Erkenntnisse für die Forschung

Daten aus Lichtenfels helfen bei Neuvermessung Deutschlands

Die Vermessungsingenieure Ralf Riedel und Frank Paprocki (von links) sammeln nahe Goddelsheim mit einer hochmodernen Antenne Satellitendaten zur exakten Vermessung der Landschaft.
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Die Vermessungsingenieure Ralf Riedel und Frank Paprocki (von links) sammeln nahe Goddelsheim mit einer hochmodernen Antenne Satellitendaten zur exakten Vermessung der Landschaft.

Deutschland wird derzeit neu vermessen – dabei hilft auch ein Standort in Waldeck-Frankenberg. In dieser Woche war ein Team im Feld nordöstlich von Goddelsheim im Einsatz.

Ein unscheinbarer Betonsockel mitten im Feld nahe Lichtenfels-Goddelsheim ist das Ziel des Vermessungstrupps um Ralf Riedel und Frank Paprocki. Am frühen Mittwochvormittag reist er mit zwei Bullis an, im Gepäck modernste Mess- und Satellitentechnik. Die Männer bilden einen von 35 Vermessungstrupps, die zurzeit an 250 Punkten in ganz Deutschland Daten erheben, um Deutschland neu zu vermessen. Um Punkt 10 Uhr startet die Messung. „Eine Messung dauert 24 Stunden. Nur so erreichen wir die nötige Präzision“, erklärt Vermessungsingenieur Frank Paprocki vom Amt für Bodenmanagement in Büdingen.

Präzise – das bedeutet in diesem Fall eine Genauigkeit bis auf etwa zwei Millimeter. Dabei greift eine Antenne vom genormten Fixpunkt auf gleich mehrere Satellitennavigationssysteme gleichzeitig zu. Das amerikanische GPS, das russische GLONASS und das europäische Galilieo. Ergänzt werden die Daten durch die Signale des Satellitenreferenzdienstes SAPOS, der von den Bundesländern betrieben wird. Eigentlich ist die Vermessung Sache der Bundesländer, in Hessen gibt es beispielsweise 13 feste Stationen, die Daten sammeln und an den SAPOS Referenzstationsdienst liefern..

Der Messpunkt wird millimetergenau mit Hilfe gleich mehrerer Satelliten der amerikanischen, russischen und europäischen Satellitennavigation ermittelt.

2008 wurde das erste Mal eine bundesweite Kampagne unternommen. Diese hat das Grundlagennetz geschaffen und liefert die Vergleichswerte für die derzeitige bundesweite Vermessung, die am 7. Juni gestartet ist und noch bis zum 15. Juli andauert. Bis dahin vermisst jeder der deutschlandweit 35 Messtrupps in drei Zyklen 17 Messpunkte. „Alle Punkte werden mindestens doppelt, teilweise sogar dreifach von verschiedenen Trupps vermessen. Das dient zur Kontrolle und erhöht die Genauigkeit“, erklärt Vermessungsingenieur Ralf Riedel.

In Auftrag gegeben wurde die Kampagne vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) in Frankfurt am Main. Dort sowie sowie im Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen findet im Anschluss an die Vermessung die Auswertung der Daten statt. In rund zwei Jahren sollen dann die endgültigen Ergebnisse vorliegen. „Das könnte besonders spannend werden. Wir gehen unter anderem davon aus, dass die Alpen in die Höhe gewachsen sind“, so die Prognose von André Sieland vom Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen vor dem Start der Kampagne.

Diese Hebung der Alpen habe mehrere Ursachen. Ein Faktor sei die anhaltende Kollision der afrikanischen und der europäischen Erdplatte. Außerdem geht Sieland davon aus, dass die Ostsee gestiegen sein könnte. Solche Veränderungen können durch die Messungen exakt nachgewiesen werden. Sie liefern wichtige Erkenntnisse für verschiedenste Bereiche wie den Klima- und Küstenschutz, den Berg- und Tunnelbau oder den Gebäude-, Straßen- und den Schienenbau, aber auch für die Kampfmittelbeseitigung, beispielsweise von Fliegerbomben.

Außerdem sind die Ergebnisse auch von großem Interesse für zukunftsweisende Technologien wie das autonome Fahren. Im Bereich der Landwirtschaft sind Geoinformationen in vielerlei Hinsicht wichtig, nicht nur bei der Vermessung von Nutzflächen, sondern auch bei der Bodenklassifizierung. „Mit Hilfe der durch uns zur Verfügung gestellten Daten können beispielsweise Düngepläne entwickelt werden. Die Daten werden an den GNSS (Global Navigation Satellite System) gesteuerten Traktor weitergegeben, dessen Computer ermittelt daraus die einzubringende Düngemenge“, nennt Michael Walker, hessischer Ansprechpartner der diesjährigen Kampagne, ein Beispiel.

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