„Das gibt es für keine andere Stadt“

Daniel Bamberger hat alte Einwohnerliste für Battenberg erforscht

„Die Einwohner des Amtes Battenberg“ zwischen 1400 und 1600: Daniel Bamberger, hier im Haus seiner Mutter in Laisa, zeigt seine beiden dicken Büchern, die sich als Quellensammlung vor allem an Hobbyhistoriker und Familienforscher richten.
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„Die Einwohner des Amtes Battenberg“ zwischen 1400 und 1600: Daniel Bamberger, hier im Haus seiner Mutter in Laisa, zeigt seine beiden dicken Büchern, die sich als Quellensammlung vor allem an Hobbyhistoriker und Familienforscher richten.

Daniel Peter aus Marburg hat zwei dicke Bücher über „Die Einwohner des Amtes Battenberg“ geschrieben. Was zunächst unspektakulär klingt, ist tatsächlich eine interessante Quelle für die lokale Geschichts- und Familienforschung.

Battenberg – Ausgangspunkt für die Arbeit des 33-jährigen Daniel Peter aus Marburg, dessen Familie in Laisa wohnt, ist eine bislang unbekannte Einwohnerliste aus dem Jahr 1495, die fast 1000 Einwohner des Amtes Battenberg auflistet. „So etwas gibt es für keine andere Stadt in Nordhessen“, sagt Bamberger. Im Interview erklärt er, für wen seine beiden Bücher interessant sind.

Die beiden Bücher behandeln „Die Einwohner des Amtes Battenberg“. Um welche heutigen Dörfer geht es?

Das Amt Battenberg umfasste die Orte, die heute zu den Städten Battenberg und Hatzfeld und zur Gemeinde Münchhausen gehören.

Und worum geht es inhaltlich?

Das Buch ist eine Quellensammlung für Familienforscher und Ortshistoriker, mit einem Schwerpunkt auf die Zeit von 1340 bis 1600. Seit 1624 gibt es die Kirchenbücher, mit denen sich Abstammungen bis ins frühe 17. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Wer etwas über die Bevölkerung vor Einführung der Kirchenbücher herausfinden möchte, muss auf andere Quellen zurückgreifen, die aber erst einmal gefunden und ausgewertet werden müssen. Hier bietet mein Buch eine Hilfestellung.

Welche Quellen haben Sie dafür ausgewertet?

Die Idee zum Buch entstand 2012. Damals stieß ich bei Recherchen im Staatsarchiv in Marburg auf eine bislang unbekannte Einwohnerliste aus dem Jahr 1495, die fast 1000 Einwohner des Amtes Battenberg auflistet – Männer, Frauen und Kinder. So etwas gibt es für keine andere Stadt in Nordhessen. Mein Ziel war es, dieses Dokument in einen breiteren Kontext zu stellen. Dazu habe ich in den vergangenen Jahren die Bestände der Staatsarchive in Marburg und Darmstadt nach Akten durchsucht, die Informationen über die Bewohner des Amtes Battenberg enthalten. Mein Buch besteht aus einer Auswahl der wichtigsten dieser Texte, die ich anderen Forschern zugänglich machen möchte.

Welche Informationen bieten Ihre beiden Bücher für Historiker und Dorfchronisten?

Die Informationen sind vielfältig, was auch der Quellenlage geschuldet ist. Wer einmal Familienforschung betrieben hat, der kennt die typischen Daten, die sich bei Standesämtern oder aus Kirchenbüchern ermitteln lassen: Geburt, Heirat, Tod, vielleicht noch Konfirmation, Beruf und Taufpaten. Das sind wertvolle Informationen, und in den wenigen Fällen, wo sie für die Zeit vor 1600 verfügbar sind, greife ich sie gerne auf. Battenfeld zum Beispiel hat eines der ältesten Kirchenbücher Hessens, und den ältesten Teil (1574-1597) habe ich in mein Buch aufgenommen. Daneben gibt es Steuerlisten, die etwas über Besitzverhältnisse verraten, Musterungslisten der wehrfähigen Bevölkerung, und einiges mehr. Ich gebe einen Einblick, wie diese Quellen ausgewertet werden können, etwa um die Entwicklung der Bevölkerungszahlen zu rekonstruieren. Die Möglichkeiten gehen aber viel weiter.

Was sind die spannendsten Inhalte, auf die Sie bei Ihrer Arbeit gestoßen sind? Gibt es neue Erkenntnisse für die Heimatforschung?

Die Einwohnerliste von 1495 sticht natürlich hervor, weil das Dokument so lange unbeachtet geblieben ist. Interessant sind auch Details zu den Vorfahren berühmter Persönlichkeiten, wie zum Beispiel zum Goethe-Ahnen Philipp Orth. Am meisten überrascht hat mich aber, wie sehr das 16. Jahrhundert eine Zeit des Wachstums und des Umbruchs war. Ein Aspekt hat seit Beginn der Corona-Pandemie eine neue Bedeutung bekommen: Der Zeitraum, den ich untersuche, wird von zwei Krisen eingegrenzt, die beide auf eine Epidemie zurückgehen: Die Pandemie von 1347-1351, bekannt als der „Schwarze Tod“, und die verheerende Pest von 1597, der fast die Hälfte der Bevölkerung von Battenberg zum Opfer fiel. Ich konnte es beim Schreiben des Buches nicht ahnen, aber die wirtschaftlichen und sozialen Folgen dieser Krisen sind heute aktueller denn je.

Vor allem im zweiten Band gibt es seitenweise Abschriften alter Stadtrechnungen. Was kann man heute damit anfangen?

Die Stadtrechnungen sind vor allem aus zwei Gründen interessant: Erstens, weil sie uns einen Einblick in das Alltagsleben der Bevölkerung geben. Im Vergleich zu anderen Dokumenten erscheinen die Einträge vielleicht profan, aber gerade darin liegt ihr besonderer Wert. Andererseits enthalten sie auch Details zur Stadtgeschichte, die bislang so nicht bekannt waren, etwa zum Bau des Battenberger Rathauses.

Sind die beiden Bücher auch etwas für Geschichtslaien?

Der Text der Quellen ist nicht leicht zugänglich, und man sollte keine Dorfchronik erwarten. Als Quellensammlung richtet sich mein Buch vor allem an Hobbyhistoriker und Familienforscher. Beide sind im Allgemeinen „Geschichtslaien“. Im ersten Band gebe ich unter anderem einen Einblick, wie sich die Quellen auswerten lassen, anhand einiger konkreter Fragen. Wer Interesse an der Ortsgeschichte hat, wird mit diesem Abschnitt sicher etwas anfangen können.

Was interessiert Sie persönlich an Heimatgeschichte und an solchen alten Unterlagen?

Sie erlauben uns einen Blick in die Vergangenheit, eine direkte Verbindung zu unseren Vorfahren. Neben der Heimatforschung bin ich vor allem Astronom. An der Astronomie fasziniert mich, dass wir aus der Beobachtung der Sterne und Planeten etwas darüber lernen können, wie unsere Erde zu der wurde, die sie ist. Die Heimatforschung stellt die gleiche Frage, nur in anderem Rahmen.

Haben Sie schon ein neues Projekt in Sachen Heimatforschung geplant?

Ja, wobei es nicht ganz neu ist, sondern direkt aus der Arbeit an meinem Buch hervorgeht. Ich arbeite gerade an der Geschichte der Pfarrers- und Lehrerfamilie Stipp. Im 16. und 17. Jahrhundert hatte sie großen Einfluss in Battenberg, Frankenberg und darüber hinaus.

Die beiden Bände (580 und 468 Seiten) kosten 19,99 Euro bzw. 17,99 Euro. Sie sind überall im Buchhandel erhältlich, unter dem Titel „Die Einwohner des Amtes Battenberg“, Band 1 und 2.

Von Jörg Paulus

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