Eine Hochzeit mit Hindernissen 

Deutsch-Amerikanische Liebe in der Nachkriegszeit: Bis zur Hochzeit dauerte es

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Am Tag der Hochzeit: Elsbeth Brand und William Dimock am 30. Mai 1947. 

Frankenberg. Karin Pechanek war in Frankenberg auf den Spuren ihrer Eltern. Die beiden waren eine Rarität: Sie gehörten zu den ganz wenigen deutsch-amerikanischen Paaren, die in der Nachkriegszeit in Frankenberg heirateten. 

„Die 22 war immer ihre Glückszahl“, sagt Karin Pechanek und lächelt, während sie vor dem Haus Am Hain 22 in Frankenberg steht. Hier lernten sich vor 72 Jahren ihre Eltern kennen: Elsbeth Brand und William Dimock. Für Pechanek ist es zugleich Spurensuche und Versuch, Erinnerungen wach zu halten. Ihre Eltern verstarben kurz nacheinander 2012.

Die Ehe von Elsbeth und William war eine ungewöhnliche Verbindung. Denn der Amerikaner und die Frankenbergerin lernten sich kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges kennen, verliebten sich und heirateten. Deutsch-amerikanische Eheschließungen waren in Frankenberg äußerst selten. Laut dem Standesamt war es 1947 die einzige. 1948 gab es ebenfalls nur eine weitere solche Hochzeit in Frankenberg.

Wenn William und Elsbeth hätten entscheiden dürfen, hätten sie viel früher geheiratet. Denn es war Liebe auf den ersten Blick, erzählt Pechanek. „Vater hat immer gesagt, er hat sie gesehen und gewusst, das ist das Mädchen“, sagt Pechanek.

Auch bei ihrer Mutter funkte es nach wenigen Spaziergängen und Gesprächen im Garten des Hauses Am Hain. Bis Kriegsende war das das Zuhause von Familie Brand. Nach der Kapitulation Frankenbergs diente es den amerikanischen Streitkräften als Quartier. Familie Brand durfte allerdings auch weiterhin den Garten bewirtschaften.

Elsbeths Eltern hätten kein Problem mit dem amerikanischen Schwiegersohn gehabt, sagt Pechanek, obwohl einer der Brüder im Krieg gefallen war. Zumindest hätten ihre Eltern nichts davon erzählt. Die Art des Zusammentreffens zwischen ihrem Vater und ihrer Großmutter habe sicherlich geholfen: „Vater saß eines Tages auf den Stufen der Kirche und hörte der Musik zu. Er sah eine kleine, ältere Frau mit schweren Paketen und bot an ihr zu helfen. Am nächsten Abend traf er die Eltern meiner Mutter. Großmutter war die ältere Frau.“

Vor dem Elternhaus ihrer Mutter: Karin Pechanek war in Frankenberg auf der Suche nach ihren Eltern 

Bis zur Hochzeit war es ein komplizierter Weg: „Die notwendigen Formulare, Erlaubnisse und Akten zusammenzutragen, war schwierig und aufwendig“, sagt Pechanek. In ihrem Heimort Cary (North Carolina) habe sie eine riesige Box nur mit Akten aus dieser Zeit. Fast zwei Jahre dauerte es, bis geheiratet werden durfte. William Dimock, der fließend Deutsch sprach und laut seiner Tochter immer „eine große Liebe für deutsche Kultur und deutsches Essen hatte“, arbeitete nach seiner Entlassung aus der Armee für die Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen.

Am 30. Mai 1947 war es endlich so weit: Es wurde geheiratet und gefeiert. Natürlich im Garten des Hauses Am Hain 22. Sie trug ein selbstgenähtes Kleid aus Ballonseide, er seine Uniform. Zur Weihnachtszeit desselben Jahres wanderte das Paar in die USA aus. Er arbeitete als Buchhalter für eine Straßenbaufirma. Sie arbeitete in einem Lebensmittelgeschäft und erzog die zwei Töchter. „Für Mutter war das sicher eine schwere Zeit, da sie anfangs niemanden kannte und kein Englisch sprach“, sagte Pechanek. Doch die Eltern hätte sich fast nie beschwert oder viel über diese Zeit reden wollen. Außerdem sei ihre Mutter nach einiger Zeit einem Deutschen Club beigetreten, in dem viele Auswanderer und Flüchtlinge Zusammenhalt fanden. Zeit ihres Lebens wohnten sie in Endwell im Staat New York. Ein passender Name, findet Karin Pechanek. Endwell heißt auf Deutsch „endet gut“.

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