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Deutlich mehr Einsätze für Rettungsdienst in Waldeck-Frankenberg

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Von: Jörg Paulus

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Rettungsdienst
Symbolbild © Jens Kalaene/dpa/Symbolbild

Die Zahl der Einsätze des Rettungsdienstes in Waldeck-Frankenberg ist im vergangenen und vor allem in diesem Jahr deutlich gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Großen Anfrage der AfD im Kreistag.

Waldeck-Frankenberg – In der Kreistagssitzung am Montag, 7. November 2022, in Frankenberg wurde darüber diskutiert, was die Gründe für den Anstieg der Rettungsdienst-Einsätze sein könnten. Ein Problem scheint das System des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) mit der Nummer 116 117 zu sein. Patienten können die 116117 außerhalb von Praxissprechzeiten anrufen.

„Die Leute kommen bei der 116117 nicht durch und wählen dann die 112“, berichtete Marc Wäscher (CDU). Er arbeite selbst im Rettungsdienst und in der Leitstelle. Zu dem Problem gehöre auch, dass es immer weniger Hausärzte gebe. Die Erwartungshaltung der Bürger sei aber, dass sie vollversorgt werden. „Das Problem liegt nicht beim Landkreis – am Ärztlichen Bereitschaftsdienst muss gearbeitet werden, dann hat der Rettungsdienst auch wieder mehr Kapazitäten“, so Wäscher.

Daniela Sommer, Kreistags- und Landtagsabgeordnete der SPD, sieht es ähnlich: „Man muss besser aufklären, wann man die 112 anruft. Nicht immer liegt ein Notfall vor.“ Die Zahl der Einsätze sei auch wegen Bagatellfällen gestiegen; ihr sei berichtet worden, dass der Rettungsdienst auch schon mal bei Sodbrennen gerufen worden sei.

Die Zahl der Rettungsdienst-Einsätze von 2018 bis 2022

Wie aus der Antwort der Kreisverwaltung auf die Anfrage der AfD hervorgeht, gab es in den vergangenen fünf Jahren folgende Einsatzzahlen für den Rettungsdienst in Waldeck-Frankenberg: 2018: 33.943 – 2019: 33.381 – 2020: 32.230 – 2021: 35.784 – 2022 (bis 30.9.): 39.700.

AfD-Sprecher Stefan Ginder rechnete vor, dass die Zahl der Einsätze bis zum Jahresende 2022 auf rund 50 000 steigen dürfte. Die „Delle“ im Jahr 2020 mit 32.230 Einsätzen führte Wäscher auf den Beginn der Corona-Pandemie zurück: „Da hatte niemand Lust, die Zeit im Krankenhaus zu verbringen.“

Karl-Friedrich Frese (CDU), als Gesundheitsdezernent für das Thema im Kreis zuständig, berichtete, dass die steigenden Einsatzzahlen im Rettungsdienst ein landes- und bundesweites Problem seien. Der Landkreis habe bereits darauf reagiert: Seit 1. November habe ein Partnerunternehmen des Kreises einen zusätzlichen Auftrag für ein Krankentransporfahrzeug; eine weitere Beauftragung sei geplant.

„Wir werden unsere Kapazitäten im Rahmen unserer Möglichkeiten ausbauen. Bei dem Thema sind aber die Kassenärztliche Vereinigung und das Sozialministerium gefordert“, sagte Frese. Der Wunsch des Kreisausschusses sei es, „ernsthaft darüber nachzudenken, die 116 117, bei der man nur in der Warteschleife hängt, aufzulösen und in unsere Leitstelle zu integrieren“, so Frese.    

Zu wenig qualifiziertes Personal im Rettungsdienst

Mit ihrer Großen Anfrage im Kreistag wolle die AfD-Fraktion auch wissen, ob der Rettungsdienst dieser Entwicklung auch personell gewachsen ist. „Vereinzelt konnten Rettungswagen nicht mit der notwendigen Qualifikation des Personals (Notfallsanitäter/Rettungsassistent) besetzt werden. Durch Personalumsetzung konnte jedoch fast immer erreicht werden, dass Rettungswachen nicht ohne Personal waren“, lautet dazu die schriftliche Antwort der Kreisverwaltung.

Und zur Frage, ob dies Auswirkungen auf das Einhalten der 10-Minuten-Hilfsfrist habe, heißt es in den Antworten: „Wenn Rettungswachen nicht besetzt wären, käme es in dem zugeordneten Wachenbereich zu verlängerten Eintreffzeiten. Das ist zum Beispiel auch bei Duplizitätsfällen so. Ob dabei Patienten Schaden nehmen könnten, lässt sich nicht beantworten. Hier müsste jeder Einzelfall gesondert betrachtet werden.“

Schichtdienste und Schicksale

Marc Wäscher schilderte, dass es nicht einfach sei, Personal für den Rettungsdienst zu finden. Es gebe Schichtdienste, die Arbeit sei körperlich anstrengend und die Bezahlung nicht die beste. Hinzu kämen die Schicksale der Patienten, die man mitbekomme. Wenn nicht so viele Menschen ohne Not den Notruf 112 wählen würden, sondern die 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, wie vorgesehen, dann hätte der Rettungsdienst wieder mehr Kapazitäten, so Wäscher.

Dr. Daniela Sommer (SPD) nannte neben dem System des ärztlichen Bereitschaftsdienstes aus ihrer Sicht weitere Gründe für die gestiegene Zahl an Rettungsdiensteinsätzen. Es gebe mehr ambulante Operationen, Krankenhaus-Aufenthalte seien kürzer, Patienten wegen des demografischen Wandels älter.

Das deckt sich in etwa mit Zahlen der Kreisverwaltung. Demnach sind die Einsatzzahlen vor allem für Rücktransporte und die Entlassung aus stationärer Behandlung gestiegen. Eine Lösung des Problems könne sein, das System Tele-Notarzt auszubauen, bei dem der Notarzt online zugeschaltet wird, sagte Sommer.

Jürgen Frömmrich (Grüne) kritisierte „Ansinnen“ der AfD

Jürgen Frömmrich (Grüne) fragte, was die AfD mit dieser Anfrage erreichen wolle, und las seiner Meinung nach aus den Fragestellungen als „verräterisch“ heraus, dass es dabei um Impfungen und Flüchtlinge gehen solle. „Da merkt man den Auftrag der AfD: Sie versuchen, wo es ihnen möglich ist, zu spalten“, sagte Frömmrich. Die Antworten der Kreisverwaltung zeigten seiner Ansicht nach aber, „dass ihr Ansinnen nicht aufgeht“.

Stefan Ginder, Fraktionsvorsitzender der AfD, sagte, dass seine Fraktion mit der Anfrage auf ein Problem hinweisen wolle, „dass sich in den letzten Jahren kontinuierlich entwickelt hat“. Bis zum Jahresende dürften es gut 50 000 Rettungsdienst-Einsätze sein. „Wir wollen in Erfahrung bringen, was die Gründe sind, und das Bewusstsein dafür schärfen.“

Ein Beschluss des Kreistags zu der Großen Anfrage war nicht vorgesehen.

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