Corona-Zahlen erneut stark gestiegen

75 Neuinfektionen in Waldeck-Frankenberg - Kliniken sind vorbereitet

Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen: Gesundheits- und Krankenpflegerin Luisa Ehlert (links) und die Ärztliche Leiterin der Intensivstation Dr. Claudia Bader an einem freien Intensivbett.
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Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen: Gesundheits- und Krankenpflegerin Luisa Ehlert (links) und die Ärztliche Leiterin der Intensivstation Dr. Claudia Bader an einem freien Intensivbett.

Die zweite Welle der Corona-Pandemie mit aktuell 205 Infizierten in Waldeck-Frankenberg hat die Situation in den Krankenhäusern im Landkreis verschärft.

Waldeck-Frankenberg – Es geht darum, genügend Intensivbetten bereitzuhalten, um Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt sind, behandeln zu können. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, rechnet im November mit einem Höchststand an Intensivpatienten – mehr noch als bei der ersten Corona-Welle im April.

Aktuell (Stand: 2. November) werden in Waldeck-Frankenberg 40 Corona-Patienten stationär behandelt. Der Landkreis sei insgesamt gut aufgestellt, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese dazu am Montag im Kreistag.

Laut dem ärztlichen Direktor der Asklepios-Kliniken in Bad Wildungen, Dr. Matthias auf dem Brinke, liegen die Fallzahlen bereits jetzt deutlich höher als im Frühjahr. Die Klinik verfüge über zwölf Intensivbetten, die im Eskalationsfall auf 20 ausgeweitet werden können. „Aktuell befinden sich neun Corona-Patienten auf der Normalstation (isolierte Covid-Station), ein Patient mit Covid-19 muss beatmet werden“, teilt Dr. Claudia Bader mit, die die Intensivstation leitet.

Inzidenz auf 120,3 gestiegen

Die Corona-Zahlen in Waldeck-Frankenberg sind übers Wochenende deutlich gestiegen. Am Montag, 2. November, meldete der Landkreis 75 Neuinfektionen seit Freitag. Aktuell sind 205 Menschen infiziert, 51 mehr als am Freitag, weil in der Zwischenzeit 24 Menschen, die schon infiziert waren, wieder genesen sind. Die Inzidenz ist von 94,0 am Freitag auf 120,3 am Montag gestiegen. Neue Beschränkungen treten damit aber nicht in Kraft, da seit Montag ein hessenweiter Lockdown gilt. 

Ohne Lockdown könnte die Lage schwierig werden, da dann mit einer Verdopplung der Auslastung der Normalstation binnen sieben Tagen (Intensivstation: binnen zehn Tagen) zu rechnen sei und geplante Operationen oder Behandlungen anderer Patienten verschoben werden müssten, um die Versorgung der Covid-19 Patienten sicherzustellen, sagt Bader.

Im Kreiskrankenhaus Frankenberg ist laut Pressesprecherin Julia Weiss aktuell keines der acht Intensivbetten mit einem Covid-19-Patienten belegt. Als Reaktion auf die gestiegenen Zahlen im Landkreis sei vergangene Woche vorsorglich die Zahl der Isolierzimmer erhöht worden. „Gemäß den Pandemieplänen können wir die Erfahrungen aus dem Frühjahr einfließen lassen“, sagt Weiss. „Das Kreiskrankenhaus ist seit März bereit, jederzeit Verdachtsfälle und erkrankte Patienten zu behandeln.“

Im Stadtkrankenhaus Korbach werden vier Covid-19-Patienten behandelt“, teilt Sprecherin Tanja Jostes mit. Am Montag befanden sich zwei Patienten auf der Intensivstation, zwei weitere auf der Covid-19-Isolierstation. „Insgesamt verfügt unsere Intensivstation über 14 Betten und die Möglichkeit, zehn Patienten invasiv zu beatmen.“

„Die Versorgung der Covid-19-Patienten ist für Pflegepersonal und auch Ärzte aufgrund der doch sehr umfassenden Schutzmaßnahmen deutlich belastender als bei anderen Patienten“, sagt Dr. Claudia Bader, Ärztliche Leiterin der Intensivstation der Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen. „Am Limit, im Sinne der Bilder, die wir alle aus Italien vor Augen haben, wird aber nicht gearbeitet“, stellt sie klar.

„Die Versorgung der Covid-19-Patienten ist für Pflegepersonal und auch Ärzte aufgrund der doch sehr umfassenden Schutzmaßnahmen deutlich belastender als bei anderen Patienten.“

Dr. Claudia Bader, Ärztliche Leiterin der Intensivstation der Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen.

Die Klinik in Bad Wildungen profitiere von den Erfahrungen der vergangenen Monate. „Die Abläufe sind jetzt eingespielt, es existieren medizinische Leitlinien für die Versorgung, wie beispielsweise für die medikamentöse Therapie oder Beatmungsregime“, erläutert Dr. Bader. Im Unterschied zur ersten Welle sei aber aktuell das gleichzeitige Fortführen der elektiven Patientenversorgung herausfordernd. „Diese war ja im Frühjahr – politisch gelenkt – ausgesetzt mit entsprechenden Konsequenzen für die Personalauslastung“, so die Ärztin.

Im Korbacher Stadtkrankenhaus reiche die Zahl der beschäftigten Pflegekräfte aktuell aus, um die Patienten der Region adäquat versorgen zu können, betont dessen Sprecherin Tanja Jostes. Natürlich könne sich diese Situation im Zuge einer Pandemie aber jederzeit ändern.

„Aktuell gibt es seitens der Politik noch keine regulatorischen Maßnahmen, mittels derer die Krankenhäuser in Deutschland aufgefordert werden, den Regelbetrieb wieder auf einen Corona-Notfallbetrieb umzustellen“, sagt Jostes. „Sollte dies erneut erfolgen, werden auch im Stadtkrankenhaus wieder nicht unmittelbar notwendige Operationen und Behandlungen verschoben werden müssen, damit sich das Personal auf Covid-19 Patienten konzentrieren kann“, kündigt die Pressesprecherin an.

Intensivregister: 91 Betten im Landkreis

Nach dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat auch das Krankenhaus in Bad Arolsen derzeit noch genügend freie Intensivbetten. Laut diesem Register beträgt der Anteil der Covid-19 Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten in Waldeck-Frankenberg aktuell (Stand 2. November) 1,1 Prozent. Von den insgesamt 91 Intensivbetten seien 58 belegt und 33 noch frei.

„Auch für die stationäre Behandlung Erkrankter unterhalb der Intensivschwere haben wir noch ausreichend Kapazitäten und halten bei Bedarf Reserven vor“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese gestern im Kreistag. „Wir wollen aber, dass diese Reserven gar nicht erst genutzt werden. Deshalb ist die Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Virus unser vorrangiges Ziel.“

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