Dipl.-Geograf Dr. Johannes Hofmeister gab „Hessische Wetterchronik“ heraus

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Hessische Wetterchronik: Aus vielen Ortschroniken und historischen Aufzeichnungen trug der aus Frankenberg stammende Diplom-Geograf Dr. Johannes Hofmeister die interessantesten Wetterereignisse aus fünf Jahrhunderten zusammen. Fotos: Völker

Frankenberg. Man schrieb den 7. Oktober 1434, als ein kräftiger Sturm durch Frankenberg fegte. „Der warff vil hocher spittzen uff den tornen abe, unde vil guter gebuwe brach he nidder“, schreibt Stadtchronist Wigand Gerstenberg. Ein Blick in die Vergangenheit.

„Disßer wynt warff zum Franckenberge den hanen uf dem chortorne abe; der fyl in den Kirchpuel in der Mittelgassen.“

Auch viele Bäume in den Wäldern wurden damals umgerissen und entwurzelt – so wird das älteste Ereignis in Originalsprache zitiert, das jetzt in der „Hessischen Wetterchronik“ des aus Frankenberg stammenden Diplom-Geografen Dr. Johannes Hofmeister (Marburg) nachgelesen werden kann.

Hochwasser, Stürme, Dürren, klirrender Frost – mehrere Jahre lang hat der junge Wissenschaftler für seine Diplomarbeit und seine Dissertation Wetterereignisse und Klimadaten in Mittelhessen aus alten Archivquellen und Chroniken ausgewertet, um dabei die Auswirkungen des Wetters in einer vorindustriellen, stark agrarisch geprägten Gesellschaft und die Abhängigkeit der Menschen davon zu erforschen. Dabei ging es nicht nur um Landwirtschaft, sondern auch Einwirkungen des Wetters auf Forstwirtschaft, Gebäude, Verkehr oder Wasserversorgung, die in den Überlieferungen zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert erwähnt werden.

Dr. Hofmeister weitete im Anschluss daran jedoch seine Suche nach besonderen Wetterereignissen auch auf Nord- und Südhessen aus. Seine ursprünglich geplante Wetterchronik, die den Witterungsablauf in der Zeit vor dem 20. Jahrhundert so vollständig wie möglich schildern sollte, musste er aufgeben. „Die enorme Fülle der recherchierten Berichte zwang mich zur Beschränkung auf ausgewählte Originalzitate“, berichtet der Diplom-Geograf.

Alle reden vom Wetter – die Quellensammlung von Johannes Hofmeister bietet mehr: Sie bildet dank interessanter Chronisten wie Pfarrer, Leineweber, Amtsärzte oder Braumeister einen anschaulichen Einblick in die Zeitverhältnisse ab, wo „seit Menschengedenken“ herausragende Wettervorgänge die Existenzen von Menschen erschütterten.

Darunter sind auch Berichte vom „harten Hagellschlag“ in Marburg 1597 oder von der „Schneelawine“ bei Hof Seibelsbach 1841.

Der freiberufliche Geograf Dr. Hofmeister hat sein Wissen bereits auch in Vorträgen bei Geschichtsvereinen vorgestellt, so auch in Frankenberg vor wenigen Wochen. Er bietet daneben für interessierte Gruppen auch landeskundliche Exkursionen in die Niederlande und Stadtexkursionen in München an. Ein weiteres wissenschaftliches Interessengebiet sind historische Landes- und Ortbeschreibungen, über die er ebenfalls Vorträge hält.

Von Karl-Hermann Völker

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