Ederklippen erzählen Erdgeschichte

„Klingelstede“ als Geotop des Jahres macht auch Wanderwege attraktiv

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Imposante Einblicke in die Erdgeschichte: In den Felsklippen der „Klingelstede“ bei Burgwald-Birkenbringhausen kann man sowohl 250 Millionen Jahre alte Gesteine des Perms wie auch jüngere, eiszeitlich angeschwemmte Schuttmengen erkennen. Dieser Teil der Ederstede wurde 2020 zum Geotop des Jahres im Nationalen Geopark GrenzWelten erklärt. Fotos: Karl-Hermann Völker

Nicht umsonst bündeln sich hier mehrere überregional bedeutsame Wanderwege mit klangvollen Namen: der „Ederhöhenweg“, der „Burgwaldpfad“, der „Hugenotten- und Waldenserpfad“ sowie der von Rennertehausen aus startende „Klippenpfad des Wandermärchens Burgwald“.

Sie führen hoch über die kilometerlange „Ederstede“ mit ihren roten Zechsteinwänden zwischen Battenberg und Frankenberg, dann hinunter in die Ederaue bei Birkenbringhausen mit Blicken in Felsspalten und kleine Höhlen, über eine Brücke schließlich zur „Klingelstede“ – dem „Geotop des Jahres 2020“ in Waldeck-Frankenberg.

„Die Gemeinde weiß diesen außergewöhnlichen und erdgeschichtlichen Ort sehr zu schätzen und ist auch stolz darauf“, sagte Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch, als das Projektbüro des Nationalen Geoparks GrenzWelten in Korbach kürzlich diese besondere landschaftliche Attraktion Ederstede und Klingelstede mit der Auszeichnung Geotop des Jahres versah. „Wir hatten 2018 schon einmal die Ederstede vorgeschlagen. Desto mehr freute mich, dass diesmal unser Wunsch unter mehreren eingegangenen Vorschlägen ausgelost wurde.“

Gemeinde Burgwald sorgte für Brücke: Über sie gelangt man von den vorbeiführenden Hauptwanderwegen auf einem schmalen Pfad zum Geotop „Klingelstede“.

Die Gemeinde Burgwald hat in dieses geologisch so aufschlussreiche Landschaftsstück ihrer Gemarkung in den vergangenen Jahren viel Zeit und Geld investiert, wie der Bürgermeister berichtet.

Eine neue Brücke aus Metall sei an Stelle des gebrechlich gewordenen Holzstegs errichtet worden, damit die Besucher die Möglichkeit haben, „nun sicheren Fußes den Abstecher zur Klingelstede zu machen. Unser Bauhof hat den Platz mit Infotafel und Sitzgruppe im Pflegeplan und ist dort auch regelmäßig tätig.“ Es sei auch weiterhin geplant, in Zusammenarbeit mit dem Landkreis den Ort „Ederstede“ aufzuwerten, kündigte Koch an. Es solle dort noch eine kleine Geo-Info-Station mit zusätzlichen Tafeln entstehen.

Bereits jetzt können Wanderer, wenn sie den Punkt Klingelstede mit dem Rastplatz erreichen, auf einem Pult einen Sachtext zur Geschichte der 250 Millionen Jahre alten roten Sandsteinklippen, die die Eder später am Ende von Eiszeiten hier so gut sichtbar heraus präpariert hat, nachlesen.

Höhle in der Ederstede: Sie führt in der Ederaue nahe der Hatzbachmühle 9,50 Meter tief in die Felswand hinein.

Verwitterungsschutt, Ablagerungen von Fluss-Systemen, Tongerölle und Schotter durchziehen gut sichtbar den roten Sandstein. Zur Besonderheit und landschaftlichen Vielfalt dieses Teils der Ederstede gehören auch mehrere kleine Höhlen, von denen eine am Wanderweg unweit der Kreisstraße nahe der Hatzbachmühle liegt. Diese „Ederauenhöhle“ in der Felswand ist 9,50 Meter lang und innen bis zu 4,80 Meter hoch. Sie ist 1985 erstmals vermessen und in das hessische Höhlenkataster aufgenommen worden.

Sandsteinbänke am Ufer: Der Eder, die hier wie ein Wildbach über das Gestein plätschert, verdankt vermutlich die „Klingelstede“, die sie über Jahrhunderte ausgewaschen hat, ihren Namen.

Bisher ausgezeichnete Geotope

Der Reichtum an geologischen Bildungen der unbelebten Natur, die Einblicke in die Entwicklung der Erde oder des Lebens vermitteln, spiegelt sich bereits jetzt an den bisher im Landkreis vom Nationalen Geopark GrenzWelten ausgezeichneten „Geotopen des Jahres“: Im Jahr 2017 wurde die Panzerfisch-Fundstätte in Bad Wildungen-Braunau mit 375 Millionen Jahre alten Panzerfischen, den ältesten, kiefertragenden Wirbeltieren der Welt ausgewählt.

Geotop des Jahres 2018 wurde das Naturdenkmal „Dohlenfelsen“ bei Frankenberg, einer der größten Aufschlüsse im Unteren Buntsandstein des Geoparks, entstanden vor 250 Millionen Jahren. In der Felslandschaft des Unteren Wattertals bei Volkmarsen-Lütersheim errang das sagenumwobene, von wabenförmig geprägtem Sandstein geprägte Naturdenkmal „Hollenkammer“ die Geotop-Auszeichnung im Jahr 2019. zve

Informationsblätter zu diesen Geotopen des Jahres gibt es unter geopark@landkreis-waldeck-frankenberg.de.

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