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Demokratie und Vielfalt - Karin Gruß: Wer tanzt schon gern allein?

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Von: Achim Rosdorff

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Karin Gruß: Wer tanzt schon gern allein?
Karin Gruß: Wer tanzt schon gern allein? © Peter Hammer Verlag

Wer tanzt schon gern allein? Die Geschichten und Gedichte im Buch von Karin Gruß drehen sich um die Facetten der Demokratie.

Die kurzen Texte und schönen Illustrationen mit einer stillen Herangehensweise bringen das Thema Demokratie und Vielfalt leicht zugänglich zum Klingen. Diese können Kinder, Jugendliche und Erwachsene anregen, die Grundlagen einer Gesellschaft zu erkennen, die von Respekt, Toleranz und Fürsorge getragen ist.

Demokratie ist das, was schwer zu machen ist und meist erst wertgeschätzt wird, wenn man sie sich erkämpfen muss oder sie verloren gegangen ist. Es wird nicht einfacher, wenn die Aufgaben und Bedürfnisse der Menschen vielfältiger werden und nicht immer mehr zu verteilen ist. Zur repräsentativen Demokratie gehört zudem, dass sie die repräsentiert, die sie auf Zeit gewählt haben. Auch deswegen können PolitikerInnen kaum besser sein als ihre Wähler. Das hindert die Wähler nicht daran, über das verdrossen zu sein, was sie selbst alltäglich leben.

Die schlimmsten eigenen Fehler sieht man am deutlichsten am anderen. Dennoch haben wir „im Westen“ lange unsere Form der Demokratie als etwas Selbstverständliches betrachtet, was jetzt zugunsten autoritärer Herrschaftsformen in Frage gestellt wird. So schaffen es auf kommunaler Ebene angsteinflößende Minderheiten, dass Bürgermeister aufgeben und zurücktreten oder sich erst gar nicht mehr zur Wahl stellen wollen.

Mit kurzen Texten, Gedichten und herausragenden Illustrationen dreht sich in dem Buch alles um das Thema Demokratie und Vielfalt. Eingeführt und neugierig gemacht wird in einer kleinen, schön illustrierten Geschichte mit Momentaufnahmen, manchmal auch historischen Rückblicken auf das Leben in unserer vielfältigen Gesellschaft, das schon von Kindern Mut erfordern kann. Die im weiteren auftretenden „Demokra-Tiere ernähren sich hauptsächlich von freien Gedanken, verschmähen aber auch ein gerechtes Gericht nicht. Sie sind ausgesprochen gesellig und leben üblicherweise in großen Gemeinschaften zusammen“, mit „Disku-Tieren“, und „Parlamen-Tieren“, aber eben auch „Lament-Tieren“.

In einer Bildergeschichte von Thilo Krapp, hat ein Junge den Mut, sich wie eine Prinzessin aus 1001 Nacht auf einer Kostümparty zu verkleiden und findet endlich einen Freund. In der Schulgeschichte von Jochen Mariss und Susanne Strasser bekommt ein Junge, der gemobbt wird, Trost. Zum Aufrütteln sollen die Migrantengeschichten dienen, die sich mit Rassismus in der Gesellschaft auseinandersetzen. So wird eine junge Frau, die in einem Kindergarten arbeitet, von einem Beamten beleidigt und erniedrigt, weil sie deutsch und schwarzhäutig ist.

Diese bewusstseinsstärkende Anthologie nährt sich aus Alltagsbeschreibungen: aus dem Einmischen, aus dem Meinung vertreten und auch aus dem Streiten. Demokratie und Vielfalt sind keine starre Masse und nicht selbstverständlich. Sie erstarkt, wenn sich möglichst viele für sie engagieren. So werden die Demokra-Tiere am besten geschützt, in dem wir dafür sorgen, dass für sie immer genug Freigeist im Kühlschrank ist. Ein besonderes Familienhausbuch, zum Vorlesen schon ab 8 Jahren bis ins hohe Alter.

Dr. Helmut Schaaf für die Christine Brückner Bücherei Bad Arolsen

Info

Karin Gruß: Wer tanzt schon gern allein?, Peter Hammer Verlag, 2020. 112 Seiten, ISBN: 978-3-7795-0634-8, (D) 22 Euro.

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