Auch das Robert-Koch-Institut fragt bei ihm nach 

Corona: Infektion durch Viren in der Raumluft? Ein Forscher warnt eindringlich

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird diskutiert, ob eine Infektion durch Raumluft möglich ist. Ein Forscher aus der Region Kassel weiß mehr zur Verteilung der Viren.

  • Renommierter Forscher zur Infektion mit Corona*-Viren aus der Region Kassel
  • Er erforscht wie sich Viren in der Raumluft verteilen und eine Infektion auslösen 
  • In der Corona-Krise ist seine Sicht stark gefragt - auch das Robert-Koch-Institut fragt bei ihm nach

Gemünden/Kassel - Der Physiker Dr. Gerhard Scheuch aus Gemünden/Wohra im Landkreis Waldeck-Frankenberg in der Region Kassel ist derzeit ein gefragter Gesprächspartner bei Medizinern und Wissenschaftlern zum Thema Übertragung von Corona-Viren durch die Atemluft.

Sogar Prof. Dr. Lothar Wieler, der Leiter des Robert-Koch-Instituts in Berlin, tauscht sich telefonisch mit dem Gemündener über die Übertragung von Sars-Co-2-Viren mittels Atem-Aerosolen aus. Grund sind Scheuchs Forschungen und Erkenntnisse zu den winzigen kleinen Aerosolteilchen, die beim Atmen in die Raumluft gelangen, dort lange schweben und wahrscheinlich zu einer Infektion führen können.

Corona: Infektion durch Viren in der Raumluft möglich? Das sagt ein forscher aus der Region kassel

 „Es gibt schon seit längerem Hinweise dafür, dass die Viren nicht nur durch Reden, Husten oder Niesen verbreitet werden, sondern sogar durch das ganz normale Atmen“, sagt der 64-Jährige.

Bereits in den 1980er-Jahren hatten seine Kollegen und er beim Aerosolforschungsinstitut der Gesellschaft für Strahlenforschung in Frankfurt entdeckt, dass beim Atmen Schwebeteilchen in die Raumluft gelangen. Und zwar Teilchen, die nicht zuvor eingeatmet wurden, sondern erst in der Lunge entstanden sind, wie beispielsweise Corona-Viren. Das veröffentlichte die Arbeitsgruppe damals – aber nur als Nebenprodukt (Störfaktor). Denn das Interesse galt dem Umweltaspekt und dem Verbleiben der mit der Luft eingeatmeten Partikel in der Lunge.

Corona: Forscher aus der Region kassel - Viren schweben in der Luft und können zur Infektion führen 

In den 2000er-Jahren nahmen amerikanische Wissenschaftler dieses Ergebnis wieder auf und untersuchten die Schwebeteilchen, die beim Atmen entstehen. Sie wiesen nach, dass diese Aerosolpartikel auch Viren enthalten.

Scheuch ist überzeugt, dass auch das Corona-Virus, das sich ja in den tiefen Lungenbereichen vermehrt, schon durch ganz normales Atmen in der Raumluft verbreitet und eine Infektion auslösen kann. „Man muss da gar nicht mal niesen oder husten.“

Seit März verfolgt der Gemündener die Publikationen zum Virus, insbesondere die aus China. Die meisten sind auf der Internet-Datenbank „pubmed“ zu finden. Und viele Artikel bestätigen seine Hypothese, sagt er und nennt Beispiele.

Corona: Infektion durch Viren in der Luft - Chinesische Forscher liefern die Hinweise 

So berichteten chinesische Forscher, dass unter 7000 Infizierten nur in einem Fall eine Infektion im Freien stattfand. Alle anderen infizierten sich in geschlossenen Räumen, in denen sich die Aerosolteilchen sehr lange in der Luft halten können, während sie im Freien so stark verdünnt werden, dass sie kaum noch Schaden anrichten können.

Auch wurden in verschiedenen Krankenhäusern in Wuhan in der Luft SARS-COV-2-Viren (Corona) nachgewiesen. Ein anderer Artikel befasste sich mit der Ausbreitung des Virus in einem chinesischen Restaurant, bei der sich genau die Gäste ansteckten, die in der Aerosolwolke des Infizierten gesessen haben. Schon seit 2003 ist nach Darstellung des Gemündener Wissenschaftlers bekannt, dass sich bei der damaligen Sars-I-Epidemie hunderte Bewohner eines Hochhauses in Hongkong über die Lüftung mit dem Virus angesteckt hatten. (Das Virus war ursprünglich durch Fäkalien in die Lüftung gelangt.)

Corona: Viren in der Luft - Infektion möglich? Das interessiert auch Virologen und das Robert-Koch-Institut 

Seine Hypothese hat Scheuch in einem Artikel zusammengefasst, der jetzt in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht wird. Er hat den Inhalt auch den verschiedensten deutschen Virologen mitgeteilt, die lange Zeit die Infektion durch Husten-Tröpfchen und Schmier-Infektion in den Mittelpunkt stellten. Diese Aspekte diskutiert er jetzt auch mit dem Robert-Koch-Institut.

„Ich freue mich, dass Wissenschaftler mittlerweile weltweit auch die Ansteckungsgefahr durch Aerosolteilchen mehr in den Fokus rücken“, sagt Scheuch. Im März fand er unter den Internet-Suchbegriffen Corona und Aerosole nur einige wenige Beiträge, nun seien es über 200. Sein Fazit: „Die Infektion über die Raumluft ist nicht der einzige, aber vielleicht der wichtigste Ansteckungsweg. Er muss beachtet werden.“

Corona: Das Schützt vor einer Infektion mit den Viren: 

„Lüften, lüften, lüften!“, das ist eine der Empfehlungen, die der Gemündener Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch zur Verringerung der Gefahr einer Corona-Infektion, gibt. Er rät, sich viel draußen aufzuhalten.

„Ich habe nicht verstanden, warum Kinderspielplätze gesperrt wurden. Gerade in Ländern mit strengen Ausgangssperren, wie etwa Spanien, ist die Zahl der schwer Erkrankten sehr hoch.“

Auf seiner Facebook-Seite empfiehlt er: „Im öffentlichen Raum, beim Sport, an der frischen Luft braucht man keine Maske. Abstand halten ist da die bessere Maßnahme. Die allermeisten Übertragungen der Viren finden in geschlossenen Räumen statt. Die Viren vertragen UV-Licht nicht und verlieren deshalb in der Sonne schnell ihre Gefährlichkeit. Wenn man häufig hustet oder niest, sollte man natürlich beim Zusammentreffen mit anderen Personen die Maske auch nutzen.“

Corona: Infektion durch Viren - Warnung vor FFP-Masken 

Auch er warnt aber vor FFP-Masken mit Ventil. Wie berichtet, schützen sie zwar den Träger, verteilen aber seine ausgeatmete Luft im Raum, wirken wie eine Virenschleuder, sollte er eine Infektion haben. Zudem sind einige Mundschutz-Masken auf dem Markt, vor denen ganz offiziell gewarnt wird, weil sie zu einem erhöhtem Infektionsrisiko beitragen. d

Von namhaften Industrieunternehmen erhält Scheuch Anfragen, zum Beispiel wie Lüftungen ausgestattet sein müssen, damit Corona-Viren nicht verbreitet werden. „Hochleistungsfilter, die sogenannten HEPA-Filter, könnten auch winzige Schwebeteilchen, wie Viren, aus der Luft filtern“, sagt er. Solche Filtergeräte können seinen Angaben nach auch für die Reinigung von Raumluft genutzt werden.

Und folgenden generellen Gesundheit-Tipp gibt der Aerosolexperte noch weiter: „Wenn man einen Infekt hat, kann man die Inhalation mit Kochsalzlösung nutzen, um einerseits die Reinigungsfunktion der Lunge zu verbessern und andererseits das Abatmen der kleinen Aerosole zu verringern. Experimente haben gezeigt, dass damit über 70 Prozent weniger Aerosolteilchen ausgeatmet werden.“

Corona: Teilchen oder tropfen - Was löst eine Infektion durch Viren aus? 

Ein Problem in der Diskussion über die Verbreitung der Corona-Viren in der Luft beschreibt der Aerosolphysiker Scheuch so: Der Begriff Aerosol wird falsch benutzt und umgedeutet. Ein Aerosol ist ein Gemisch aus einem Gas – in der Regel Luft – und festen und/oder flüssigen Bestandteilen. Als Aerosole werden aber oft fälschlicherweise die kleinen Aerosolteilchen bezeichnet, die in der Raumluft schweben.

In einem Kubikzentimeter Luft schwirren etwa 50.000 Partikel – kleinste Teilchen und Viren bis hin zu sichtbaren Partikeln wie Staub und Pollen. Bei der Infektion kommt es unter anderem darauf an, wie lange die Corona-Viren/Aerosolteilchen in der Luft bleiben. Wenn größere Partikel, etwa beim Niesen oder Husten, wie Geschosse durch die Luft fliegen, nennen Forscher sie Tropfen. Dafür müssen sie deutlich größer als 50 Mikrometer sein. Wenn Tropfen sich weniger als ein paar Sekunden in der Luft halten, sind es kein Aerosolteilchen mehr. Und diese Tropfen können sich nicht sehr weit verbreiten.“

Gefahr einer Corona Infektion: Scheuch ist ein weltweit anerkannter Experte was die Viren Verteilung angeht 

Dr. Gerhard Scheuch (64) gilt in Wissenschaftskreisen als weltweit anerkannter Aerosolexperte. Er war unter anderem Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin.

Schon Anfang der 1990er-Jahre wies der gebürtige Gemündener nach, dass mit der Luft eingeatmete Aerosolpartikel viel länger in der Lunge bleiben und zu einer Infektion führen können, als man vorher angenommen hatte. Daraufhin wurden weltweit die Grenzwerte für bestimmte schädliche Substanzen und radioaktive Partikel herabgesenkt.

Infektion durch Corona-Viren: Experte hatte auch eine eigene Firma in dem Bereich der Inhalationssysteme 

Scheuch forschte am Helmholtz-Zentrum für Umwelt und Gesundheit in Frankfurt und Gauting, gründete in seiner Heimatstadt mit Activaero ein führendes Unternehmen im Bereich der Inhalationssysteme und Aerosoltechnologie, das weltweit exklusive Patente zur Inhalation von Substanzen zur Therapie von Atemwegserkrankungen nach einer Infektion innehatte. Diese erfolgreiche Firma verkaufte er 2014 an das britische Unternehmen Vectura.

Als dieses sich aus Gemünden zurückzog, erwarb Scheuch 2016 die Firmengebäude zurück. Dort haben sich mehrere Firmen aus der Medizintechnik-Branche angesiedelt, darunter Scheuchs eigene neue Firma: GS-Bio-Inhalation, die vor allem beratend tätig ist, und die AspiAir, die Scheuchs Forschungen zur Inhalation von einer Form von Aspirin weiterführt.

Seit einem Unfall im Juni 2018 ist Scheuch querschnittsgelähmt, was aber seinen unternehmerischen und wissenschaftlichen Elan nicht bremst.

Infektion mit Corona-Viren: Manche haben gar keine Angst 

Vor der Infektion mit den Viren* haben einige Menschen keine Angst. Warum die Corona-Regeln in diesem Viertel nicht eingehalten werden.

Achtung, Rückruf! Diese Atemschutzmasken schützen möglicherweise nicht vor Corona*.

Von Martina Biedenbach

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Rubriklistenbild: © Martina Biedenbach

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