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Dr. med. Adrian Moise ist der neue Chefarzt für Reha der Hardtwaldklinik II der Wicker-Gruppe

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Von: Achim Rosdorff

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Dr. med. Adrian Moise: Neuer Chefarzt der psychosomatischen Reha der Hardtwaldklinik II der Wicker-Gruppe.
Dr. med. Adrian Moise: Neuer Chefarzt der psychosomatischen Reha der Hardtwaldklinik II der Wicker-Gruppe. © Patrick Böttcher

Dr. med. Adrian Moise ist seit Januar Chefarzt für Rehabilitation der Hardtwaldklinik II der Wicker-Gruppe in Bad Zwesten.

Dr. Moise (58) bringt seit 2014 chefärztliche Berufserfahrung in der Akutpsychosomatik und in der psychosomatischen Rehabilitation mit und hat zuletzt eine Reha-Klinik in Sachsen geleitet.

Dr. Moise, wie war Ihr Start in Bad Zwesten? Wie haben Sie das Team, die Arbeit und Atmosphäre in der Klinik bisher erlebt?

Der Empfang war sehr herzlich, und ich bin wie ein Familienmitglied aufgenommen worden. Die Arbeitsatmosphäre hier in der Klinik ist hervorragend. Man merkt, dass das eingespielte Team zusammen gewachsen ist.

Welchen Aufgaben werden Sie sich hier stellen? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt? Was wollen sie erreichen?

Den Bereich der Psychotherapie möchten wir weiter ausbauen. Dazu zählt die Durchführung von Gruppen- und Einzelgesprächen, aber auch körperbezogene Therapiemethoden wie Sport, Bewegung und Physiotherapie.
Unser Ziel ist eine individuelle, psychosomatische Behandlung der Patienten unter Einbeziehung von Verhaltenstherapie und Psychoanalyse. Zu unseren angewandten Therapieformen zählt beispielsweise Psychodrama mit Schwerpunkt auf einer Station. Ergänzend arbeiten wir mit der Methode des inneren Kindes. Gemeinsam mit Achtsamkeit – im Sinn von Nachhaltigkeit zeigt das langfristig gute Ergebnisse.
Ein weiteres Ziel ist, die sozialmedizinische Förderung und Beurteilung weiterzuentwickeln. So wollen wir uns noch stärker dem Ausbau und der Präzisierung der sozialmedizinischen Beurteilung im Sinne der deutschen Rentenversicherung widmen.

Welche der persönlichen Stärken und fachlichen Qualifikationen helfen Ihnen bei Ihrer Arbeit hier besonders? Welche Ihrer bisherigen medizinisch-therapeutischen Schwerpunkte bringen Sie mit ein?

Ich bin Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, für Psychiatrie und Psychotherapie, aber auch für Neurologie. Zusätzlich bringe ich Wissen aus Weiterbildungen zum Rehabilitationswesen mit, ebenso aus der Erfahrungsmedizin und suchtmedizinischen Grundversorgung. Im therapeutischen Bereich, vor allem bei der Diagnostik, dürften meine Qualifikationen im Bereich der Psychosomatiktherapie und Psychiatrie besonders wertvoll sein.
Mein Wissen aus der Weiterbildung zum Rehabilitationsarzt kann ich besonders gut bei der sozialmedizinischen Beurteilung einbringen. Außerdem sind meine zusätzlichen Qualifikationen der Neurologie bedeutsam. Gerade bei der neurologischen Diagnostik mit bildgebenden Verfahren zählt zudem oft der Instinkt, das Bauchgefühl, das man erst nach vielen Jahren praktischer Erfahrung entwickelt.
Auch mein Know-how der Ernährungsmedizin kann ich gut einbringen, denn in unserer Klinik haben viele Patienten Essstörungen und kämpfen mit Adipositas, Übergewicht, Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating. Insbesondere bei der Diagnostik dieser Krankheiten sind meine Erfahrungen sehr hilfreich. Heilend und beratend greife ich zudem bei anderen häufigen Erkrankungen ein, zum Beispiel bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
Schließlich kann ich meine Expertise bei der suchtmedizinischen Grundversorgung nutzen. Insbesondere bei Alkoholabhängigkeit, aber oft auch bei Suchtproblemen mit anderen Drogen spielt der psychosomatische Bereich eine große Rolle. Für die Patienten ist es in jedem Fall entscheidend, kompetent beraten zu werden.

Depressionen und Angststörungen sind ja schon seit langem Volkskrankheiten. Besonders belastend erscheinen die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Klimawandels. Sind damit die Herausforderungen für Ihre Arbeit gewachsen?

Ja, die Herausforderungen sind auf jeden Fall gestiegen. Wer von Depressionen oder Angststörungen betroffen ist, sollte sie aktiv angehen, je früher desto besser! Denn, wenn man zu lange wartet, entsteht die Gefahr der Chronifizierung, dann ist es für uns Ärzte sehr schwer, eine wirksame, erfolgreiche Behandlung auf den Weg zu bringen. Also ist es in jedem Fall vorteilhaft, genau hinzusehen.
Durch Corona ist die Zahl der Depressionen in allen Altersgruppen sehr stark gestiegen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sind die Zahlen der Betroffenen erschreckend groß. Aber auch die Flutkatastrophe und der Klimawandel haben unzählige Angststörungen verursacht und den Behandlungsbedarf wachsen lassen. Gefahren, Lebens-Einschränkungen und die Kommunikation der Politik führen zu Verunsicherungen und Ängsten.
Um drohende Depressionen und Belastungsstörungen zu erkennen und dann gezielt angehen zu können, sollte man gefährdete Menschen, zum Beispiel aus dem Flutkatastrophengebiet, gut beobachten.

Mit welchen Beschwerden kommen die meisten zur psychosomatischen Rehabilitation? Bei welchen Anzeichen sollte man zum Arzt gehen? Was sind typische Alarmzeichen für seelische Erkrankungen?

Depressionen, Angst- oder Panikstörungen und Phobien sind Krankheitsbilder, die immer häufiger auftreten. Außerdem gibt es posttraumatische Belastungsstörungen, chronische Schmerzstörungen, Ess- und Persönlichkeitsstörungen wie zum Beispiel Borderline, die sich störend auf das Leben und die berufliche Effektivität auswirken. Bei Zwangsstörungen und Perfektionismus wollen Betroffene beispielsweise alles kontrollieren und kommen nicht weiter. Folgen können Mobbing oder Burn Out durch Überlastung sein.
Die Ursache liegt oft in mangelnder Anerkennung. Die Leistung am Arbeitsplatz wird nicht belohnt, man wird von Entscheidungen im Betrieb ausgeschlossen, Abwertung und Kritik überwiegen. Schon bei den ersten Anzeichen einer psychosomatischen Krankheit sollten Betroffene zum Arzt gehen. Einige sind sehr schnell gereizt und kurz angebunden. Andere bekommen mitten im Alltag Schweißausbrüche. Viele merken, dass sie nicht mehr zur Ruhe kommen, brauchen sehr lange zum Einschlafen und wachen nachts oft auf, um sofort an die Arbeit zu denken.
Wer Anzeichen wie Herzrasen feststellt oder Panikattacken bekommt, könnte schon von einer Krankheit, einer Panikstörung in einem fortgeschrittenem Krankheitsstadium, betroffen sein. Und wer keine Lust mehr auf sein geliebtes Hobby hat, leidet möglicherweise unter einer Depression. Diese Krankheiten sollte man dann schnellstmöglich akut behandeln lassen.

Psychosomatische Erkrankungen sind ja für viele immer noch ein Tabu. Stehen Ihre Patienten dadurch vor Hürden? Und wenn ein Patient zur Therapie in Ihre Klinik kommt, muss er es dann wollen?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Patient lernt erst in der Reha, dass er krank ist, oder er hat die Notwendigkeit schon vorher eingesehen. Es ist gut, wenn man selbst sagt: so geht es nicht mehr weiter. Krankheitseinsicht hilft, ist aber keine Grundvoraussetzung. Auch wenn die Initiative vom Arzt, Familienmitglied oder Freund kommt, ist das nicht so schlimm, denn auch ohne eigene Einsicht und Motivation des Patienten zum Beginn der Behandlung kann eine Therapie wirksam sein. Die Akzeptanz von psychischen Krankheiten ist übrigens viel besser geworden als noch vor 20 Jahren – kann aber noch weiter optimiert werden.

Mit welchen Therapieansätzen gehen sie psychosomatische Krankheiten an? Welche Methoden haben sich bewährt?

Psychoedukation ist das A und O und Bestandteil jeder Therapie, um das Krankheitsverständnis zu verbessern. Schon zu erfahren, was psychische Gesundheit ist, gibt den Patienten gewissermaßen ein Ziel. Wir arbeiten hier psychoanalytisch und verhaltenstherapeutisch.
Grundlage ist das bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erfundene und später weiterentwickelte Psychodrama nach Moreno. Dabei geht es um ein mentalisierungsförderndes, szenisch kreatives Rollenspiel – ein Instrument, mit dessen Hilfe sowohl Beziehungen als auch die Rollen eines Menschen wahrgenommen und verändert werden können. Je nach Störungsbild und individueller Kommunikationskompetenz des Patienten versuchen wir die Methode anzuwenden, die prognostisch am erfolgreichsten erscheint.

Mit welcher Strategie geht man so eine Behandlung an?

Mehrheitlich sollte man die Ursachen der Krankheit erforschen. In einem Zeitbudget von fünf bis sechs Wochen wollen wir dem Patienten möglichst gut helfen. Dabei bringen wir dem Patienten en Umgang mit bestimmten Stressoren bei.
Im Fokus steht die Verhaltensoptimierung, wobei die Gewichtung von dem gewählten Behandlungsverfahren abhängig ist. Dieses Verfahren wird immer individuell ausgewählt und gestaltet – in jedem Fall auf die Persönlichkeit und die aktuellen Probleme ausgerichtet.
Als Therapeut ist es wichtig, Empathie für andere und sich selbst zu haben, insbesondere bei der Behandlung von Depressionen. Somit gibt es keine richtige Strategie, sondern wir sehen jeden Patienten individuell und passen unsere Methode an. Denn maßgeschneiderte Behandlungen sind erfahrungsgemäß am wirksamsten. Und: Die Präferenzen des Patienten fließen in die Behandlung mit ein.

Beziehen Sie dabei auch die Meinungen anderer Fachärzte in der Klinik mit ein und arbeiten interdisziplinär?

Ein interdisziplinärer Ansatz ist immer sinnvoll. Wir Fachärzte tauschen uns regelmäßig aus, um die jeweilige Krankheit zuzuordnen und eine passende Behandlungsmethode zu finden. Als Neurologe kann man beispielsweise erkennen, welche Symptome psychosomatische und welche neurologische Ursachen haben.

Was kann den Erfolg einer psychosomatischen Behandlung begünstigen? Spielen persönliche Faktoren wie Alter, Geschlecht, Intelligenz und Bildung eine Rolle? Oder eher die Zeit?

Die Kunst unserer Arbeit besteht darin, Ressourcen zu entdecken. Patienten, die eloquent sind, können wir mit sprachlichen Ansätzen gut erreichen. Es gibt auch Menschen, die wir gezielt durch körperorientierte Verfahren – wie Sport – ansprechen können. Wir zeigen dem Patienten seine eigenen Handlungsmöglichkeiten und unterstützen ihn dabei, dass er damit die aktuelle Situation gut bewältigen kann. Also merken unsere Patienten, was sie können und wo es sich lohnt etwas zu verändern.
In jedem Bereich der Psychotherapie sind Gewohnheiten und ihr mögliches In-Frage-stellen wichtig. Kann man sich darauf verlassen, wenn man aktuell zufrieden ist? Oder hat man das Gefühl von Schein-Sicherheit? Wenn man ein Problem mit Gewohnheiten nicht mehr lösen kann, muss ein anderer Weg her. Somit sind oft Gewohnheiten infrage zu stellen, um ein Ziel zu erreichen.

Kontakt

Hardtwaldklinik II
Fachklinik für psychogene Erkrankungen Wicker GmbH & Co. KG
Hardtstraße 32
34596 Bad Zwesten
www.wicker.de

Vorzimmer Dr. med. Adrian Moise:
Tel. 05626 881702
E-Mail: homburg@hwk2.de

Mehr Artikel auf der Themenseite der Wicker Kliniken.

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