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Cannabis-Plantage in Rhoden: Helfer zu Freiheitsstrafe verurteilt

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Von: Wilhelm Figge

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THW Korbach ist mit dem Ausräumen einer illegalen Hanfplantage in einem Wohnhaus am Warburger Weg in Rhoden beschäftigt. Am Tag zuvor rückte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei gegen 6.30 Uhr an.
Das THW Korbach beim Ausräumen einer illegalen Hanfplantage in einem Wohnhaus in Rhoden. Am Tag zuvor rückte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei gegen 6.30 Uhr an. © Armin Haß

Ein in einem komplett zum Cannabis-Anbau genutzten Haus in Rhoden verhafteter Mann musste sich vor Gericht verantworten. Doch er war nur ein kleiner Teil der Vorgänge.

Rhoden/Korbach – Als die Polizei Ende Dezember ein Haus in Rhoden durchsuchte, fand sie nicht nur mehr als 130 Cannabis-Pflanzen mit knapp 15 Kilogramm Marihuana, sondern auch einen 27-Jährigen aus Oberhausen, der für ihre Pflege zuständig war. Am Korbacher Amtsgericht ist er wegen Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die Anlage im Haus war fachkundig ausgestattet worden, der junge Mann befand sich erst seit wenigen Tagen vor Ort. Es gebe Hintermänner, die nicht ermittelt werden könnten, hielt der für den Einsatz verantwortliche Vertreter des Rauschgiftkommissariats als Zeuge fest. Seine Einschätzung zum Angeklagten: „Er wurde nur als Gärtner benutzt.“

Mittelloser Mann erhält Job-Angebot am Bahnhof

Der junge Mann gestand. So wie er es darstellte, sei er am Bahnhof in Oberhausen von einem albanischen Landsmann angesprochen worden, der ihn Arbeit anbot: Er solle für ein paar Wochen auf sein Haus aufpassen. Erst als er am 18. Dezember in Rhoden ankam, habe er vom Cannabis-Anbau erfahren. Ihm sei klar gewesen, dass das illegal ist. Aber er habe Angst vor den Konsequenzen gehabt, wenn er einfach so gehe. Bedroht worden sei er nicht, habe sich aber seinen Teil gedacht.

Seine Aufgaben bekam er über Zettel, Telefon und Messenger. Dazu gehörte das Gießen der Pflanzen und das regelmäßige Ein- und Ausschalten er Beleuchtung. Die Belüftung lief automatisch. Lange war er nicht am Werk: Am 21. Dezember durchsuchte die Polizei das Gebäude und nahm ihn zusammen mit seiner am Vorabend eingetroffenen Freundin fest. Die junge Frau wurde schnell laufen gelassen: Es gibt keine Hinweise, dass sie von der Plantage wusste oder mitgeholfen hat.

THW Korbach ist mit dem Ausräumen einer illegalen Hanfplantage in einem Wohnhaus am Warburger Weg in Rhoden beschäftigt. Am Tag zuvor rückte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei gegen 6.30 Uhr an.
Viel abzutransportieren hatte das THW Korbach, nachdem die Planatge entdeckt wurde. © Armin Haß

Die Staatsanwaltschaft fand die Aussage des jungen Manns glaubwürdig und meldete bloß Zweifel an dem Umständen des Kennenlernens des Auftraggebers an. Sie beantragte ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe, sah aber kein Problem damit, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Die Verteidigung stimmte zu, plädierte aber wegen seiner Kooperation auf neun Monate. Seine einzige Vorstrafe rührt von Alkohol am Steuer. Das Gericht gehe davon aus, dass er keine Straftaten mehr begehe, so Direktor Robert Winter. „Mein Fehler wird sich nicht wiederholen“, hielt der Angeklagte fest. Das Urteil ist rechtskräftig.

Plantage in Rhoden wird nach Durchsuchung in Eppe entdeckt

Auf das Haus in Rhoden aufmerksam geworden war die Polizei nach einer groß angelegten Aktion, bei der acht ähnliche Plantage durchsucht wurden, auch in Eppe und Medebach, erklärte ein Polizist im Zeugenstand. Routinegemäß wurden weitere Gebäude des Besitzers dieser beiden Objekte überprüft – in Rhoden fiel auf, dass die Rollos immer geschlossen waren. Ermittlungen gegen den Eigentümer wurden derweil eingestellt.

Hintermänner wurden nicht gefunden

Eine Vermutung der Staatsanwältin über die Hintermänner teilte Richter Robert Winter als Vorsitzender des Schöffengerichts: Die eigentlich für Rhoden zuständige Person sei nach der Durchsuchung in Eppe wohl abgezogen worden. „Sie wollten Rhoden nicht ganz aufgeben und haben ein Bauernopfer eingesetzt“, nimmt der Direktor des Amtsgerichts an. Dass die organisierte Kriminalität wie vom Angeklagten geschildert für solche Jobs Menschen anwerbe, die auf Geld und Essen angewiesen sind, sei kein Einzelfall, hatte ein Polizist vor Gericht erklärt.

Die Einrichtung der Plantage war dessen Einschätzung nach sehr professionell: „Es braucht Fachwissen, um das einzurichten“. Nur Küche und Schlafzimmer wurden nicht für Pflanzen, Lampen und weiteres Equipment genutzt. Der Strom sei am Zähler vorbei gelegt worden, die Filteranlage ein industrielles Gerät, das nicht so einfach im Baumarkt zu haben sei. Die 14,7 Kilogramm Marihuana hätten mit ein paar zusätzlichen Wochen Wachstum sehr viel mehr sein können. Aber schon die sichergestellte Menge sei trotz niedriger Qualität und nur 7 bis 8 Prozent Wirkstoffgehalt gut 70 000 bis 80 000 Euro wert, überschlug der Richter.

Den Hintermännern kam die Polizei nicht auf die Spur, der Datenabgleich mit der Polizei in Oberhausen blieb ohne Treffen. Der telefonische Kontakt zum in Rhoden eingesetzten 27-Jährigen führte zu einer albanischen Nummer, wahrscheinlich auf einem Wegwerfhandy. „Wir kommen nicht an die Leute über ihm dran. Das müssen Profis gewesen sein“, fasste der zuständige Polizist zusammen. (wf)

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