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Tafel Bad Arolsen unterstützt mehr als 250 Menschen in der Krise

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Von: Achim Rosdorff

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Die Ehrenamtlichen der Tafeln haben zurzeit viel zu tun. Auch in Bad Arolsen wächst die Nachfrage.
Die Ehrenamtlichen der Tafeln haben zurzeit viel zu tun. Auch in Bad Arolsen wächst die Nachfrage. © nikolaus.urban@mail.de

Die Arolser Tafel unterstützt aktuell 250 Menschen in der Region, die sich und ihre Familien wegen der knappen finanziellen Mittel nicht mehr ausreichend ernähren können.

Inflation, Energiekrise, Krieg – die aktuelle Lage löst auch in Deutschland bei immer mehr Menschen Existenzängste aus. Einige haben Angst, sich im Winter zwischen Essen und Heizen entscheiden zu müssen. 

In Hessen verteilen 58 Tafeln in 145 Ausgabestellen etwa 22.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr. Mehr als 135.000 Menschen werden von den Tafeln unterstützt. Eine von ihnen ist die Arolser Tafel, die 2006 gegründet wurde und im Augenblick mit 32 Plätzen 128 Bedarfsgemeinschaften, das heißt 250 Erwachsene plus Kinder, unterstützt. Im Rhythmus von 14 Tagen können die Menschen gegen ein symbolisches Entgelt von zwei Euro in dem kleinen Laden in der Teichstraße einkaufen.

Das Morgenteam der Arolser Tafel: Pfarrer Uwe K. Hoos-Vermeil, Helmut Klotzbücher, Ulla Lehmann, Dieter Büddefeld, Doris Junkermann, Wolfram Lehmann, Herbert Wieker.
Das Morgenteam der Arolser Tafel: Pfarrer Uwe K. Hoos-Vermeil, Helmut Klotzbücher, Ulla Lehmann, Dieter Büddefeld, Doris Junkermann, Wolfram Lehmann, Herbert Wieker. © Barbara Liese

„Wir können die Anzahl unserer Plätze trotz steigender Nachfrage nicht erhöhen“, sagt Pfarrer Uwe K. Hoos-Vermeil, Mitbegründer und Leiter der Tafel. „Das, was wir bekommen, geben wir aus und versuchen es so bedarfsgerecht wie möglich zu verteilen. Natürlich wissen wir, dass der Bedarf größer geworden ist. Unsere Warteliste, auf der bis vor rund einem Jahr durchschnittlich zehn bis zwölf Menschen auf einen Platz warteten, konnten wir immer innerhalb von zwei Monaten abbauen. Heute ist die Liste mit 70 Namen besetzt und kaum jemand verlässt uns noch. Zu 85 Prozent sind es ukrainische Namen, die wir bei den Anmeldungen lesen. Der neue Flüchtlingsansturm macht sich eben auch bei uns bemerkbar“.

Quellen versiegen

Mehr Bedürftige, weniger Lebensmittelspenden – ein Problem, das alle Tafeln vor große Herausforderungen stellt. Supermärkte optimieren spätestens seit Beginn der Coronapandemie ihren Vertrieb ganz anders als noch vor einigen Jahren und geben entsprechend weniger ab.

Es gibt Lieferschwierigkeiten in vielen Bereichen, und nicht zuletzt geht die regionale Spendenbereitschaft zurück. Seit Anfang 2022, so der Verband der europäischen Tafeln und Lebensmittelbanken, beeinflusse vor allem die Ukraine-Krise, wie viele Lebensmittel die europäischen Tafeln verteilen können. Im Osten Europas steigt die Spendenmenge als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine außergewöhnlich stark an, da Spender Geflüchtete unterstützen möchten. Gleichzeitig ist die Menge der verteilten Lebensmittel im Westen Europas rückläufig.

Mehr als zwei Drittel der Tafeln in Deutschland erhalten auch aus diesem Grund im Augenblick weniger Lebensmittelspenden. „In der kalten Jahreszeit spüren wir schon immer einen Engpass, vor allem natürlich an frischem Gemüse und Obst. Wir spüren aber auch, dass die Spenden allgemein weniger werden“, bestätigt Pfarrer Hoos-Vermeil und erklärt: „Hier im ländlichen Raum kommt noch hinzu, dass es nicht so viele Märkte oder Unternehmen gibt, die uns beliefern können. Unsere Spenderliste könnte durchaus noch Zuwachs aufnehmen. Ich mache mir schon Gedanken darüber, was an Spenden im kommenden Jahr noch da ist. Man erlebt doch selbst, wie die Inflation beim Einkauf zuschlägt, wie die Energiekosten steigen und überhaupt das Leben grundsätzlich teurer wird. Für viele Rentner oder die Leute, die im Niedriglohnsektor arbeiten, wird es noch einmal schwieriger werden. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Die Tafeln können nur ein zusätzliches Angebot sein für Menschen, die in finanziell schwierigen Verhältnissen leben müssen. Sie können die sozialstaatliche Existenzsicherung aber nicht ersetzen“.

Mit diesem Gedanken steht der Leiter der Arolser Tafel nicht allein. Viele seiner Kollegen sehen dieses Problem ähnlich. Selbst der Bundesverband macht immer wieder darauf aufmerksam, bisher ohne großen Erfolg. Der Staat, so der Verband, wälze die Verantwortung, sich um Bedürftige, Menschen mit niedrigem Einkommen oder in schwierigen sozialen Lagen zu kümmern, auf Ehrenamtliche ab.

35 Ehrenamtliche engagiert

Ohne die rund 35 Ehrenamtlichen gäbe es die Arolser Tafel nicht. Jeden Mittwoch und Freitag wird schon früh am Morgen in dem kleinen Laden eifrig gearbeitet. Jeder hat seine Aufgabe: Die Fahrer der Tafelwagen, die die Supermärkte und Geschäfte abgefahren und Ware verladen haben, werden schon an der Tür erwartet. Kisten werden hin- und her getragen, ausgepackt, ihr Inhalt begutachtet, für die Ausgabe verpackt und in die Regale geräumt.

Jeden Mittwoch und Freitag wird schon früh am Morgen in dem kleinen Laden eifrig gearbeitet.
Jeden Mittwoch und Freitag wird schon früh am Morgen in dem kleinen Laden eifrig gearbeitet. © Barbara Liese

Die zweite Schicht übernimmt die Ausgabe, überprüft die Nachweise der Kunden und sorgt für Nachschub aus dem Lager. Zwischendurch wird abgespült, der Verkaufstresen und die Regale abgewischt. „Das alles kann schon anstrengend sein“, so Doris Junkermann und spricht im Namen aller Kollegen: „Aber wir sind eine tolle Gemeinschaft. Wir lachen viel miteinander und haben Spaß. Wir sind ein gutes Team“.

Mehr Unterstützung für das Team wünscht sich Pfarrer Uwe Hoos-Vermeil. „Meine Aufgabe ist es auch, aufzupassen, dass die Rahmenbedingungen für unsere Ehrenamtlichen stimmen. Da muss auch drumherum alles einigermaßen passen. Wir suchen deshalb fröhliche Menschen, die bei uns mitarbeiten und ein Teil des Teams sein wollen. Helfen ist oft einfacher als gedacht.“ Barbara Liese

Info

Lebensmittel des Tafelladens werden nur an Personen mit einem Berechtigungsschein ausgegeben. Berechtigt sind Menschen, die öffentliche Leistungen beziehen, zum Beispiel Arbeitslosengeld II, Grundsicherungsbezüge oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Den Berechtigungsschein bekommt man im badz, Rauchstr. 2, in Bad Arolsen (Diakonisches Werk Waldeck-Frankenberg, Wiebke Valdez, Terminvereinbarung unter Tel. 0151 12561827, Mail unter sozialberatung.dwwf@ekkw.de
Kunden zahlen einen symbolischen Betrag von 2 Euro für die Waren. Ein Teil der laufenden Kosten wie Nebenkosten, Verbrauchsartikel und andere sind damit gedeckt.  
Adresse: Tafel Bad Arolsen, Lebensmittelausgabe für Menschen mit geringem Einkommen, Teich-Str. 1, Bad Arolsen, Öffnungszeiten: Mittwoch: 15 - 17 Uhr und Freitag: 14 - 16 Uhr.
Spenden für die Arbeit der Arolser Tafel sind erbeten unter: Kirchenkreisamt Waldeck-Frankenberg, Verwendungszweck: „Tafel Bad Arolsen“, Evangelische Bank Kassel, IBAN: DE31 5206 0410 0001 1001 06, BIC: GENODEF1EK1
Sparkasse Waldeck-Frankenberg, IBAN: DE29 5235 0005 0000 0026 59, BIC: HELADEF1KOR
Waldecker-Bank eG Korbach, IBAN: DE51 5236 0059 0000 0340 96, BIC: GENODEF1KBW

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