HNA-Serie „Faszination Oldtimer“

Till Finger aus Frankenberg und seine Beziehung zum Mercedes W 108

Imposante Oberklasse: Till Finger aus Frankenberg mit seinem Mercedes W 108. Vor dem historischen Frankenberger Rathaus macht die Limousine Baujahr 1972 eine besonders gute Figur.
+
Imposante Oberklasse: Till Finger aus Frankenberg mit seinem Mercedes W 108. Vor dem historischen Frankenberger Rathaus macht die Limousine Baujahr 1972 eine besonders gute Figur.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben Oldtimer aus. In unserer Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren Fahrzeugen vor.

Frankenberg – Als Till Finger 20 Jahre alt war, dachte er sich: „Jetzt will ich auch mal ran!“ Ran heißt: Der junge Frankenberger wollte endlich mal selber den BMW Coupé E9 bei einer Rallye lenken – ein 1971er-Baujahr, in dem er bereits seit Jahren als Beifahrer seines Vaters den Asphalt unter die Reifen genommen hatte.

2008 also war es soweit: Till Fingers erste selbstgefahrene Rallye war die ADAC-Oldtimer-Sternfahrt zum Hessentag in Homberg. „Ich war damals einer der jüngsten Teilnehmer“, erinnert er sich. In den Folgejahren ging er mit dem BMW Coupé immer wieder auf die Piste. Hinter dem Lenkrad, versteht sich.

Seine schon seit der frühen Kindheit bestehende Liebe zu besonderen Autos festigte sich, bis es bei ihm Klick machte: „Ich will jetzt mein eigenes Fahrzeug besitzen, mit dem ich bei Rallyes und Ausfahrten an den Start gehe.“ Gesagt, getan: Mit einem Mercedes W 108, Baujahr 1972, fand Till Finger schließlich seine große Oldtimer-Liebe. Das war im Jahr 2018.

Glänzend: Auf dem Kühlergrill spiegeln sich Türme des Frankenberger Rathauses.

„Ich hatte bereits lange nach einem gut erhaltenen 108er gesucht,“ erzählt der der heute 32-jährige Unternehmensberater. Die robuste Formschönheit dieses Mercedes hat es ihm angetan. Der Perlmuttlack verleiht ihm zudem eine dezente Eleganz.

Krönung der sinnlichen Anmutung sind die Doppelscheinwerfer. In den USA wurden die Limousinen entsprechend der amerikanischen Gesetzgebung sehr früh mit zwei übereinanderliegenden Rundscheinwerfern angeboten. Für die europäischen Fahrzeuge waren einteilige, runde Scheinwerfer hinter hochkant stehenden, hufeisenförmigen Streuscheiben in zwei Varianten noch die Regel. Till Finger: „Ab dem Jahr 1969 aber wurden ähnliche Doppelscheinwerfer auch für den europäischen Markt angeboten.“

Sein Oldie glänzt mit guten Abgaswerten und solider Verarbeitung. 160 PS stecken unter der Motorhaube. Mit einem Schiebedach kann für Frischluft von oben gesorgt werden. Für den guten Ton sorgt ein dem Baujahr ‘72 zeitgemäßes Cassettenradio: „Ich höre beim Fahren alte Cassetten. Ein MP3-Player kommt mir nicht in den Mercedes.“

Markant: Das Pralltopf-Lenkrad gibt dem Innenraum des Mercedes eine spezielle Note.

Till Fingers Verliebtheit in seine Limousine geht so weit, dass er sich selbst als „Petrolhead“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Steigerungsform der allgemein bekannten Bezeichnung „Er hat Benzin im Blut.“ Das nämlich beschreibt diese extrem ausgeprägte Form der Auto-Begeisterung nicht ausreichend. Ein „Petrolhead“ denkt stets und ständig an sein Fahrzeug, fühlt und lebt mit ihm. Das Benzin strömt nicht durch die Adern, sondern durchzieht quasi sogar die Gedanken. Finger: „Man taucht so tief in sein Fahrzeug ein, dass man es erhört.“

So ist es denn auch kein Wunder, dass der 32-Jährige mit seiner Auto-Begeisterung nicht alleine bleibt. Zusammen mit Philip Müller organisiert er seit 2016 die „Oldtimer-Trophy Edersee“. Einmal abgesehen von der Corona-Pause in diesem Jahr, gingen bei jeder Tour durch Waldeck-Frankenberg rund 90 Oldtimer aus ganz Deutschland an den Start: „Wir waren stets ausgebucht.“

2021 soll wieder eine „Oldtimer-Trophy“ unterwegs sein. Im Terminkalender hat Till Finger den 28. August vorgesehen. Er zeigt sich optimistisch: „80 Prozent der Startplätze sind bereits vergeben. Weitere Anmeldungen nehmen wir noch an.“

Anmeldung für die „Oldtimer-Trophy 2021“: oldtimer-trophy.de

(Von Klaus Jungheim)

Angemerkt

Je oller, desto doller!

Die kreisweite HNA-Serie „Faszination Oldtimer“ erfreut sich großer Beliebtheit. Mit dem Mercedes W 108 des Frankenbergers Till Finger stellen wir das zehnte betagte Fahrzeug vor. Auftakt war am 26. August 2020.

An jenem Tag präsentierten wir zur Premiere die Sammlung von Dietrich Wilhelm Braun aus Laisa. Die Druckerfarbe war noch nicht richtig getrocknet, da meldeten sich in der Redaktion bereits viele weitere Interessenten, die ihre Fahrzeuge in dieser Serie vorstellen wollten.

Ob zum Beispiel ein knuddeliger Fiat 500R Berlina, ein Wirtschaftswunder-Opel-Rekord-Olympia, ein Läuft-und-läuft-und-läuft-VW-Käfer, zwei elegante Jaguar oder eine heiße Kawasaki, auch genannt „Frankensteins Tochter“: Die Vielfalt der vorgestellten Fahrzeuge ist ebenso groß wie die unterschiedlichen Typen von Oldtimer-Besitzern mit ihrem nicht alltäglichen Hobby.

Oldtimer sind Fahrzeuge mit Charme, Charakter und Charisma. Sie werden gepflegt, geachtet und geliebt. Laut der „Allensbacher Oldtimer-Studie 2017/2018“ interessieren sich 15 Millionen Menschen in Deutschland für alte Autos und Motorräder.

Dazu gehören auch diejenigen Frauen und Männer, deren Oldtimer dieses Jahr in unserer Serie nicht mehr zum Zuge kommen. Wir stellen sie 2021 vor. Es werden wieder ganz besondere Schätzchen sein! jun@hna.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.