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Waldeck-Frankenberg: Diesel und Dünger teurer: „Das ist schon dramatisch“

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Von: Susanna Battefeld

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Über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Landwirtschaft in Waldeck-Frankenberg haben wir mit Karl-Christian Wilke, Landwirt aus Dorfitter, gesprochen.
Über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Landwirtschaft in Waldeck-Frankenberg haben wir mit Karl-Christian Wilke, Landwirt aus Dorfitter, gesprochen. © Susanna Battefeld

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine – den beiden Kornkammern der Welt – hat auch Auswirkungen auf Landwirte in Waldeck-Frankenberg. Sie haben erhöhte Kosten für Dünger und Diesel und können kurzfristig nicht mehr Weizen anbauen.

Waldeck-Frankenberg – Laut Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg, haben sich die Weltmarktpreise für Weizen und Raps durch den Krieg verdoppelt, weil Exporte größtenteils ausfallen. „Rund ein Drittel des weltweit gehandelten Weizens stammt von dort. Auch bei Ölsaaten wie Sonnenblumen und Raps haben die beiden Länder einen hohen Anteil“, sagt er.

Gegenzusteuern und kurzfristig bei uns mehr Getreide anzubauen, sei nicht möglich: „Weizen wird bei uns im Herbst gesät und muss schon lange auf dem Acker stehen. Flächen, die jetzt im Frühjahr noch frei sind, werden zur Erzeugung von Viehfutter benötigt“, erläutert Eckel.

Hauptproblem der deutschen Landwirte seien die gestiegenen Betriebsmittelpreise, die Eckel und seine Kollegin Stephanie Wetekam vom Waldecker Kreisbauernverband als „besorgniserregend“ bezeichnen. „Der Preis für Diesel hat ein Allzeithoch erreicht, Maschinen und Ersatzteile sind schon durch die gestörten Lieferketten wegen Corona erheblich teurer.“ Dünger koste mindestens drei Mal so viel wie vergangenes Jahr und sei aktuell kaum verfügbar.

„Bei der Produktion von Stickstoffdünger wird Erdgas benötigt. Dies ist so teuer, dass viele Werke die Produktion eingeschränkt oder aufgegeben haben“, sagt Eckel. In diesem Frühjahr konnten viele Landwirte noch auf Restbestände zurückgreifen. Ob nächstes Jahr Dünger zu bekommen ist, sei ungewiss. „Das führt dazu, dass viele Landwirte weniger düngen, was zu geringeren Erträgen und schlechterer Qualität führt“, so Wetekam.

„Vielleicht sollten Politik und Gesellschaft wieder ein größeres Augenmerk auf die Produktion heimischer Nahrungsmittel legen, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen“, regt Eckel an.

Karsten Schmal (Sachsenhausen), Präsident des Hessischen Bauernverbandes, sagt, die ganze Situation mache ihm große Sorgen: „Da wird noch einiges auf uns zukommen.“

Auswirkungen auf Verbraucher

„In einem Brötchen ist nur für einen Cent Weizen enthalten. Selbst wenn sich der Weizenpreis verdreifacht, müsste ein Brötchen nur um 2 Cent teurer werden“, sagt Matthias Eckel. Mehl werde seiner Ansicht nach in Deutschland nicht knapp werden. Bei Speiseölen sehe es schon anders aus. „Sonnenblumen werden fast überhaupt nicht angebaut, und Rapsöl wird auch für viele technische Anwendungen gebraucht, so dass es hier zu Verknappungen kommen kann.“  

Das sagt ein betroffener Landwirt

Karl-Christian Wilke ist eigentlich ein eher optimistischer und positiv denkender Mensch, aber die Folgen des Ukraine-Krieges für seinen Milchviehbetrieb bereiten auch ihm im Sorgen. „Das ist schon dramatisch“, sagt der 37-Jährige mit Blick auf die derzeit stark steigenden Kosten.

Als Beispiel nennt der Dorfitterer den Düngerpreis, der von bislang 32 Euro ins „unbezahlbare“ gestiegen sei. „Ich habe deswegen jetzt eine andere, billigere Sorte bestellt, die kostet aber auch schon 84 Euro“, sagt der Agrarbetriebswirt, der zusammen mit seinem Vater Karl-Friedrich Wilke 130 Milchkühe auf einem Aussiedlerhof zwischen Dorfitter und Korbach hält.

„Wir haben Glück, dass wir noch die Hälfte Dünger vom vergangenen Jahr haben“, sagt Wilke. „Gülle ist jetzt wertvoller Dünger und hat einen Mehrwert bekommen“, sagt Senior Karl-Friedrich Wilke. Er werde ihn jetzt noch gezielter einsetzen.

Kraftfutter sei von 25 Euro auf 39 Euro gestiegen, Maismehl von 23 auf 31 Euro, und der Dieselpreis habe sich verdoppelt. „Wir können auch nichts einsparen, wir fahren ja schließlich nicht sinnlos durch die Gegend“, betont der Ortslandwirt.

Derzeit suche er nach Alternativen für Eiweißfutter: „Wenn unsere bestehenden Verträge auslaufen, müssen wir ja was füttern“, unterstreicht der Landwirt. So versuche er beispielsweise einen Mix aus Hafer mit Bohnen anzubauen. „Ich teste auch zum ersten Mal Sojabohnen. Das wollte ich sowieso ausprobieren. Jetzt ist das plötzlich ganz wichtig, damit man vielleicht was sparen kann.“

Ihm liege das Tierwohl sehr am Herzen, betont Karl-Christian Wilke, der mit Leib und Seele Landwirt ist und allen seinen Kühen Namen gibt. „Eigentlich wollte ich neben dem Stall weitere Fressplätze für die Kühe schaffen, damit auf Dauer alle raus können“, sagt er. Dieses Vorhaben müsse er allerdings wegen der aktuellen Lage jetzt erstmal auf Eis legen, was er sehr bedauere.

Aufgeben komme aber für ihn nicht in Frage. „Die Politik muss uns helfen“, fordert er und hat dabei vor allem die Auflagen im Blick, die den Landwirten die Arbeit erschweren.

Die Herstellungskosten seien im Vergleich zum vergangenen Jahr um zehn Cent gestiegen, berichtet sein Vater. Das bedeute für den Betrieb 100 000 Euro mehr jährlich. Am meisten sorge er sich aber um die Entwicklungsländer, die in hohem Maße auf den Import von Getreide angewiesen seien und ihre Bevölkerung nicht aus dem eigenen Land ernähren könnten.

„Ich befürchte, die Politik hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Olaf Fackiner. „Dünger, Getreide und Rohstoffe werden auch noch nächstes Jahr teuer bleiben, und wir Landwirte sollen wieder vier Prozent unseres fruchtbaren Ackerlandes stilllegen. Das ist nicht nachvollziehbar“, kritisiert er.

Die Erträge im Ackerbau und die Leistungen in der Tierhaltung gingen massiv zurück, sagt er und nennt als Beispiel fehlende Proteinversorgung beim Milchvieh.

Von Susanna Battefeld

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