Großer Wasserverlust

Edersee: Wasserstand sinkt rasant - Forderung nach Sommerpause

Der Edersee im Juli 2020
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Der Edersee verliert rasant Wasser. Der Regionalverband Eder-Diemel fordert daher eine Sommerpause.

Der Wasserstand des Edersees sinkt rasant. Der Regionalverband Eder-Diemel fordert daher eine Sommerpause für die Wasserabgabe.

Frankenberg - Angesichts eines rasanten Wasserverlustes lässt sich die erneute Diskussion um den Wasserstand am Edersee nicht verhindern. Der Regionalverband Eder-Diemel fordert für die Zukunft angesichts des Klimawandels weitaus größere Schritte zum Haushalten mit dem Talsperreninhalt, als 2019 vereinbart: eine Art Sommerpause.

Kein ergiebiger Regen in Sicht. Sinkt der Pegel weiter in dieser Geschwindigkeit, naht schon zwischen Anfang und Mitte August die letzte Chance, Segelboote per Kran aus dem Edersee zu holen. Denn bis Mitte August sackt die Talsperre von jetzt 86 Millionen voraussichtlich auf die Mindestreserve von 40 Millionen Kubikmeter ab. Dann ist auch Schluss mit der Hilfe für die Weser.

In dieser Situation verlangt der Regionalverband Eder-Diemel (RVED) weitaus strengeres Sparen, um in Zukunft mehr Wasser im Edersee zurückzuhalten. Der heimischen Interessenvertretung reichen die 2019 vereinbarten Schritte nicht. Deren Wirkung wollen das Regierungspräsidium (RP) und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) erst mal über fünf Jahre auswerten.

„Bis zum Ende der Sommerferien in Hessen brauchen wir 125 Millionen Kubikmeter im Edersee“, sagt Thomas Hennig vom RVED. Erreicht die Talsperre diese Marke im Sommer, soll die Abgabe nach dem Willen des Verbandes aufs Minimum gedrosselt werden: kein Wasser mehr für die Weser-Schifffahrt also. Im Prinzip so lange, bis es im September/Oktober wieder regnet.

Zusätzlich will der RVED die Mindestreserve in der Talsperre von derzeit 40 auf 65 Millionen Kubikmeter Wasser erhöhen. Damit würde generell der Puffer für etwaige Trockenheit gestärkt.

Der RVED führt neben dem Tourismus den Naturschutz an. Mehr als 40 spezialisierte Pflanzen von Roten Listen seien durch den frühen, niedrigen Wasserstand bedroht. Gleiches gilt für die Brut von Wasservögeln, deren Nester trocken fallen.

Die Interessengemeinschaft Oberweser/Eder- und Diemelsee hält aber in Gestalt ihres stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Peter Könemann (Porta Westfalica) dagegen. Der im vorigen Jahr vereinbarte Sparbetrieb erlege als Kompromiss „allen beteiligten Seiten Einschränkungen auf.“ Unter den Spar-Zielpegel von 1,15 Meter zu gehen oder die Weser gar im Sommer zeitweise überhaupt nicht zu stützen, „würde das Aus für Kies- und Betonwerke an der Weser bedeuten.“

Schon bei 1,15 Meter führen sie Teillast und damit hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. Die Monate Juli und August seien die nachfragestärksten im Kiesabbau, den die Schwimmbagger entlang der Weser leisten. Weil die Betonwerke im Zuge der Just-in-time-Fertigung kaum noch Lagerkapazitäten vorhielten, sei eine Produktion auf Halde unmöglich.

Weiterer großer Leidtragender wären die Bauernhöfe entlang der Weser, meint Könemann. „Um die Ernte im Juli und August einzubringen, braucht die Landwirtschaft mangels Brücken die Fähren“, betont er. Thomas Hennig wiederum verweist darauf, dass die Fähren durchaus bei weniger Wasser verkehren könnten, als der jetzige Sparpegel von 1,15 Meter liefert.

Aus Könemanns Sicht sind die Spar-Chancen im Sommer dagegen weitgehend ausgereizt. Allenfalls sei vorstellbar, den aktuellen Sparpegel von 1,15 Meter (statt der normalen 1,20 Meter) noch zeitiger im Frühjahr als Steuerungsziel auszugeben.

Das sagt der Landrat

Landrat Dr. Reinhard Kubat verweist auf Nachfrage auf die 2019 vereinbarten Schritte zum Wassersparen, „die in den kommenden Jahren beobachtet und schlussendlich final ausgewertet werden müssen.“ Er halte an diesen Vereinbarungen fest. Damit schließt sich Kubat der Haltung von Regierungspräsidium und WSA im Ederseegespräch an. „Trotzdem ist ein ständiger Austausch aller Interessensgruppen wichtig“, fügt der Landrat hinzu.

Einem jüngst geäußerten Ansinnen aus Edersee-Anwohnerkreisen erteilt er eine Absage: der Übernahme der Talsperre durchs Land Hessen. „Die Zuständigkeit für den Edersee als Bundeswasserstraße sollte unbedingt in den Händen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes verbleiben“, schließt Kubat.

Der Landkreis sitzt im Vorstand der IG Oberweser. Dem RVED, dem unter anderen Edersee-Touristic, Anrainer- und weitere heimische Kommunen angehören, ist er bisher nicht beigetreten.

Das sagt der Tourismus

Erste Rückmeldungen der Enttäuschung wegen des Wasserstandes verzeichne die Edersee-Touristic bei Urlaubsgästen, sagt deren Geschäftsführer Claus Günther. „aber wir haben Glück, dass viele Gäste wandern und Rad fahren.“ Die Marke „Edersee“ trage Wasser im Namen und müsse diese Erwartung erfüllen. Günther verweist auf 570 Millionen Euro Wertschöpfung brutto in der Erlebnisregion aus dem Tourismus.

Er unterstützt das Engagement des Regionalverbandes Eder-Diemel: „Angesichts des Klimawandels brauchen wir weitere Kompromisse für einen sparsameren Umgang mit Wasser. Ohne Polemik“, sagt Günther. Zugleich suche man Wege, bei niedrigeren Pegeln attraktiv zu bleiben. So gebe es die Idee, eine vom Wasserstand unabhängige Naturbade-Möglichkeit im Edersee zu schaffen.

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