HNA-Serie „Faszination Oldtimer“

Dietrich Wilhelm Braun aus Laisa sammelt Autos, Motorräder und Traktoren

Wunderschön: Dietrich Wilhelm Braun präsentiert seinen VW-Käfer Special Bug in Anthrazit/Malaga-Rot. Mit dem Cabrio unternimmt er gerne Ausfahrten. Aus technischen Gründen ließ sich das Verdeck beim Fototermin nicht öffnen.
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Wunderschön: Dietrich Wilhelm Braun präsentiert seinen VW-Käfer Special Bug in Anthrazit/Malaga-Rot. Mit dem Cabrio unternimmt er gerne Ausfahrten. Aus technischen Gründen ließ sich das Verdeck beim Fototermin nicht öffnen.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben zunehmend Oldtimer aus, auch in unserer Region. In der neuen HNA-Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren betagten, aber charmanten Fahrzeugen vor.

Laisa – Dietrich Wilhelm Braun aus Laisa ist ein Verrückter. Im positiven Sinne. Er ist ein Fahrzeug-Verrückter. Braun liebt alte Autos, Motorräder und Traktoren. Er hat Benzin im Blut. Und das schon sein Leben lang. Das währt inzwischen 80 Jahre. Mittlerweile ist er Besitzer von neun alten Treckern, zehn Autos und elf Motorrädern. Einige sind fahrtüchtig, andere stehen als Sammlerstücke in Scheunen und Hallen in verschiedenen Orten im Frankenberger Land.

Infiziert wurde Braun als Junge auf dem elterlichen Hof in Elsoff, wo eine kleine Landwirtschaft betrieben wurde. „Wir hatten einen Porsche-Schlepper, der mich damals fasziniert hat“, erinnert sich der Oldtimer-Fan.

Die Begeisterung ließ auch nicht nach, als er ein Maschinenbau-Studium begann. „1958 kaufte ich mir mit 18 Jahren für 1300 Mark mein erstes VW-Käfer-Cabriolet – Baujahr 1951, 24,5 PS. Es war das einzige Baujahr, das vor den Türen noch Luftklappen hatte, im Volksmund Rheumaklappen genannt.“ Mehrere Käfer folgten – einige wurden hergerichtet und verkauft, um das Studentengeld etwas aufzufrischen. Einer ragt bis heute heraus: ein Special Bug in Anthrazit metallic. Baujahr 1983, 34 PS.

Aus dem damals schon schönen Käfer sollte noch mehr werden: In Darmstadt baute ein junges Team aus Technik-Studenten und Ingenieuren den Käfer zum Cabrio um. Der Spaß war nicht billig. Er kostete 8500 Mark.

Das Verdeck wurde aus bestem Sonnenland-Stoff hergestellt. Die Firma Dannler in Frankenberg lackierte farblich abgesetzte Türen wie beim ersten Käfer in Malaga-Rot. 5,5-Zoll-Sportfelgen in Rot mit 175er-Pirelli-Gürtelreifen waren seinerzeit angesagt, ebenso die Cibie-Zusatzscheinwerfer mit lackierten Töpfen. Der Clou waren damals ein rotes, lederbezogenes Sportlenkrad und lederbezogene Sitze in Malaga-Rot. Die Sattlerei Biebighäuser in Laisa bezog die Sitze mit Leder in perfekter Qualität.

Mit diesem VW-Käfer-Cabrio unternahm Braun so manche schöne Reise – sogar bis Süditalien und Sizilien. 17 644 Kilometer hat das Schätzchen inzwischen auf dem Tacho. Der Wagen ist auch heute noch sein Stolz. Mit ihm unternimmt er weiter die eine oder andere Tour. „Ich lasse es aber inzwischen ruhiger angehen. Ganz im Gegensatz zu früher“, sagt der heute 80-Jährige.

Früher: Das waren die Zeiten, als Dietrich Wilhelm Braun auf den Rennpisten Jagd nach Trophäen machte. Beispielsweise Anfang der 1970er-Jahre beim Sauerland-Bergpreis in Bestwig-Nuttlar in der Formal V mit einem „Apal“ oder 1975 mit einem NSU TTS beim Rheinland-Pokal. Letzterer ging über sechs Läufe. Dabei gewann Braun 5000 Mark. Die wurden bar in einem Jute-Sack ausbezahlt. Kurioserweise komplett in Fünf-Mark-Stücken.

Die Inspiration für den Motorradsport kam durch die legendären Motorradrennen „Rund um Battenberg“ und auf dem „Battenberg-Ring“ in den 1950er-Jahren. Seinerzeit war der „Ring“ die bedeutendste Motorrad-Rennstrecke in Nordhessen. Kubikstarke Maschinen mit und ohne Beiwagen aus dem gesamten Bundesgebiet gingen damals an den Start.

1957 schwang sich Braun auf eine 250er „Adler“. Die hatte er sich zuvor aus Einzelteilen selbst zusammengebaut. Er fuhr also nicht nur die Maschinen, sondern kannte auch ihr Innenleben.

Auch wenn das Herz für weitere Motorräder wie BMW, Bimota oder Moto-Guzzi sowie für Trecker wie Deutz, Porsche oder Lanz schlägt: Autos sind und waren nicht nur Hobby für den Fahrzeug-Enthusiasten. Sie waren auch Broterwerb. Eine Zeit lang verkaufte Braun bei einem Gießener Autohändler englische Autos wie Jaguar, Triumph, MG und Austin. „Besonders vom Jaguar E-Type setzte ich viel um, weil viele in Gießen stationierte US-Soldaten diesen Wagen haben wollten“, erinnert sich Braun. Das hing nach seinen Worten damit zusammen, dass dieser Sportwagen in Deutschland wesentlich günstiger zu haben war als in den USA und das Militär nach Beendigung der Dienstzeit der GIs die Kosten für den Schiffstransport in die Vereinigten Staaten übernahm.

Viele Autokäufer aus unserer Region kennen Dietrich Wilhelm Braun auch als Angestellten des einstigen Frankenberger Autohauses Maurer. 24 Jahre lang verkaufte er dort moderne Fahrzeuge.

Zur Oldtimer-Sammlung von Dietrich Wilhelm Braun gehören neben dem VW-Käfer Special Bug auch Wagen wie beispielsweise ein Mini Cooper, Citroen Ami 6, eine Corvette C 4 und ein schwarzer Pontiac Firebird – auch bekannt als das sprechende Auto „Kitt“ aus der Fernseh-Serie „Knight Rider“. Wartburg und Trabant dürfen in der Sammlung nicht fehlen.

Ob nun modern oder historisch: Der 80-Jährige lebt für Autos, Motorräder und Traktoren. Sie sind seine Leidenschaft. In erster Linie hat er aber eine enge Beziehung zu Fahrzeugen, die schon viele Jahre auf dem Buckel haben. Er liebt ihre alte Technik, ihren Sound, ihr Design.

Braun ist fest davon überzeugt: „Alle Oldtimer haben eine Seele. Wenn man gut mit ihnen umgeht und sie entsprechend hegt und pflegt, danken sie es ihrem Besitzer und lassen ihn nicht im Stich – ein Leben lang!“

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