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Reale Albträume - Rammstein: Zeit

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Von: Achim Rosdorff

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Rammstein: Zeit
Rammstein: Zeit © Universal Music

Das neue Album von Rammstein widmet sich dem gesellschaftlichen Tabu-Thema „Vergänglichkeit“. Keine leichte Kost, passend zum tonnenschweren Schlagermetal. 

Tosende Gitarrenriffs, stampfende Drums, mystische Keyboardsounds – Rammstein lässt die Molltöne des Lebens donnern. Altern, Schwund und Trauer durchziehen ihr achtes Album. Wer den Sprechgesang von Till Lindemann mit dem rollenden R gerade noch erträgt, summt vielleicht schon kurz darauf beim Refrain mit. In diesem Moment denkt man an die Shanty-Schlager-Combo Santiano. Beide Bands sind Megaseller mit ihren überschaubaren Liedern – im überwiegend gewohnt brachialen Sound, ohne jegliche Gitarrensoli.

Doch so massentauglich die Songs klingen, so gesellschaftskritisch sind viele Texte der Berliner – mit klaren, doch vagen Botschaften. Beispiele: „Zick-Zack“ nimmt den Körperschönheitskult aufs Korn, in „Armee der Tristen“ gehen die „Traurigen im Gleichschritt gegen das Glück“. Lindemann, Kruspe und Co polarisieren, treten martialisch auf und provozieren mit militärischer Ästhetik. Die einen sind von der Satire fasziniert, die anderen vom Pathos angewidert, in dem sie NS-Symbolik erkennen wollen.

Tatsächlich spiegeln die Songs Wut und Verzweiflung wider, türmen sich zu schrillen, kalten Albträumen auf. Ein Spiel mit dem Spirituellen? Oder brutale Abreaktion? Vielleicht Verarbeitungen von Angststörungen. Die Videos erinnern an Science Fiction, schaffen düstere, bedrohliche Reflektionen. Nichts für Feingeister, aber nachdenklich machend, also doch tiefsinnig.

Info

www.zeit.rammstein.de

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