Betriebsrat: Kostendruck steigt weiter

Continental stellt neue Reifen-Strategie vor: „Korbach ist wichtiger Standort“

Reifenproduktion im Korbacher Continental-Werk: Das Reifengeschäft soll die Renditeperle des Automobilzulieferers bleiben und den Konzernumbau finanzieren.
+
Reifenproduktion im Korbacher Continental-Werk: Das Reifengeschäft soll die Renditeperle des Automobilzulieferers bleiben und den Konzernumbau finanzieren.

Continental will künftig auf Zukunftstechnologien bauen. Die Mittel für den Konzern-Umbau soll das Geschäft mit herkömmlichen Autokomponenten wie Bremsen, Anzeigensystemen, Oberflächenmaterialien – und mit Reifen – erwirtschaften. Wir haben nachgefragt, was das für den Standort Korbach bedeutet.

Korbach – Speziell für das Geschäftsfeld Reifen hat Continental am Mittwoch das Strategieprogramm „Vision 2030“ veröffentlicht. Zentrale Punkte dabei sollen eine „konsequent kundenorientierte Ausrichtung“, ein „weiteres profitables Wachstum“ und auch „ambitionierte Nachhaltigkeitsziele“ sein, mit der Continental die „Erfolgsgeschichte seines Reifenbereichs“ fortschreiben und seine Position unter den führenden Herstellern konsequent ausbauen wolle. Bereits heute ist das Unternehmen der drittgrößte Pkw- und der viertgrößte Lkw-Reifenhersteller der Welt.

Doch was bedeutet das für den Standort Korbach? Die strategische Ausrichtung von Continental gebe die künftige Richtung für alle Einheiten und Standorte vor, erläutert Werkleiter Lothar Salokat auf Nachfrage unserer Zeitung: „Korbach ist – mit dem High Performance Technology Center, der Zweiradreifenproduktion sowie der neuen Endinspektion im Bereich Pkw-Reifen mit neuesten Technologien der individuellen Prüfverfahren – ein wichtiger Standort im internationalen Produktionsnetzwerk.“

Der Standort werde auch künftig seinen Beitrag zu den drei strategischen Eckpfeilern der neuen Strategie beisteuern: zur Steigerung der operativen Leistungsfähigkeit, zur Differenzierung in der Portfoliostrategie sowie die Chancen ausbauen, die sich aus der wandelnden, nachhaltigen Mobilität ergeben, so Salokat.

Insbesondere in den Wachstumsmärkten Asien und Nordamerika will Continental bei den Reifen seine Marktanteile erhöhen. Das sagte Vorstandschef Nikolai Setzer, bei einer Strategie-Konferenz gegenüber Journalisten. Beim Reifen-Geschäft in Europa liegt der Fokus laut Setzer ab sofort mehr darauf, die eigene Marktposition möglichst gewinnträchtig zu verteidigen. Bei allen Produktionszweigen solle regelmäßig geprüft werden, „ob Continental der beste Eigentümer ist“, sagte der Conti-Chef.

Das Geschäft mit Reifen und Kunststofftechnik bleibt indes der Gewinnbringer des Konzerns: Continental erwartetet operativen Margen von 11 bis 14 Prozent. 2019 erzielte Conti hier einen Wert von 12,4 Prozent, in den Jahren davor teils noch höher. Die hohen Gewinne im Gummigeschäft sollen Investitionen in Technik zur Vernetzung von Fahrzeugen sichern.

Das beobachtet Jörg Schönfelder, Betriebsratsvorsitzender des Korbacher Werks und und Vorsitzender des Euro-Betriebsrats, mit gewisser Sorge: „Wir gehen in Europa von einem stagnierenden Reifenmarkt aus. Gleichzeitig drängen asiatische Hersteller mit einer aggressiven Preispolitik auf den Markt. Das setzt uns unter Druck – und das führt ja auch zur Schließung des Reifenwerks in Aachen. Dazu kommt jetzt die Erwartungshaltung des Vorstands, dass wir mit einem positiven Ergebnis zum Konzernumbau beitragen. Der Kostendruck wird in den nächsten Jahren nicht weniger werden.“

Schließlich sei auch die Corona-Krise noch nicht vorbei: „Wir sind bislang mit einem blauen Auge davongekommen, weil wir das Instrument der Kurzarbeit genutzt haben.“ (Lutz Benseler)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.