Studie zeigt: Nur jeder fünfte Oberstufenschüler fühlt sich morgens leistungsfähig

Drei Viertel der Oberstufenschüler leiden unter Schlafmangel

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(Von links) Die Edertalschülerinnen Maren Schäfer, Hannah Haase, Johanna Lay und Luisa Fischer zeigen im Foto, wann sie ihr Handywecker morgens wach klingelt.

Sechs Stunden und 52 Minuten. So lange schlafen Oberstufenschüler an Wochentagen im Durchschnitt. Das ergab eine Befragung unter Schülern des Wetzlarer Goethe-Gymnasiums. Auch Schüler an der Frankenberger Edertalschule klagen über zu wenig Schlaf.

Nächste Woche enden die Schulferien in Hessen. Und damit eine erholsame Zeit für Hannah Haase. Wenn ihr Wecker morgens wieder um 6.15 Uhr klingelt, hat sie manchmal das Gefühl, kaum noch Freizeit zu haben. Nach der Schule jobbt die 17-jährige Schülerin der Frankenberger Edertalschule noch im Edeka und ist oft erst abends zu Hause, wo noch die Hausaufgaben auf sie warten. Die Folge: „Ich schlafe im Unterricht manchmal fast ein. In der Woche komme ich im Durchschnitt auf sechs Stunden Schlaf pro Nacht.“

So wie ihr geht es vielen Oberstufenschülern, zumindest am Wetzlarer Goethe-Gymnasium. Dort wurden 555 Schüler im Alter zwischen 15 und 22 Jahren zu ihren Schlafgewohnheiten befragt. Das Ergebnis: Drei Viertel von ihnen leiden unter Schlafmangel.

Die Studie ist ein Forschungsprojekt des Dillenburger Instituts für Gesundheitsförderung und -forschung (IGFF), des Schlafmedizinischen Zentrums der Uniklinik Marburg und des Fachbereichs Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen. Die Forscher stellten fest, dass die Jugendlichen im Alter von 15 bis 22 Jahren unter der Woche im Durchschnitt unter sieben Stunden pro Nacht schlafen. Gesund seien in diesem Alter Schlafzeiten zwischen acht und zehn Stunden pro Nacht, so die amerikanische National Sleep Foundation. Fast jeder zehnte Schüler schläft sogar weniger als sechs Stunden an Wochentagen.

Dementsprechend fühlt sich nur jeder Fünfte morgens erholt und leistungsfähig. „Morgens habe ich gar keine Lust aufzustehen, vor allem, wenn ich den Tag zuvor noch spät Hausaufgaben gemacht habe“, erzählt auch die 17-jährige Edertalschülerin Luisa Fischer. Dafür schlafe sie dann am Wochenende sehr lange, sagt sie.

Auch die befragten Schüler des Goethe-Gymnasiums in Wetzlar nutzen das Wochenende, um Schlaf nachzuholen. Durchschnittlich zwei Stunden und 15 Minuten länger liegen die Jugendlichen dann in den Federn, gehen aber auch erst zwei Stunden später ins Bett. Dieser veränderte Schlafrhythmus irritiere die innere Uhr und könne langfristig auch der Gesundheit schaden, meinen die Forscher.

Nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Schulnoten können unter dem Schlafmangel leiden: „Ich bin in der Schule oft müde, dann kann ich mich auch viel schlechter konzentrieren“, sagt Maren Schäfer, die in die 13. Klasse der Edertalschule geht. „Besonders schlimm ist dann der Nachmittagsunterricht.“

Vergleicht man Jugendliche mit ausreichendem und gutem Schlaf mit wenig schlafenden Altersgenossen, so haben die ausgeschlafenen Jugendlichen seltener gesundheitliche Probleme, weniger psychische Beschwerden und sind leistungsfähiger.

Als mögliche Ursache für das Schlafdefizit nennen die Forscher eine intensive Nutzung digitaler Medien. Schüler mit schlechtem Schlaf nutzen ihr Smartphone knapp eine Stunde länger am Tag.

Fazit von Prof. Manfred Betz vom Fachbereich Gesundheit der THM Gießen: „Da drei Viertel der Schüler ein Schlafdefizit aufweisen, sind Gesundheitsfördermaßnahmen zum Thema Schlaf notwendig.“

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