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Corona in Waldeck-Frankenberg: Kreis will stärker kontrollieren – „Die Leute sollen das ernst nehmen“

Zwei Einsatzkräfte des Ordnungsamt in einer gelben Warnweste.
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Der Kreis Waldeck-Frankenberg hat am Donnerstag 19 Neuinfektionen vermeldet. (Symbolfoto)

Die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen in Waldeck-Frankenberg ist am Donnerstag, 27. Mai 2021, unter den Grenzwert von 100 gefallen.

Update vom 27.05.2021, 15.30 Uhr: Der Kreis Waldeck-Frankenberg befindet sich noch immer unter den Top 10 der höchsten Inzidenzen in Deutschland. Die bundesweite Inzidenz ist auf 41 gesunken, in Hessen auf 49,9. Waldeck-Frankenberg ist am Donnerstag (27.05.2021) zum ersten Mal seit über drei Wochen wieder unter 100-Grenze gesunken: auf 99,7. Am Mittwoch lag sie bei 126, am Dienstag bei 141,9. Der Kreis belegt mit diesem Wert aber noch immer den neunten Platz bundesweit.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg berichtete am Donnerstag in einer Mitteilung von 19 Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Vergleich zum Mittwoch. Die sinkenden Zahlen machen Hoffnung auf baldige Lockerungen, der frühste Termin für diese wäre der 1. Juni, sollten die Werte dauerhaft unter 100 bleiben. Um die hohen Fallzahlen weiter in den Griff zu bekommen, will der Landkreis stärkere Kontrollen durchführen.

In Waldeck-Frankenberg lag die Inzidenz zuletzt am 3. Mai unter 100: bei 94,6. Damals war der Wert allerdings beeinflusst durch den Feiertag am 1. Mai.

Corona in Waldeck-Frankenberg: „Die Leute sollen das ernst nehmen“

Erstmeldung vom Mittwoch, 26.05.2021: Waldeck-Frankenberg – Trotz der gesunkenen Inzidenz ist Waldeck-Frankenberg im bundesweiten Inzidenz-Ranking des Robert-Koch-Instituts am Mittwoch auf Platz 5 gestiegen: Nur in vier Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland war der Wert am Mittwoch höher; bundesweit lag er erstmals seit Oktober unter 50.

Um die hohen Corona-Zahlen in Waldeck-Frankenberg in den Griff zu bekommen, will der Landkreis jetzt stärker vor Ort kontrollieren. Dazu wollen sie am Mittwoch mit den Bürgermeistern von Korbach, Frankenberg, Bad Wildungen, Bad Arolsen, Battenberg und Allendorf-Eder sprechen, kündigten Landrat Dr. Reinhard Kubat und Gesundheitsdezernent Karl-Friedrich Frese am Mittwoch in einem Pressegespräch an. In diesen Orten – vor allem in den Kerngemeinden – gibt es etwa zwei Drittel aller 384 akuten Corona-Fälle im Kreis.

Menschen, die infiziert und in Quarantäne sind, sollen stichprobenartig zuhause aufgesucht werden – vor allem aus den Bevölkerungsgruppen, die durch die bisherigen Appelle nicht erreicht worden seien, erklärte Kubat. „Wir wollen das Gespräch suchen und aufklären“, sagte Frese. „Wenn man in Quarantäne ist, kann man nicht machen, was man will. Die Leute sollen das ernst nehmen.“

„Wenn man in Quarantäne ist, kann man nicht machen, was man will. Die Leute sollen das ernst nehmen.“

Karl-Friedrich Frese, Vize-Landrat

Da der Landkreis die Adressen der akuten Corona-Infizierten kennt, seien die Infektionsherde bekannt, erläuterte Frese. Es handele sich vor allem um die Kernorte der Mittelzentren Korbach, Frankenberg, Wildungen, Arolsen und Battenberg/Allendorf. Frese: „In unserem Gespräch am Donnerstag mit den Bürgermeistern wollen wir eine Strategie besprechen und sie fragen: Wo sollten wir für die Kontrollen als erstes hingehen? Dann müssen wir Erfahrungen sammeln, wie das läuft.“

Corona in Waldeck-Frankenberg: Kontrollen mit den Ordnungsämtern

Der Landkreis holt für die Kontrollen die Ordnungsämter mit ins Boot. „Das müssen wir von den Kommunen verlangen“, sagte Frese. Das Argument, die Ordnungsämter hätten zu wenig Personal dafür, höre er ständig. „Das lasse ich aber nicht gelten. Die Kreisverwaltung ist in vielen Bereichen auch nur noch für die Pandemie tätig. Dann müssen andere Aufgaben liegen bleiben.“ Der Kreis habe allein für die Kontaktnachverfolgung 75 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt.

Vielleicht habe der Kreis die Corona-Zahlen bisher zu sehr verwaltet, räumten Kubat und Frese ein. „Wir haben jetzt reagiert. Vielleicht waren wir ein paar Tage zu langsam, aber wir gucken jetzt auch, aus welchen Bevölkerungsgruppen die Infizierten kommen und wo sie arbeiten“, erklärte Frese. Ein Ergebnis ist, mit den großen Firmen zu sprechen, ihre Mitarbeiter für die aktuelle Corona-Lage zu sensibilisieren.

Trotz der hohen Zahlen sind Kubat und Frese optimistisch, sprechen von „richtigen Schritten“. Frese: „Wenn jetzt keine Überraschungen mehr kommen, sind wir morgen bei einer Inzidenz im 100er-Bereich.“

Nach Shitstorm: Landrat entschuldigt sich für Äußerung

Nach unserer Berichterstattung vom Samstag, 22. Mai 2021, über die hohen Corona-Zahlen hatte es von Lesern und den Kreis-Grünen Kritik an den Erklärungen des Landkreises gegeben. Vize-Landrat Karl-Friedrich Frese sprach am Mittwoch sogar von einem Shitstorm. Die Reaktionen bezogen sich auf zwei Bereiche: dass der Kreis die Schuld an der aktuellen Infektionslage von sich gewiesen habe und auf Kubats Aussage, dass die bisherigen Appelle manche Menschen, „die kaum Deutsch verstehen“, nicht erreicht hätten.

„Wenn ich Bevölkerungsgruppen mit einer lapidaren Äußerung in Misskredit gebracht haben sollte, entschuldige ich mich dafür. Das war nicht meine Absicht. Und ich wollte damit auch nicht von mir ablenken“, betonte Landrat Reinhard Kubat am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ob der Landkreis bei der Bewältigung der aktuellen Corona-Lage etwas falsch gemacht habe, wisse er nicht, sagte Kubat. „Ich sehe nur, dass wir schlecht dastehen.“ - „Im Nachhinein ist man immer schlauer“, sagte Karl-Friedrich Frese. „Wir haben jetzt gegengesteuert, das müssen wir erstmal sortieren. Vielleicht waren wir damit ein paar Tage zu langsam, aber in der Pandemie ist jeder Tag Neuland.“

„Abseits des Shitstorms gab es auch ein gewisses Wachrütteln der Bevölkerung“, sagte Frese. „Setzt sich der Trend fort, könnten wir Ende der Woche bei einer Inzidenz von 100 sein. Danach könnte es in großen Schritten weitergehen.“ Ob das schon Auswirkungen auf Fronleichnam am 3. Juni hat – vor allem für die Öffnung der Außengastronomie? „Eher nein“, glaubt Kubat.

Corona in Waldeck-Frankenberg: Die akuten Fälle in den Städten und Gemeinden

Weil seit Dienstag 18 Menschen, die schon infiziert waren, wieder genesen sind, ist die Zahl der akuten Fälle im Ergebnis um 17 auf 384 gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit einer Woche. 29 Corona-Patienten liegen im Krankenhaus (-1), weiterhin sechs auf der Intensivstation. Einen neuen Todesfall im Zusammenhang mit Corona gibt es laut Landkreis nicht. 

Wie sich die 384 akuten Corona-Fälle vom Mittwoch auf die 22 Städte und Gemeinden verteilen, zeigt die Übersicht (in Klammern der Vergleich zum Vortag):

  • Allendorf 28 (+0)
  • Bad Arolsen 27 (- 3)
  • Bad Wildungen 45 (- 3)
  • Battenberg 41 (- 3)
  • Bromskirchen 13 (+0)
  • Burgwald 20 (- 2)
  • Diemelsee 5 (+0)
  • Diemelstadt 0 (+0)
  • Edertal 11 (- 1)
  • Frankenau 0 (+0)
  • Frankenberg 45 (+0)
  • Gemünden 3 (+0)
  • Haina 4 (+0)
  • Hatzfeld 0 (- 1)
  • Korbach 56 (- 1)
  • Lichtenfels 5 (+0)
  • Rosenthal 5 (+0)
  • Twistetal 14 (- 3)
  • Vöhl 11 (+0)
  • Volkmarsen 23 (+0)
  • Waldeck 19 (+0)
  • Willingen 9 (+0)

Erklärung zur Statistik

Die Zahlen in der Liste oben sind nicht die Neuinfektionen, sondern die akuten Fälle (Menschen, die aktuell infiziert sind). Die Zahlen, die in Klammern stehen, sind das Plus bzw. Minus an akuten Fällen im Vergleich zur letzten Veröffentlichung. Dass die Zahl der Neuinfektionen nicht mit dem Plus an akuten Fällen identisch ist, ergibt sich dadurch, dass im Gegenzug zu den Neuinfektionen auch Menschen, die bisher zu den akuten Fällen zählten, wieder genesen. Beispiel: Wenn es in einer Stadt 30 Neuinfektionen gibt, gleichzeitig aber 5 bisher Infizierte genesen, dann gibt es in dieser Stadt nur 25 neue akute Fälle (30 Neuinfektionen minus 5 Genesene). Das ist dann die Zahl in Klammern. Und wenn eine andere Stadt 5 Neuinfektionen hat, aber gleichzeitig 10 neue Genesene, dann steht in Klammern -5.

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