1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck

Griffig und giftig - Scorpions: Rock Believer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Achim Rosdorff

Kommentare

Scorpions: Rock Believer
Scorpions: Rock Believer. © Vertigo Berlin (Universal Music)

Die Scorpions springen aus dem Jungbrunnen. Ihr 19. Studioalbum „Rock Believer“ klingt frisch, erdig und endlich wieder so griffig wie Anfang der Achtziger.

Schon sieben Jahre sind vergangen seit dem Album „Return To Forever“ und 12 Jahre seit ihrer propagierten Abschiedstournee. Etwa 110 Millionen verkaufte Tonträger, über 200 mal Gold- und Platin, zahlreiche Auszeichnungen, darunter den World Music Award und den Stern auf dem Rockwalk in LA. Die Band um Rudolph Schenker, Klaus Meine und Matthias Jabs hat heute keinen Druck mehr – aber noch mächtig Dampf. Dazu trägt Neuzugang Mikkey Dee (Ex-Motorhead) an den Drums wesentlich bei. Geradeausrock-Nummern wie „Peacemaker“ oder „Gas In The Tank“ und besonders „Shoot For Your Heart“ haben treibenden Drive. Auch das schwer pumpende „Seventh Sun“ oder das hypnotisch raggaehafte „Shining Of Your Soul“ leben durch instrumentales Können und bauen wunderbar Spannung auf.

Einige der neuen Songs erinnern stark an die Scorpions-Ära zwischen 1979 und 1984, damals räumten die Hannoveraner mit den Alben „Lovedrive“, „Animal Magnetism“, „Blackout“ und „Love At First Sting“ vor allem in den USA mächtig ab. Der psychedelisch-progressive Touch der Uli Roth-Siebziger, der vor allem in Japan gut ankam, klang zuweilen noch durch, doch die neuen Songs der Jabs-Ära waren schnörkelloser, partytauglicher. Hierzulande pilgerten vor allem die Maiden- und Priest-Fans zu den Scorpions-Konzerten, in der Blütezeit des britischen Heavy Metals waren die Headbanger besonders vom Gitarrenduo Schenker-Jabs begeistert.

Die DNA der Scorpions sind stark verzerrte Gitarren und Mitsumm-Refrains. Harte Riffs und poppige Melodien – diese Kombi perfektionierten sie und trafen damit den in Nordamerika massentauglichen Sound. „Heavy Rock“ antwortete Klaus Meine einmal vor Jahrzehnten in der hr-Sendung „Rocktelefon“ auf die Frage nach dem Musikstil der Scorpions. Doch ihre Wurzeln reichen tiefer: Vom Rock‘n‘Roll, der US-amerikanischen Musikrichtung der 50er/60er inspiriert, gründete Rudolph Schenker die Band schon 1965 in Sarstedt bei Hannover, damals noch unter dem Namen „Nameless“. Vom ersten Album 1972 an folgte eine steile Karriere. Doch erst mit der Einheitshymne „Wind of Change“ kamen die hart rockenden Niedersachsen 1991 auch in Deutschland groß raus und landeten den Welt-Megaseller mit über 14 Millionen verkaufter Platten. Dabei gab es schon zuvor auf jedem Scorpions-Album eine Feuerzeugschwenk-Kuschelrock-Ballade. Das neue „When You Know (Where You Come From)“ zeigt ihr altes Gespür für eingängige Tonfolgen. Auch dank Klaus Meines immer noch glockenklarer Stimme bleibt der Song fast so penetrant kleben wie die Achtziger-Tränendrücker „Always Somewhere“, „Holiday“, „Lady Starlight“ oder „Still Loving You“. Mal rau, mal glatt, so schaffen die Scorpions erneut den Spagat zwischen fetzigem Düsterrock und poppig-hymnischer Mitsingtauglichkeit. Ein mächtig groovendes, zeitlos packendes Comeback – aber auch ein alterswehmütiger Rückblick auf wilde Konzerte und junges Partyleben.

Info

www.the-scorpions.com

Auch interessant

Kommentare