Internet-Schulungen kein Ersatz

Corona erschwert Schülern in Waldeck-Frankenberg Betriebspraktika

Wolfgang Werth kümmert sich als Fachvorsitzender für Arbeitslehre an der Gesamtschule Battenberg um den Kontakt zwischen Schülern und heimischen Firmen.
+
Wolfgang Werth kümmert sich als Fachvorsitzender für Arbeitslehre an der Gesamtschule Battenberg um den Kontakt zwischen Schülern und heimischen Firmen.

Die Betriebe im Landkreis Waldeck-Frankenberg sind durch wechselnde Corona-Einschränkungen herausgefordert. Sie können daher Praktika für Schüler nicht wie gewohnt anbieten.

Waldeck-Frankenberg – Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass Praktika von Schülern in heimischen Unternehmen „fast auf Null“ heruntergefahren wurden. Das sagt Wolfgang Werth, der sich als Fachvorsitzender für Arbeitslehre an der Gesamtschule Battenberg besonders um den Kontakt zwischen Schülern und heimischen Firmen kümmert. „Im kaufmännischen Bereich geht bis zum Jahresende gar nichts, im technischen Bereich nimmt die Firma Viessmann ein bis zwei Schulpraktikanten. Normal ist es das Zehnfache“, sagte Werth auf Anfrage.

Betriebspraktika stehen in den Klassen 8 und 9 auf dem Stundenplan. „Sie sind extrem wichtig für die spätere Berufswahl“, betont Wolfgang Werth. „Die aktuelle Situation ist sehr problematisch und unbefriedigend.“ Viele Firmen suchten noch Auszubildende, viele junge Leute seien noch unversorgt. „Im gewerblich-technischen Bereich, im Handwerk und auch in der Gastronomie gibt es noch interessante Ausbildungsstellen“, betont Werth.

„Wir haben die Zahl der Schülerpraktikanten notgedrungen reduziert. Unsere Fachbereiche, die sonst Schülerpraktikanten aufnehmen, sind weitestgehend im Mobile Working“, nimmt Viessmann-Ausbildungsleiter Georg Glade dazu Stellung.

Wolfgang Werth zeigt Verständnis für die Sorgen großer Firmen wie Viessmann oder Finger-Haus, betont aber auch, dass man den praktischen Einblick ins Arbeitsleben nicht durch Internet-Schulungen ersetzen könne. „Online ist das lange nicht so effektiv“, sagt Werth.

In der Verwaltung des Landkreises bestehe grundsätzlich immer die Möglichkeit, ein Schülerpraktikum zu absolvieren, sagt Annika Möller vom Landkreis Waldeck-Frankenberg. Dazu stünden auch fast alle Fachdienste zur Verfügung. Doch es gestalte sich immer schwieriger, Praktika zu organisieren. „Leider ist die Zusage von heute an einen Bewerber aufgrund der sich schnell ändernden Lage eventuell morgen schon wieder hinfällig, weil zum Beispiel die Abstandsregelungen in den Räumlichkeiten nicht eingehalten werden können“, berichtet Möller. Dann müsse sie Schülern auch kurzfristig absagen. (Thomas Hoffmeister und Paul Bröker)

So laufen Betriebspraktika ab

Durch Betriebspraktika lernen Schüler, sich unter realen Bedingungen zu bewerben, sich vorzustellen und zu erproben, ob sie den Anforderungen in einem selbst gewählten Beruf genügen. Anzahl, Dauer und Organisationsform der Betriebspraktika sind für die jeweiligen Bildungsgänge unterschiedlich geregelt, teilt das Hessische Kultusministerium mit. Haupt- und Realschüler absolvieren in den Klassen 8 und 9 zwei, Gymnasiasten in der Regel ein Praktikum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.