„Selbstversorgung? Selbstverständlich!“

Dieter und Elke Schnatz aus Rhadern ernähren ihre Familie aus dem Garten

Gartenfreude: Dieter Schnatz in dem Hausgarten, der die Familie fast ganz ernährt. In der Natur oder Parks sammelt er Samen von Bäumen wie der Roteiche und sät sie in Absprache mit dem Förster in der Heimat neu aus.
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Gartenfreude: Dieter Schnatz in dem Hausgarten, der die Familie fast ganz ernährt. In der Natur oder Parks sammelt er Samen von Bäumen wie der Roteiche und sät sie in Absprache mit dem Förster in der Heimat neu aus.

Selbstversorgung ist auch im Neubaugebiet möglich. Das haben Elke und Dieter Schnatz schon in den 1980er Jahren erkannt - und versorgen die Familie seitdem mit Gemüse, Kräutern und Obst aus dem eigenen Garten.

Lichtenfels-Rhadern – „Ich bin zwar kein Bauer und habe auch keinen Bauerngarten nach alter traditioneller Art. Ich möchte mit meinem Foto aber zeigen, dass es auch möglich ist, auf einem „Neubau“-Grundstück (mein Haus steht seit Anfang der 80er- Jahre) einen Garten zur Selbstversorgung anzulegen. Machen Sie Werbung für „Selbstversorgung aus dem eigenen Garten“. Auch damit könnte sehr viel CO² eingespart werden!“, schrieb Dieter Schnatz aus Rhadern an die Gartenredaktion der WLZ – und die Neugier war geweckt.

Dieter Schnatz und seine Frau Elke kommen beide aus der Landwirtschaft – „Selbstversorgung aus dem eigenen Garten war in unseren Familien eine Selbstverständlichkeit“, sagt Elke Schnatz. Zwar haben beide andere Berufe gewählt – die Selbstversorgung aber haben sie auch in der Neubausiedlung beibehalten, den Garten hatten sie sogar schon, bevor sie eingezogen waren. „Wir haben eine andere Wertschätzung für Lebensmittel“, sagt Elke Schnatz.

Dabei legen sie Wert darauf, nicht nur die Familie mit eigenem Gemüse und Obst gut zu ernähren, sondern auch Vögeln und Insekten ein Auskommen zu bieten. „Andere sagen schon mal: ‘Du hast es aber unordentlich im Garten’. Dafür haben wir aber ein Paradies für Insekten und sehr viele Vögel, sogar der Distelfink ist hier zu sehen“, freut sich Dieter Schnatz. Vom Wintergarten aus können sie das Treiben der Vögel gut beobachten und genießen.

Im Rasen blühen schon im Februar, März unzählige Krokusse, „dann ist der ganze Rasen voller blauer Blüten, die von vielen Wildbienen angeflogen werden“, sagt Dieter Schnatz. Während die Nachbarn ihren Rasen schon zwei, drei Mal gemäht haben, wächst er bei Schnatzes so lange, bis die Krokusse ihre Blätter eingezogen haben, denn nur so sei garantiert, dass sie kräftig bleiben und im nächsten Jahr wieder blühen, erklärt Elke Schnatz. Um Scharfgarbe und Wiesenflockenblume, die im Rasen blühen, wird später einfach herum gemäht.

Kartoffeln, Rotkohl, Weißkohl, Kohlrabi, Zwiebeln, Möhren, Rote Beete, Zucchini, Gurken, Tomaten, Kürbis, Paprika, einige Salatsorten – das alles gedeiht in den Gemüsebeeten. Wie sie die meisten Pflanzen selbst vorziehen, so gehört später auch das Einmachen zu den Aufgaben. Die Möhren lagern sie in einer Waschtrommel in der Garage, „sie kommen nur bei starkem, lang anhaltenden Frost in den Keller“, erklärt Dieter Schnatz.

Von den Gartenkräutern wie Petersilie, Dill, Schnittlauch, Bohnenkraut, Estragon, Oregano, Pfefferminze, Zitronenmelisse, Borretsch, Maggikraut, Thymian, Beinwell, Salbei, Sauerampfer, Spitzwegerich und Rosmarin lassen sie viele für die Insekten blühen.

„An den seitlichen Beeten blühen über das ganze Jahr Blumen“, sagt Dieter Schnatz – von Schlüsselblumen und Traubenhyazinthen über Lungenkraut, Vergissmeinnicht und Akelei bis zu Rittersporn, Flammen-, Korn- und Ringelblume und Malve.

Zwischen Kräutern und Beeren: Elke Schnatz genießt die Arbeit im Garten, für die Kinder hat sie die Kräuter beschriftet.

Rhabarber, Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren versorgen die Familie mit Marmelade, Gelee und Saft. Obstbäume hat Dieter Schnatz selbst veredelt – so tragen manche Bäume gleich mehrere Apfelsorten, auch Zwetschgen, Renekloden und Birne sowie Wein sorgen für genussreiche Lebensmittel. Zusätzlich wird ein Bereich jährlich neu mit einer Wildblumenmischung eingesät.

Eine gute Ernte.

Mit dem Rasen- und Heckenschnitt mulchen Elke und Dieter die Beete, „das ist Futter für die Bodenlebewesen und der Boden trocknet nicht so schnell aus“, sagt Elke Schnatz. Das abgeerntete Kartoffelland schützen sie mit Phacelia, gedüngt wird mit Rindermist. „Wenn die Erdbeeren Ableger gebildet haben, werden die an anderer Stelle wieder eingepflanzt“, erklärt Dieter Schnatz. So schließt sich der Kreislauf – und der Selbstversorgung steht auch im nächsten Jahr nichts im Wege. Von Marianne Dämmer

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