Kreistag diskutierte über digitale Ausstattung

Drei W-Lan-Netze pro Schule in Waldeck-Frankenberg geplant

Für den Einsatz von Tablets und Computern im Unterricht brauchen die Schulen vor allem ein stabiles WLAN.
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Die Digitalisierung in den Schulen in Waldeck-Frankenberg – hier ein Symbolbild – war Thema in der Kreistagssitzung. Die Große Koalition von CDU und SPD hatte eine Große Anfrage zur W-Lan-Ausstattung der Schulen gestellt. 

Wie gut sind die 70 Schulen des Landkreises in Waldeck-Frankenberg mit W-Lan ausgestattet, also mit drahtlosen Netzwerken, um Laptops, Tablets und Smartphones per Funk mit dem Internet zu verbinden? Darum ging es jetzt im Kreistag.

Waldeck-Frankenberg – Die Große Koalition aus CDU und SPD im Kreistag hatte mit einer Großen Anfrage wissen wollen, wie die Schulen in Waldeck-Frankenberg mit W-Lan ausgestattet sind. Die Antworten des Kreisausschusses wurden in der jüngsten Kreistagssitzung in Allendorf-Eder schriftlich vorgelegt und in der Sitzung besprochen.

Demnach sind (Stand 10. Mai) rund 1200 Zugangspunkte (Access-Points) an 37 Schulen in Waldeck-Frankenberg verbaut oder aktuell im Bau. Das entspricht laut Landkreis 71 Prozent des Ausbauziels. An 22 dieser 37 Schulen war das W-Lan am Datum des Antwortberichts bereits komplett in Betrieb genommen worden, an acht lief ein Teilbetrieb, an sieben war die Fertigstellung terminiert.

Zudem waren und sind für Mai und Juni zehn weitere Schulen in der Ausführungsplanung. Und im Juli und August (Schwerpunkt Sommerferien) sollen dann die weiteren 23 Schulstandorte mit W-Lan erschlossen werden, heißt es in der Antwort des Kreisausschusses.

Ob alle 70 Schulen des Landkreises bis zu den Herbstferien mit W-Lan-Infrastruktur ausgestattet seien, hänge „maßgeblich von den zur Verfügung stehenden Ressourcen (Kabelkanäle aus Kunststoff, CAT-7-Kupferkabel etc.) innerhalb der nächsten vier Monate ab.“

Nach dem Konzept des Landkreises werden jeder Schule drei W-Lan-Netze zur Verfügung gestellt: „Das Schul-W-Lan steht ausschließlich intern zur Verfügung und kann nur mit Dienstgeräten genutzt werden. Das Lehrkraft-W-Lan steht allen Lehrkräften zur Verfügung und kann mit Dienst- und Privatgeräten genutzt werden. Das Schüler-W-Lan steht allen Schülern zur Verfügung und kann mit Leih- und Privatgeräten genutzt werden.“

Lob für Kreis, aber auch viel Kritik

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, sagte Claudia Ravensburg (CDU) und sprach von „einer unglaublich fleißigen und erfolgreichen Arbeit der Mitarbeiter des Landkreises“. Dr. Ulrich von Nathusius (Grüne) konterte: Die Große Anfrage von CDU/SPD sei „ein leicht zu durchschauender Versuch, die eigene Kreisregierung in einem positiven Licht zu präsentieren“.

Ja, der W-Lan-Ausbau im Landkreis sei in den vergangenen Monaten sehr gut vorangekommen, „aber mindestens zehn Jahre zu spät“, sagte Nathusius, der Lehrer ist und Schulleiter war. An manchen Schulen sei die digitale Ausstattung insgesamt „eher miserabel, die Technik veraltet“, sagte er. „Statt sich für längst überfälliges W-Lan feiern zu lassen, hätte der Landkreis den riesigen Arbeits- und Systemstau abbauen müssen. Die Schulen sind mit unzureichender Digitalstruktur in die Corona-Krise gegangen.“

„Bitte nicht nachlassen“

Auch Ute Moldenhauer (Freie Wähler), ehemalige Schulleiterin der Humboldtschule in Korbach, sagte, dass die Pandemie die Versäumnisse „sehr schnell, massiv und deutlich“ gezeigt habe. Mittlerweile seien viele Schulen mit W-Lan, Mediensälen und Endgeräten gut ausgestattet, an vielen Schulen sei aber noch nichts passiert, es fehle an Endgeräten, Videounterricht aus den Schulen heraus sei nicht möglich. Darum bat sie Landrat Kubat, „neben dem Dank bitte nicht nachzulassen“.

„Statt sich für längst überfälliges W-Lan feiern zu lassen, hätte der Landkreis den riesigen Arbeits- und Systemstau abbauen müssen.“

Dr. Ulrich von Nathusius (Grüne)

„Vor anderthalb Jahren hätte sich noch keiner von uns vorstellen können, welche rasante Entwicklung die Digitalisierung in unseren Schulen nehmen muss, weil uns die Pandemie vor völlig neue Anforderungen gestellt hat“, hatte Claudia Ravensburg zu Beginn der Aussprache gesagt. „Gerade die Lehrer können nach einem Jahr improvisieren am besten einschätzen, was der vollständige W-Lan-Ausbau bedeutet.“

Bürokratie und Kompetenzfragen

Dr. Andreas Salzmann (AfD) machte auch Bürokratie, Vergaberecht und Kompetenzfragen zwischen Kreis und Land dafür verantwortlich, „dass sich dieses Projekt über so viele Jahre hinzieht“. Und er sah noch offene Fragen – etwa zu ausreichenden Bandbreiten und der IT-Ausbildung für Lehrer und Administratoren. „Und über allem steht die Frage: Wer trägt die Kosten?“

Auch Jochen Rube (FDP), von Beruf Lehrer, dachte schon weiter: „Welche Systeme werden genutzt? Wie werden die Verantwortlichen an den Schulen vernetzt? Und wer kümmert sich – das Schulamt, das Land oder selbstbewusst der Kreis als Schulträger?“

„Die Lehrerausbildung kann ja nur Sache des Landes sein“, antwortete Andreas Schaake (SPD). Nach dem W-Lan-Ausbau gehe es jetzt darum, das Ganze mit Leben zu füllen. „Bis Sommer 2022 wird Glasfaser an allen Schulen sein, um die nötigen Bandbreiten zur Verfügung zu stellen“, so Schaake. Am Breitbandausbau arbeite der Landkreis bereits mit der Telekom und der Breitband Nordhessen GmbH, sagte Claudia Ravensburg.

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