Buchungen nehmen zu, die Erleichterung ist groß

Waldeck-Frankenberger Reisebüros profitieren von Lockerungen

„Die Vorteile der persönlichen Beratung haben die Kunden trotz fortschreitender Digitalisierung wiederentdeckt“: Martina Bierhoff, Inhaberin des Reisebüros Bierhoff in Bad Arolsen.
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„Die Vorteile der persönlichen Beratung haben die Kunden trotz fortschreitender Digitalisierung wiederentdeckt“: Martina Bierhoff, Inhaberin des Reisebüros Bierhoff in Bad Arolsen.

Die Reisebranche atmet hörbar auf. Aufgrund der aktuellen Pandemie-Lockerungen nehmen die Buchungen spürbar zu. Dies ergab eine Umfrage unserer Zeitung bei Reisebüros in Waldeck-Frankenberg.

Waldeck-Frankenberg – „Seit Pfingsten verzeichnen wir eine sehr gute Nachfrage. Je mehr Menschen geimpft werden, desto mehr wollen verreisen“, schildert Burghard Lauterbach vom gleichnamigen Reisebüro Lauterbach (Frankenberg/Gemünden). Bemerkbar mache sich auch, dass in manchen südlichen Urlaubsländern wie Spanien der Corona-Notstand kürzlich beendet worden sei. Ein negatives Antigen-Testergebnis oder ein Nachweis einer vollständigen Impfung bzw. einer Genesung von einer Corona-Erkrankung reiche inzwischen aus, hatte das spanische Gesundheitsministerium mitgeteilt. Die PCR-Testpflicht ist dort entfallen. Ein Antigentest gilt als schneller und deutlich günstiger.

Für viele Reisebüros begann mit den jüngsten Lockerungen fast so etwas wie ein Neustart. Reisen verkaufen, statt sie nur zu stornieren, Neugeschäft statt Abwicklung: „Nach mehr als einem Jahr,Berufsverbot‘ dürfen wir endlich wieder unseren Traumjob ausüben. Mit Beginn der Streichung vieler Risikoländer durch das Robert-Koch-Institut und das Auswärtige Amt – besonders in Europa – ist die Reisefreudigkeit enorm gestiegen“, unterstreicht Martina Bierhoff, Inhaberin des Reisebüros Bierhoff in Bad Arolsen. Es liege eine „wahnsinnige Urlaubsstimmung“ in der Luft. Martina Bierhoff ist glücklich, dass das Telefon fast den ganzen Tag klingelt, sie und ihre Mitarbeiterinnen so viel zu tun haben, dass ab Juli alle wieder Vollzeit arbeiten können.

„Die Beratungen sind intensiver geworden. Die Kunden wollen genau wissen, was sie erwartet“, sagt Britta Wolf, Inhaberin des Reisebüros Wolf in Korbach. Sie nennt Beispiele: „Welche Einschränkungen gibt es, wo kann ich mich sicher fühlen, müssen Masken getragen werden, was ist, wenn das Virus wieder auftaucht, wie kann ich stornieren, welche Tests brauche ich, muss ich geimpft sein? Der eine oder andere ist dann abgeschreckt von zu vielen Bestimmungen, aber insgesamt werden die Kunden mutiger.“

Das Corona-Krisenjahr 2020 hat tiefe Löcher in die Kassen der Reisebüros gerissen. Für die Saison 2021 zeigt sich nun endlich eine positive Entwicklung. Die Inzidenzen sinken, die Impfquoten steigen, regelmäßige Tests geben Sicherheit – und in vielen Ländern werden mehr und mehr Einschränkungen zurückgenommen. Die Reiselust kommt zurück.

Die Erleichterung über die derzeitige positive Entwicklung bei den Reisebuchungen ist bei allen Urlaubsanbietern gleichermaßen groß.

Burghard Lauterbach vom gleichnamigen Reisebüro Lauterbach (Frankenberg/Gemünden): „Nach anderthalb Jahren des Stillstands und der großen Unsicherheit sind wir mit dem Neustart den Umständen entsprechend sehr zufrieden.“ Auch wenn alles lediglich eine Momentaufnahme sei: „Wir hoffen, dass dies jetzt so weiterläuft.“

Noch auf dünnem Eis

Die Branche beginnt also, sich vorsichtig zu stabilisieren. Allerdings noch auf dünnem Eis – auch wenn seit Pfingsten die Nachfrage spürbar steigt. Bei zahlreichen Kunden gibt es offenbar eine gewisse Unsicherheit, was die Wahl des Urlaubslandes anbetrifft: „Viele wollen ihre Ferien sicherheitshalber lieber in Deutschland verbringen“, hat Lauterbach festgestellt. Die Angst, aufgrund plötzlich steigender Inzidenzen im Ausland zu stranden, spiele möglicherweise eine Rolle.

Der Anteil von Buchungen für Urlaubsziele in Deutschland liege daher derzeit hoch – und höher als noch vor Corona. Allerdings gebe es in der deutschen Hotel- und Gaststättenbranche wegen der langen Schließungen noch Kapazitätsengpässe. Darüber hinaus sei der Preis für einen Urlaub in Deutschland für eine mehrköpfige Familie schon recht hoch.

Burghard Lauterbach: Viele wollen ihre Ferien sicherheitshalber lieber in Deutschland verbringen.

Da sehe es in südlichen Ländern etwas anders aus. Buchungen für viele klassische europäische Urlaubsländer rund um das Mittelmeer und die Kanarischen Inseln laufen laut Lauterbach trotz mancher Skepsis wegen der Pandemie-Entwicklung bei den Kunden gut. Wenig gefragt seien allerdings Ägypten und Tunesien. Und bei den Fernreisen gebe es eine auffällige Zurückhaltung.

Noch einige Hürden

Auch wenn wie beispielsweise in Spanien der Corona-Notstand kürzlich beendet wurde: Urlaubsbuchungen seien für die Kunden weiterhin mit Hürden verbunden. So sei von ihnen bei Flugreisen eine Online-Registrierung vorab nötig, um einen QR-Code und ein Passwort zu erhalten. Darum müssten sich die Reisenden selber kümmern. Lauterbach: „Es ist auch ratsam, sich eigenverantwortlich aktuell beim Auswärtigen Amt über die Lage in den verschiedenen Urlaubsländern zu informieren.“ Allerdings stehen die Reisebüros den Kunden mit Rat und Tat zur Seite, wenn dies nötig sein sollte.

Mehr Sicherheit erhalten die Kunden jetzt durch die Flex-Option der Pauschalreisen-Anbieter. Bucht man dieses Angebot gegen einen Aufpreis mit, versetzt man sich in die Lage, im Bedarfsfall bis 14 Tage vor Reisebeginn den Urlaub kostenlos umbuchen oder stornieren zu können. Lauterbach: „Dieses Angebot wird sehr gut angenommen.“

Martina Bierhoff, Inhaberin des Reisebüros Bierhoff in Bad Arolsen, ist glücklich, dass das Telefon fast den ganzen Tag klingelt, sie und ihre Mitarbeiterinnen so viel zu tun haben, dass ab Juli alle wieder Vollzeit arbeiten können. Die Nachfrage erreiche zwar noch längst nicht den Stand wie in der Zeit vor Corona, doch sei die Erleichterung groß.

Noch intensiver beraten

Das Reisen mit dem Corona-Virus bringt mit den Lockerungen aber auch neue Anforderungen. „Die Beratungen sind noch intensiver geworden. Die Kunden wollen genau wissen, was sie erwartet“, sagt Britta Wolf, Inhaberin des Reisebüros Wolf in Korbach. Auf der Reisewunschliste stehen nach ihren Angaben im Augenblick vor allem die Kanarischen Inseln, Griechenland, Spanien, Italien, Österreich und die Schweiz. In Deutschland werden vor allem Ferienwohnungen und -häuser nachgefragt. Mit Fernreisen oder Kreuzfahrten sind auch die Waldecker noch etwas vorsichtiger.

Burghard Lauterbach, Martina Bierhoff und Britta Wolf sind sich sicher, dass trotz fortschreitender Digitalisierung die Kunden die Vorteile der persönlichen Beratung wiederentdeckt haben: „Uns stehen Datenbanken mit Preisangeboten zur Verfügung, mit denen Flug- und Hotelsuchmaschinen im Internet oft nicht mithalten können. Wir haben den Marktüberblick und das Knowhow, Angebote objektiv zu vergleichen und das für den Kunden bestmögliche Angebot zu erstellen. Im Gegensatz zu einem Computer haben wir auch soziale Kompetenz. Wir reagieren auf die individuellen Bedürfnisse, des Kunden mit passenden Empfehlungen, Erfahrungen und Reiseberichten. Viele neue Kunden zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Die Arbeitsweise ist noch digitaler geworden

Verändert hat sich für die Mitarbeiter der Reisebüros auch die Kommunikation vor allem untereinander und mit den Veranstaltern. Die Arbeitsweise ist noch digitaler geworden. Täglich laufen auf den Computern Emails und Newsletter mit neuesten Informationen auf. Die Veranstalter aktualisieren Nachrichten und Meldungen. Die Seiten des RKI und des Auswärtigen Amts gehören zur Standardlektüre. Videokonferenzen, virtuelle Infoabende sind Alltag. Mehr und mehr lassen sich auch Kunden kurz über WhatsApp, Instagram oder E-Mail auf den neuesten Stand der geplanten Reise bringen.

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