„Hätte einfach weitermachen können“

Korbach: Mann wird positiv auf Corona getestet - und von Behörden ignoriert

Testabstrich in einem Labor.
+
Ein Mann aus Korbach ist positiv auf Corona getestet worden. Doch der Laborbescheid kam erst mit Verspätung beim Gesundheitsamt an. (Symbolfoto)

Ein Mann aus Korbach ist positiv auf Corona getestet worden – doch über mehrere Tage war er kein offizieller Corona-Fall. Scheinbar kam das Testergebnis zu spät.

Korbach – Marcus Brede fühlte sich nicht gut. War es Corona*? Am Donnerstag, 10. Dezember 2020, ließ er im Testzentrum Korbach einen Abstrich machen. Am Montag, 14. Dezember 2020, lag Post von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen im Briefkasten: Der Corona-Test war positiv.

Das war für Marcus Brede vor allem erst einmal ein Schock. Dann kamen die Fragen: Wie geht es für ihn weiter? Worauf muss er sich einstellen? Der Korbacher rief beim Gesundheitsamt an, doch dort konnte ihm keiner weiterhelfen: Sein Testergebnis lag nicht vor, das Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung akzeptierte der Mitarbeiter des Fachdienstes nicht als Beleg für eine nachgewiesene Infektion.

„Ich war damit offiziell kein Corona-Fall – und konnte so auch nicht in Quarantäne geschickt werden“, sagt der Korbacher und schüttelt mit dem Kopf: „Ich wusste überhaupt nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ich hätte einfach ganz normal weitermachen können.“

Corona in Korbach: Fachdienst Gesundheit nimmt üblicherweise sofort Kontakt auf

In der Regel läuft es so: Der Fachdienst Gesundheit nimmt sofort Kontakt mit den Betroffenen auf, sobald dem Landkreis per Fax ein positives Testergebnis durch die Labore oder die Kassenärztliche Vereinigung gemeldet wird und leitet – wenn notwendig – weitere Schritte ein. Regelmäßig erkundigen sich Mitarbeiter des Gesundheitsamtes nach dem Gesundheitszustand.

Getestete, die ihr positives Ergebnis bereits vorab von der Kassenärztlichen Vereinigung erhalten, werden laut Landkreis gebeten, sich zu isolieren, bis der Fachdienst Gesundheit sich meldet, um gemeinsam die notwendigen weiteren Schritte – wie beispielsweise die weitere Quarantäne oder die Ermittlung der Kontaktpersonen – zu besprechen. „In der Regel sind eine Vielzahl der Getesteten ohnehin bereits in Quarantäne, wenn sie Kontaktperson eines nachweislich Infizierten sind“, so eine Sprecherin des Landkreises.

Korbach: Mann begibt sich nach Corona-Test freiwillig in Quarantäne

Doch bei Brede rief keiner an. Im Gegenteil: Über Tage versuchte er ergebnislos eine offizielle Anordnung vom Gesundheitsamt zu bekommen. „Mein Arbeitgeber brauchte ja auch einen Nachweis“, sagt Brede. Der Korbacher hatte sich kurzerhand eigenständig in Quarantäne begeben.

Auch seine Frau, die nicht getestet worden war, blieb vorerst zu Hause. Erst 14 Tage, nachdem bei ihm die ersten Symptome aufgetreten waren, beendete Brede seine freiwillige häusliche Absonderung. Dann kam schließlich auch ein Brief vom Gesundheitsamt – die erste offizielle Reaktion der Behörde: Er könne die Quarantäne nun beenden.

Kreis verteidigt sich: Corona-Labore waren in der Region Korbach stark ausgelastet

Der Landkreis erklärt den Vorfall so: „Im Dezember waren das Testzentrum und die Labore zwischenzeitlich extrem stark ausgelastet, sodass sich offenbar die Übermittelung der Ergebnisse an den Landkreis verzögert hat“, schreibt eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. Darauf habe der Landkreis leider keinen Einfluss.

Von gehäuft aufgetretenen Problemen weiß zumindest die Kassenärztliche Vereinigung Hessen nichts: „Der Fall von Herrn Brede ist uns bekannt, ähnliche Fälle liegen uns bisher nicht vor“, sagt Sprecher Alexander Kowalski. „Grundsätzlich funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Labor sehr gut, daher gehen wir hier von einem Einzelfall aus.“ (Lutz Benseler) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.