Biker zeigen soziales Engagement

Gefühl von Freiheit und Zusammenhalt im Motorradclub Rhoden 1986

Witziges Ritual: Kuttentaufe eines neuen Members.
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Witziges Ritual: Kuttentaufe eines neuen Members.

Die Biker im Motorradclub Rhoden 1986 genießen ihr Hobby. Neben Fahrspaß zählen der Zusammenhalt, das Gefühl von Freiheit, aber auch soziales Engagement.

Wer an die Typen eines Motorradclubs denkt, hat das Bild im Kopf: lederbekleidete Rocker mit Kutte und Zottelbärten auf schweren, lärmenden, chromglänzenden Choppern. Die männliche Subkultur mit ihren zuweilen bewusst bedrohlich wirkenden Bikern entstand einst in den USA und wird hierzulande in der Regel mit dem Namen MC (Motorcycle Club) übernommen. Die MCs pflegen den Mythos vom freien Lebensstil, von gewaltbereiten Rockerszenen sind die allermeisten jedoch weit entfernt. Auch die Biker des MC 1986 Rhoden, die sich sogar sozial engagieren.

Die Biker aus den Diemelstädter Ortsteilen genießen gerade in diesen Sommertagen den Spaß an ihrem rasanten Hobby. „Das gemeinsame Motorradfahren steht bei uns im Mittelpunkt, ebenso die geselligen Aktivitäten im und an unserem Clubhaus“, erklärt Almut Sommer-Bunse. Die Kassiererin des Vereins aus Helmighausen verweist auf den intensiven Austausch mit befreundeten Clubs in Waldeck, den umliegenden Bundesländern, im hohen Norden und im benachbarten Ausland. Vor allem im Sommer vergehe kaum ein Wochenende, an dem nicht irgendwo eine Party oder ein anderes Treffen steige. Dann werde ordentlich gefeiert und vor allem über die Bikes gefachsimpelt.

Klar, dass das Miteinander mit der Coronapandemie in den vergangenen 1,5 Jahren stark gelitten habe. Doch der Zusammenhalt in der Szene mache weiterhin einen großen Anteil der Faszination MC aus.

Hilfsbereitschaft ist groß

„Mit dem Spaß am Fahren kommt immer auch ein Gefühl von Freiheit auf“, sagt Sommer-Bunse. Doch an Rockermythos oder machohaften Männerkult denke niemand, der sich die coole Vereinskutte überstreift. Im Gegenteil, die Rhoder Biker sind bekannt für ihre soziale Hilfsbereitschaft. So unterstützten sie unter anderem den Neubau des Rhoder Kindergartens und organisierten eine Lieferung von Hilfsgütern nach Bulgarien.

„Außerdem pflegen wir ein gutes Verhältnis zu anderen Rhoder Vereinen und unterstützen regelmäßig Veranstaltungen des TV Germania Rhoden und des Fördervereins Walmebad. So bekommen wir im Gegenzug selbst immer wieder tatkräftige Unterstützung dieser Vereine“, erklärt die MC-Kassiererin und nennt weitere Beispiele für soziales Engagement: „Im Jahr 2019 haben wir ein großes Open-Air- Kino ausgerichtet und den Film ‘Egal was kommt’ von Christian Vogel aus Helmighausen gezeigt. Den mit Eigenmitteln aufgerundeten Erlös haben wir dann an die Bikers against Child Abuse (B.A.C.A) gespendet, die misshandelte Kinder unterstützen (https://germany.bacaworld.org/teutoburg-forest-chapter/).“

Die Biker des MC Rhoden zeigen soziales Engagement. Wie vor zwei Jahren, als sie dem Verein B.A.C.A. (Bikers Against Child Abuse), der Opfern von Kindesmissbrauch hilft, einen Spendencheck überreichten.

Zum regen Vereinsleben gehören die gemeinsamen Ausfahrten und Cluburlaube. So fuhren die Rhoder Biker in den vergangenen Jahren ins Weserbergland, in den Harz und bis Dänemark. Außerdem steigen Frühjahrs- und Herbstausfahrten, Besuche von befreundeten Clubs und die offenen Abende in den Wintermonaten. „Höchste Zeit, dass wir unser Clubleben bald wieder aufnehmen können“, freut sich Almut Sommer-Bunse schon auf das Ende von Corona.

Idee zur Clubgründung bei „Rock am Ring“

Doch eigentlich hat auch die Begeisterung für Rockmusik zur Gründung des MC beigetragen. Denn im Frühsommer 1985 kamen drei Motorradfahrer aus Rhoden beim Besuch des Festivals „Rock am Ring“ auf die Idee, einen Motorradclub zu gründen. Ein Jahr später, vor 35 Jahren, war es dann so weit, und der MC Rhoden 1986 e.V. wurde offiziell gegründet. Ziel war es von Beginn an, unter gleichen Farben (Colours) mit Gleichgesinnten dem Hobby Motorradfahren nachzugehen und sich in der großen, eingeschworenen MC-Szene im und um das Waldecker Land zu etablieren.

Den Aufnäher mit dem Vereinsemblem – dem Colour – ist Zeichen der vollen Mitgliedschaft als „Member“, die die Biker erst nach einjähriger Probezeit bekommen.

Aktuell hat der MC Rhoden 16 aktive und zwei passive Mitglieder im Alter von 35 bis 65 Jahren. Auch Frauen mit und ohne Kinder sind dabei. Und es gibt keine Typenbeschränkung für Motorräder – vom Sporttourer bis zum Chopper ist beinahe jede Gattung dabei.

Und wenn man Lust hat, mal reinzuschnuppern? Grundsätzlich ist jeder im Verein willkommen, der ein Motorrad mit mindestens 250 ccm besitzt. Auch die anderen Aufnahmeregeln sind streng: Wer Mitglied werden will, kann sich als „Hanger“ vorstellen und bei einigen Aktivitäten der Gruppe teilnehmen. Bei Zustimmung der aktiven „Member“ können sie dann zum „Prospect“ ernannt werden und dürfen fortan schon die Kutte mit dem Schriftzug Rhoden tragen. Erst nach einjähriger „Prospect“-Zeit und der Zustimmung aller Aktiven gibt es das „Voll-Colour“ mit dem kompletten Vereinswappen. Denn Zusammenhalt zählt – jeder in der Gruppe soll sich hundertprozentig auf die anderen verlassen können.

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