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Kreiseigene Sporthallen in Waldeck-Frankenberg: Die Duschen bleiben kalt

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Von: Philipp Daum

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Das Wasser, was aus den Duschen in den kreiseigenen Sporthallen in Waldeck-Frankenberg kommt, bleibt kalt. Daran änderte auch eine Debatte im Kreistag nichts.
Das Wasser, was aus den Duschen in den kreiseigenen Sporthallen in Waldeck-Frankenberg kommt, bleibt kalt. Daran änderte auch eine Debatte im Kreistag nichts. © dpa

Sportlerinnen und Sportler, die in kreiseigenen Hallen auch die Duschen benutzen wollen, müssen weiter mit kaltem Wasser zurechtkommen. Das ist das Ergebnis einer zum Teil emotional geführten Debatte im Kreistag.

Letztlich war es Landrat Jürgen van der Horst, der per Widerspruch gegen den Beschluss der Kreistagsmitglieder die finale Entscheidung traf. „Bei allem Verständnis für die Sportlerinnen und Sportler“ machte er klar, dass der Landkreis seiner Verpflichtung zur Energieeinsparung weiterhin nachkommen werde.

Aber der Reihe nach: Zunächst hatte die FDP-Kreistagsfraktion einen Antrag eingebracht, der darauf abzielte, das warme Wasser in den kreiseigenen Sporthallen ab sofort wieder anzustellen. Somit soll es nach Sporteinheiten wieder möglich sein, direkt in der Halle zu duschen und nicht erst im Badezimmer daheim.

Bastian Belz, FDP-Kreistagsfraktion
Bastian Belz, FDP-Kreistagsfraktion © PR

„Jeder, der selbst in Vereinen aktiv ist, weiß ganz genau, wie unangenehm es ist, nach dem Sport verschwitzt nach Hause zu fahren und erst dort zu duschen. Bei den aktuellen Temperaturen ist das nicht nur ungesund, sondern auch unhygienisch“, betonte Bastian Belz von der FDP. Den Freien Demokraten gehe es – und da sei man mit Sicherheit auf einer Wellenlänge mit den übrigen Fraktionen im Kreistag – um die Förderung des Ehrenamtes. Außerdem dürfe der Schulsport nicht leiden.

„Hinzu kommt: Wenn man mit Sportlerinnen und Sportlern spricht, berichten diese, wie unangenehm es für sie sei, dass sie Gastmannschaften nur kalte Duschen anbieten könnten“, berichtete Belz. Insbesondere Jugendliche, Schülerinnen und Schüler hätten in der Corona-Pandemie auf vieles verzichten müssen. Dazu gehörten vor allem die Hallensportler. Das Ehrenamt und der Sport trügen sehr stark zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei. „Lasst uns deshalb gemeinsam ein Zeichen für Bildung und das Ehrenamt setzen. Lasst die Sportler, Schüler und Lehrer wieder warm duschen“, sagte Belz.

Die FDP erntete für den Antrag viel Zustimmung aus den übrigen Fraktionen – an der Entscheidung des Landrats änderte die Debatte letztlich aber nichts mehr.

Landrat erhebt Widerspruch gegen Beschluss

Die Große Koalition aus CDU und SPD brachte sogar einen Änderungsantrag ein und forderte den Kreisausschuss darin auf, „zu veranlassen, dass ab dem ersten Schultag nach den Weihnachtsferien in den kreiseigenen Sporthallen wieder warme Duschen zur Verfügung stehen“. Zudem soll in der nächsten Kreistagssitzung ein Bericht zu den angefallenen Kosten und zu dem zu erwartenden Aufwand im Jahr 2023 vorgelegt werden. Der Bericht soll ebenfalls einen Deckungsvorschlag enthalten sowie über das Nutzungsverhalten informieren. Ähnlich hatte es die FDP-Fraktion in ihrem Antrag formuliert.

„Wir wollen wissen, wie hoch die Energieeinsparung wirklich ist. Was den Schulsport betrifft, kann man sicherlich an einer Hand abzählen, wie viele Schüler danach in der Halle noch duschen“, sagte CDU-Fraktionschef Timo Hartmann.

Auch die SPD wies darauf hin, dass konkrete Zahlen vorgelegt werden müssten, um die Energieersparnis belegen zu können. Nur so sei erkennbar, ob man es den Sportlerinnen und Sportlern zumuten sollte, geschwitzt und ungeduscht nach Hause zu gehen. „Zu viele Fragen müssen noch geklärt werden. Es ist daher richtig, das kalte Duschen solange auszusetzen“, betonte Markus Budde. Weiterhin sollte geprüft werden, wo der Einbau von Durchlauferhitzern Sinn mache. „Es würde Wasser nur dann erhitzt, wenn es wirklich gebraucht wird“, sagte der SPD-Abgeordnete.

„Mit der Trainingsgemeinschaft der Alten Herren Altenlotheim/Ellershausen erleben wir es in der kreiseigenen Sporthalle in Frankenau regelmäßig: Die Halle selbst ist sehr gut geheizt, aber das Duschwasser ist kalt. Das ist nicht nachvollziehbar“, berichtete Horst-Werner Bremmer (FWG). Gleichzeitig frage er sich, was in den nächsten Wochen geprüft werden solle, schließlich würden die Hallen in den Ferien nicht genutzt. Aussagekräftige Ergebnisse seien nicht zu erwarten. „Wir machen daher den Vorschlag, die gesamten Energieverbräuche in den kreiseigenen Sporthallen zu untersuchen, um anhand der Ergebnisse Energiesparmaßnahmen für die nächsten Jahre zu beschließen“, so Bremmer. Solange sollte in den Hallen aber zumindest das Duschen mit lauwarmem Wasser möglich sein.

Dass die Duschen wieder warm werden, dafür sprach sich auch Arno Wiegand (fraktionslos) aus. Für ihn sei ein bedarfsgerechter Umgang mit Warmwasser aber genauso wichtig. Den Vorschlägen, Untersuchungen zum gesamten Energieverbrauch anzustellen, schloss er sich an.

Eine andere Meinung haben die Grünen. „Duschen, koste es, was es wolle, ist nicht in unserem Sinne“, stellte Dr. Ulrich von Nathusius klar. Es sei nötig, Energie einzusparen, um sich unabhängig von Russland zu machen. Der Landrat habe Hochrechnungen zur Energieeinsparung vorgelegt. Weitere Zahlen seien sinnvoll. „Dass wir bis dahin alles wieder hochfahren, ist aber nicht unsere Position“, so Nathusius.

Der Kreistag schloss sich nach der Debatte per Beschluss mehrheitlich den Anträgen an – da Landrat van der Horst aber Widerspruch erhob, bleiben die Duschen kalt.

„Die Energiekrise ist historisch“

„Natürlich ist der Weg, den wir gehen, unangenehm. Ich bin selbst Sportler und finde es wichtig, dass wir unsere Vereine und das Ehrenamt unterstützen. Aber die Energiekrise ist historisch“, sagte Landrat Jürgen van der Horst bei der Debatte im Kreistag um kalte Duschen.

Jürgen van der Horst, Landrat
Jürgen van der Horst, Landrat © PR

Aufgrund der ernsten Lage auf dem Energiemarkt habe sich der Landkreis – neben vielen anderen Maßnahmen – bewusst für das Abstellen des warmen Wassers in seinen Liegenschaften entschieden. Die Grundlage dafür bilde die Bundesverordnung, deren Ziel es sei, deutschlandweit 20 Prozent Energie einzusparen. „Ich bin deshalb ein wenig überrascht, dass die aktuelle Krisensituation in der Debatte keinen Raum gefunden hat“, fügte der Landrat hinzu.

Er verstehe, dass das Thema intensiv diskutiert werde. Allerdings müsse und wolle er gegen den Beschluss der Kreistagsmitglieder Widerspruch erheben, da dieser gleich doppelt gegen geltendes Recht verstoße und der Landrat gesetzlich sogar zum Widerspruch verpflichtet sei.

„Zum einen ist die Umsetzung des Energiesparkonzepts eine Aufgabe der laufenden Verwaltung und fällt somit nicht in die Verantwortlichkeit des Kreistages. Zum anderen ist der Landkreis aufgrund der ‚Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen’ des Bundes zu Energieeinsparungen verpflichtet“, so van der Horst.

Demnach seien in öffentlichen Nichtwohngebäuden dezentrale Trinkwassererwärmungsanlagen auszuschalten. Ausgenommen seien Anlagen, bei denen der Betrieb von Duschen zu den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen gehöre. Er sehe hier aber keine Ausnahmeregelung, da der Sportbetrieb in den Hallen auch dann stattfinden könne, wenn keine warmen Duschen vorgehalten werden.

„Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass diese Situation, in der wir uns wegen der Energiekrise befinden, für alle Sporttreibenden eine Herausforderung ist. Unser Ziel ist es aber, den Sportbetrieb für alle Breitensportangebote aufrechtzuerhalten – auch, wenn uns die aktuelle Lage dazu zwingt, Energie einzusparen“, führte van der Horst weiter aus. Man müsse sich vor Augen führen: Einmal Duschen zuhause verbrauche sechs Kilowattstunden an Energie. Ein Duschvorgang in der Sporthalle erfordere im Schnitt 600 Kilowattstunden. „Grund dafür ist die Vorhaltung der großen zentralen Anlagen und der hygienischen Anforderungen in den Sportstätten und das im Verhältnis dazu sehr seltene Duschen“, erläuterte der Landrat. Der Energieverbrauch für das Duschen zuhause, wo ohnehin permanent Warmwasser bereitgehalten werde, sei somit um einhundertfach geringer als das Duschen in der Halle – genau hier liege der entscheidende Einspareffekt.

Van der Horst wies zudem darauf hin, dass der Warmwasserbetrieb nur so lange wie unbedingt nötig ausgesetzt bleibe.

Der Widerspruch des Landrats hat für den Beschluss zudem eine aufschiebende Wirkung. Das Thema wird daher in der nächsten Kreistagssitzung noch einmal auf der Tagesordnung stehen.

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