Landkreis reagiert auf steigende Zahlen

Corona-Hotspot Waldeck-Frankenberg: Kreis will stärker kontrollieren

Ein Schild mit der Aufschrift „Maskenpflicht“
+
Symbolbild

Was ist nur in Waldeck-Frankenberg los? In ganz Deutschland sinken die Infektionszahlen, nur im Land zwischen Diemel und Eder bleiben die Zahlen hoch: 53 Neuinfektionen an einem Tag in Waldeck-Frankenberg, während die Stadt Frankfurt, die fünf Mal so viele Einwohner hat, nur 80 meldet.

Waldeck-Frankenberg – „Ich bin stinksauer und tief betrübt“, kommentierte Landrat Dr. Reinhard Kubat die Tatsache, dass die 7-Tage-Inzidenz in Waldeck-Frankenberg auf hohem Niveau stagniert, ja sogar steigt – am Freitag, 21. Mai 2021, auf 130,4. Und auch sein Stellvertreter, der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese, ist frustriert. Den ganzen Freitagvormittag über habe er Bürgermeister am Telefon gehabt, die nach den Gründen fragten und auf die Folgen für die heimische Gastronomie hinwiesen.

„Wir bedauern auch, dass Willingen niedrige Infektionszahlen hat und nun zusehen muss, wie die westfälischen Nachbargemeinden am Pfingstwochenende ihre Ausflugsgaststätten öffnen, während in Waldeck-Frankenberg alles geschlossen bleiben muss“, sagt der Landrat: „Die Willinger hängen in der Solidarität fest, die ihnen von anderer Seite nicht gewährt wird.“

Probleme in größeren Betrieben

Die andere Seite, wer ist das? Wer nachhakt, erfährt von der Kreisspitze, wo die Probleme liegen: „Es gibt in größeren Betrieben Gruppen von Mitarbeitern, die erreichen wir mit unseren Corona-Warnungen nicht. Da hilft auch kein aufklärender Artikel in der Lokalzeitung, weil diese Menschen keine Zeitung lesen oder einfach kaum Deutsch verstehen.“

Auch beim aufsuchenden Impfen in den Dorfgemeinschaftshäusern habe man die Erfahrung machen müssen, dass selbst Angehörige der Prioritätsstufe 1 das Angebot nicht wahrnehmen wollten, berichtet Gesundheitsdezernent Karl-Friedrich Frese. Erschwerend komme nun bei den sich häufenden Infektionen im Südkreis hinzu, dass es sich häufig um die ansteckendere britische Variante des Coronavirus handele: „Wenn sich da ein Infizierter mit Freunden trifft, ist gleich die ganze Gruppe betroffen.“

Kontaktnachverfolgung wird zum Problem

Frese: „Wir betreiben die Kontaktnachverfolgung seit Beginn der Pandemie sehr intensiv. Da waren wir im Vergleich immer gut. Andere Landkreise machen das nicht so. Jetzt, mit der ansteckenderen britischen Variante, fällt uns das auf die Füße: Wir schicken alle im Umfeld eines Infizierten zum Testen – dadurch kriegen wir die vielen Fälle.“

Und aktuell habe man es aber immer häufiger mit Infizierten zu tun, die keinerlei Kooperationsbereitschaft zeigten. So werde auf Nachfrage oft wahrheitswidrig behauptet, man habe mit niemandem Kontakt gehabt. Auf diese Weise aber bekomme das Virus noch mehr Gelegenheit, sich auszubreiten, und das sehr häufig auch am Arbeitsplatz.

Deshalb will die Kreisverwaltung die Nachverfolgung von Infektionsketten nach Pfingsten noch einmal verstärken, und zwar auch mit Besuchen vor Ort. „Wir werden bei Verstößen gegen die Quarantäneregeln und bei mangelnder Kooperationsbereitschaft verstärkt Bußgeldbescheide verschicken“, kündigt Dr. Kubat an.

Hoffnung betriebliches Impfen

„Wir müssen reagieren“, ist Frese der Ernst der Lage bewusst. „Wir müssen Flagge zeigen.“ Frese bittet um Verständnis, dass der Kreis aber nicht überall kontrollieren könne. Für die Hygienekonzepte in Firmen und Geschäften seien die Betriebe selbst zuständig. „Das müssten die Ordnungsämter kontrollieren. Auf dem Dorf, wo man sich kennt, ist das aber nicht so einfach. Das gehört auch zur Wahrheit.“

Frese: „Unsere Mitarbeiter fragen jetzt bei den Infizierten auch mehr Informationen ab, etwa nach dem Arbeitgeber. Damit können wird gezielt in den Betrieben Warnungen aussprechen.

Überhaupt will die Kreisverwaltung ab Juni auf betriebliches Impfen setzen. Das heißt: die Betriebsärzte sollen am besten ganze Belegschaften durchimpfen. Dahinter steckt die Hoffnung, dass man sich im Kollegenkreis gegenseitig motiviert, mitzumachen. Beteiligen wollen sich viele der Mitgliedsbetriebe der Kreishandwerkerschaft. All das werde jetzt hinter den Kulissen vorbereitet, so Frese.

„Und dann hoffen wir mal, dass die Gaststätten in Willingen wenigstens an Fronleichnam wieder öffnen und das Ausflugsgeschäft mitnehmen können“, sagt Landrat Dr. Kubat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.