen: Die vier roten Symbole stehen für die geplanten neuen, 250 Meter hohen Windräder, die vier großen blauen Sterne für die bestehenden 150 Meter hohen Anlagen. All diese Anlagen liegen in der Windvorrangfläche Ernsthausen. Die drei kleinen Sterne symbolisieren die Altanlagen, die näher am Ortsrand  von Ernsthausen liegen und abgebaut werden sollen.
Die roten Symbole stehen für die geplanten neuen, 250 Meter hohen Windräder, die großen blauen Sterne für die bestehenden vier 150 Meter hohen Anlagen. Alle diese Anlagen liegen in der Windvorrangfläche Ernsthausen. Die drei kleinen blauen Sterne symbolisieren die Altanlagen, die näher am Ortsrand von Ernsthausen liegen und abgebaut werden sollen. Zum Anschauen bitte anklicken. © Grafik HNA

Was plant Zephyros Energie bei Ernsthausen?

Das Unternehmen will in der vom Regierungspräsidium Kassel (RP) ausgewiesenen Windvorrangfläche bei Ernsthausen vier 250 Meter hohe und hoch effektive Windkraftanlagen bauen, zusätzlich zu den dort befindlichen vier 150 Meter hohen Windräder, die von den Stadtwerken Erlangen betrieben werden (siehe Grafik).

Geplant seien getriebelose und damit umweltschonendere Anlagen des deutschen Herstellers Enercon, die zusammen rund 45 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Die drei kleinen, 80 Meter hohen Tacke-Anlage, die 1996 näher am Ort gebaut wurden (damals war die Windvorrangfläche noch nicht ausgewiesen), will Zephyros erwerben und abbauen. Man sei sich mit den Besitzern einig, sagte Weimer.

Zudem soll ein Umspannwerk gebaut werden – entweder im Feld oder im gemeinsamen neuen Gewerbegebiet, das die Kommunen Burgwald, Münchhausen und Battenberg südlich von Ernsthausen planen.

Warum sollen die drei alten Anlagen abgebaut werden?

Sie können mit den modernen, 250 Meter hohen Anlagen nicht mehr mithalten. Schon eines der 150 hohen Windräder erzeugt alleine mehr Strom als alle drei alten zusammen. Zudem, so machte Weimer deutlich, würden die geplanten neuen Anlagen für Verwirbelungen sorgen und den Betrieb der kleinen Windräder stören. „Ja, die neuen Anlagen werden höher, aber dafür sind auch weiter vom Ort weg“, fasste er zusammen.

Wie weit ist die Planungen für die neuen Windräder?

„Wir wollen in der ersten Jahreshälfte 2022 den Genehmigungsantrag beim RP stellen“, sagte der Zephyros-Geschäftsführer. Avifaunische und artenschutzrechtliche Untersuchungen lägen bereits vor. Gutachten zu Schattenwurf und Schallbelastung seien in finaler Bearbeitung. Das Genehmigungsverfahren dauere erfahrungsgemäß etwa ein Jahr. Wenn alles gut laufe, solle 2024 gebaut werden. Was die Flächen angehe, die gepachtet werden sollen, sei man sich mit einem Großteil der Besitzer bereits einig.

Welche Beeinträchtigungen sind für die Ernsthäuser zu erwarten?

Es seien keine größeren Beeinträchtigungen zu erwarten. Alle Grenzwerte würden eingehalten, sagte Weimer. Nur einige Gebäude am westlichen Ortsrand lägen in der Schattenwurfzone.

Laut Grenzwert dürfen Wohngebäude überhaupt nur maximal 30 Stunden im Jahr und nur 30 Minuten am Tag von Schattenwurf betroffen sein. Das gewährleiste eine Abschaltautomatik, deren Verlauf protokolliert werde. Auch bei Vogelzug, etwa wenn die Kraniche über das Gebiet ziehen, könnten und müssten die Anlagen abgeschaltet werden.

Gibt es die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung?

Für Bürger der Gemeinde Burgwald sei eine Beteiligung angedacht, in welchen Umfang werde noch geklärt. Der Zephyros-Geschäftsführer betonte zudem, dass es Ziel des in der Region ansässigen Unternehmens sei, die Windräder nicht nur zu bauen, sondern langfristig zu betreiben. Neben den Verpächtern der Grundstücke profitiere auch die Gemeinde Burgwald, unter anderem durch Gewerbesteuer und ebenfalls Pachteinnahmen.

Wie lange laufen die Anlagen?

Mindestens 20 Jahre, danach müssten sie von einem externen Gutachter überprüft werden. Dann werde entschieden, ob sie weiterlaufen oder zurückgebaut werden. Für den Rückbau müsse schon vor dem Bau Geld zurückgestellt werden.

Die Fundamente für die Anlagen werden nicht komplett aus Stahlbeton bestehen, sondern aus Betonsegmenten, die sich einzeln montieren und demontieren lassen. Gefertigt werden sie von der Firma Anker Foundation, die ursprünglich für die Produktion solcher Teile das Betonwerk Ernsthausen kaufen wollte. Mit der Segmentbauweise werde 50 Prozent der CO2-Belastung eingespart, informierte Weimer.

Wie äußerte sich der Ortsbeirat zu den Plänen?

Die Mitglieder haben viele Detailfragen gestellt, sich aber zu dem Projekt an sich noch nicht geäußert. „Lasst euch erst einmal alles durch den Kopf gehen“, sagte Ortsvorsteher Marco Kwiatkowski. Er werde in Kürze eine weitere Sitzung zu dem Thema anberaumen.

Wie äußerte sich der Zephyros-Geschäftsführer am Ende der Sitzung?

Er bedankte sich für die sachliche Atmosphäre. Der Ortsbeirat sei „super fair“ gewesen, was bei anderen Windkraftdiskussionen oft nicht der Fall sei. „Wir brauchen alle Strom. Das geht leider nicht ohne eine gewisse Umweltbelastung“, sagte er.

Was sagt Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch?

„Der Gemeindevorstand Burgwald steht dem Projekt der Firma Zephyros positiv gegenüber“, erläuterte Bürgermeister Lothar Koch. Es sei ein Beitrag zur Energiewende. Klimaschutz sei ein Ziel der Gemeinde. Burgwald sei dem Bündnis Klima-Kommune Hessen beigetreten, ebenso dem Verein „Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg“.

Zudem habe Burgwald die Anschaffung von E-Fahrzeugen für zahlreiche Kommunen initiiert. „Dem Gemeindevorstand ist nun die Meinung des Ortsbeirats Ernsthausen wichtig“, sagte Koch. (Martina Biedenbach)

Auch interessant

Kommentare