Herbstliche Faszination am Stausee

Drohnenvideo vom Edersee-Atlantis: Versunkene Dörfer und Pflanzen locken die Massen an

Edersee. Das Edersee-Atlantis mit den eigentlich versunkenen Überresten der alten Dörfer lockt derzeit zahlreiche Besucher an. Der herbstliche Stausee hat aber auch für Naturfreunde viel zu bieten.  

Wegen des Niedrigwassers sind längst die Reste der versunkenen Dörfer aus dem Edersee wieder aufgetaucht. An der alten Dorfstelle Berich wurden die Arbeiten an den Grundmauern der früheren Häuser wieder aufgenommen. Ein Rotmilan zieht seine Kreise über dem Geröllfeld unterhalb des Bericher Denkmals. Ein kleiner Trecker und ein Mini-Bagger deuten darauf hin, dass hier gearbeitet wird. In seiner grünen Arbeitskleidung hat sich Norbert Toffl schon um sieben Uhr ans Werk gemacht.

Bei niedrigem Wasserstand wird die Chance genutzt, die verbliebenen Ruinen zu sichern. Der Förderverein zum Erhalt der Dorfstelle Berich hat Norbert Toffl vom gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaubetrieb in Waldeck mit dem Aufmauern beauftragt. In diesem Jahr geht es um das Haus der damaligen Familie Höhle mit Stallung und Schuppen.

Im Edersee-Atlantis: Norbert Toffl arbeitet an den Grundmauern der Familie Höhle im damaligen Dorf Berich und verfugt Grauwacke hinter Sandstein. Fotos: Sabine Degenhardt

Zunächst wird die ehemalige Grundmauer freigelegt, damit darauf aufgebaut werden kann, erläutert der Waldecker die Arbeitsschritte. Mit dem Mörtel, den Toffl zu Hause vorgemischt hat, vermauert er nur Original-Steine, die er zuvor oft mit dem Siebungslöffel am Bagger aus der Erde geholt hat. Nach außen sichtbar verbaut er Sandstein, nach innen Grauwacke, die kaum gerade Seiten hat.

„Die größte Herausforderung ist, das Material zu beschaffen“, sagt Toffl. „Man darf keinen Plan haben“, ist er überzeugt. Er hat lediglich ein Bild vor Augen, welche Steine er als nächstes nimmt. Dabei ist ihm wichtig, dass „der Stein immer im Vordergrund steht, und nicht die Fuge“. Einen Monat hat er für die Arbeit an dem Gehöft Höhle eingerechnet.

Norbert Toffl hat ein Faible für Sandstein. „Die von Hand behauenen Steine, wie die alten hier in Berich, sind heute unbezahlbar“, sagt er. Eine gerade Mauer zu ziehen, mit unterschiedlichen Steinformen, ist seine große Herausforderung. Manchmal sprechen ihn Touristen an und fragen nach seiner Arbeit und der Geschichte des untergegangenen Dorfes. Gern gibt er dann Auskunft über die 100-jährige Geschichte und das Edersee-Atlantis.

Die sonst im Edersee versunkene Aseler Brücke ist ein beliebter Anlaufpunkt für einen Spaziergang.

Die Natur im Edersee

Für Naturfreunde ist der Edersee in diesen Wochen besonders interessant. 

Die „Faszination herbstlicher Edersee“ beginnt am oberen Edersee zwischen Herzhausen und Harbshausen. In dem Bereich, in dem die Eder nur noch als Rinnsal durch eine grüne Aue fließt, breiteten sich ausgedehnte Fluren des purpurroten Blutweiderichs und des gelb blühenden Gilb-weiderichs aus. Es mutet an, als stünde der Edersee in Flammen. Dazwischen finden sich Pflanzen, die lange Zeit ihr Dasein unter Wasser fristeten, wie das Gänsefingerkraut, das Sumpf-Ruhrkraut, wegen seines Aussehens als Edelweiß des Edersees bekannt. 

Neben anderen Arten breitet sich großflächig der Ampher-Knöterich besonders im Bereich Asel-Süd aus. Eine Besonderheit ist der Schlammling, zu finden ist er bei Wattwanderungen im Ederseebett bei Asel-Süd. Dieser Winzling unter den Ederseepflanzen besitzt auch die kleinsten Blüten unserer Pflanzenwelt. Sie sind nur stecknadelkopfgroß. Diese Pflanze bringt es fertig, seinen Entwicklungszyklus innerhalb eines Monats abzuwickeln. Dazwischen breiten sich Kieselalgentepppiche aus. Im aufblühenden Leben im Ederseebett nach Weichen der Fluten haben Wissenschaftler rund 850 Insektenarten und Spinnentiere nachweisen können. Darunter finden sich schöne Schmetterlinge und extrem seltene Käfer. 

Für Ornithologen interessant

Der Edersee ist gerade in diesen Wochen auch für Ornithologen sehr interessant, weil immer wieder unter durchziehenden Vogelarten besondere Seltenheiten zu entdecken sind. 

Limikolen (Watvögel) nutzen das Edersee-Watt auf ihrem Kräfte zehrenden Zug in den Süden als Trittstein zur Rast und Nahrungsaufnahme. Darunter wurden Vogelarten wie Alpenstrandläufer, Rotschenkel, Bekassinen, Kampfläufer und weitere interessante Arten beobachtet. Selbst Fischadler und immer wieder einmal lässt sich ein Seeadler mit einer Flügelspannweite beim Weibchen von bis zu 2,5 Metern blicken. 

Aufsehen erregten über 200 Kraniche, die am 29. November 2014 zur Rast im Edertal bei Herzhausen landeten und übernachteten.

(Von Sabine Degenhardt und Gerhard Kalden)

Der Spätsommer im Edersee

zqa123 Ederseee im Spätsommer 2018.
 © Gerhard Kalden
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 © Gerhard Kalden
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 © Gerhard Kalden
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 © Gerhard Kalden
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