Musiktipp: Alter Soul und neue Beats

Schmutz mit Seele - Curtis Harding: If Words Were Flowers

Curtis Harding: If Words Were Flowers
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Curtis Harding: If Words Were Flowers

Curtis Harding wollte Meeresforscher werden. Doch nun experimentiert er in Tiefen geheimnisvoller Klangwelten. Sein drittes Album heißt „If Words Were Flowers“.

Die Leidenschaft für urbanen Soul ist sein musikalisches Fundament – mit Sinn für die große Motown-Ära. „Slop’n’Soul“ nennt der Sohn einer Gospel-Sängerin seinen Mix aus altem Jazz und neuen Beats. Sein drittes Album klingt noch experimenteller als die beiden Vorgänger. Dabei lässt der Musiker aus Michigan Erfahrungen aus Soul, Gospel, Blues, Rock, Rap und Hip Hop einfließen.

Seine samtweiche, warme, volle Stimme erinnert an die schwarzen Stars der 60s- und 70s-Soul-Ära – zum Beispiel an Stevie Wonder und Marvin Gaye. Doch von einem Vintage-Stil sind die mit Co-Produzent Sam Cohen entwickelten Songs weit entfernt – zu computeranimiert sind die Rhythmen, zu üppig die Percussion. Im reizvollen Kontrast zu synthetisch modernen Sounds blühen analoge Bläserklänge von Trompeten und Saxophonen auf („Explore“), die besonders schön bei jazzigen Passagen zum Tragen kommen („Forever More“).

Zu den spirituell angehauchten Texten („If words where flowers – they carry power – so proud and beautiful“) passt die zwischen cooler Lässigkeit und berührender Melancholie pendelnde Grundstimmung. Eine wohltuend anregender Entspannungs-Mix aus opulent-verträumten Streichern („With You“), futuristisch wirbelnden Synthie-Spielereien („So Low“) und schüchtern riffenden E-Gitarren („Can’t Hide It). Bis zum hoffnungsvoll-eindringlichen Finale mit coolem Rap und rührendem Gospelchor mit aufrüttelndem Verweis auf die „Black Lives Matter“-Bewegung („Hopeful“).

Iggy Pop hat Curtis Harding als „coolsten Soulsänger der Gegenwart“ bezeichnet, und Jack White nahm ihn sogar mit auf Tour. Der einstige Background-Sänger von CeeLo Green vereint lässige Coolness und berührende Melancholie bei der entspannten Suche nach Tiefe, verschmolzen in einem Mix aus Retro und Moderne im nach Liebe schmachtenden Soundtrack. Eine spannende Vermittlung zwischen Zeiten und musikalischen Welten.

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