Eigentum von Deportierten

Erinnerungsstücke aus Arolsen Archives an norwegische Familien zurückgegeben

Erinnerungen an Thorvald Michelsen. Dem Norweger wurde im Konzentrationslager Natzweiler sein Ehering abgenommen. Mehr als 70 Jahre später bekamen seine drei Kinder Rolf, Toril und Bjørn (von links) den Ring zurück. Sie erinnern sich gemeinsam an die Geschichte des Vaters.
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Erinnerungen an Thorvald Michelsen. Dem Norweger wurde im Konzentrationslager Natzweiler sein Ehering abgenommen. Mehr als 70 Jahre später bekamen seine drei Kinder Rolf, Toril und Bjørn (von links) den Ring zurück. Sie erinnern sich gemeinsam an die Geschichte des Vaters.

Eine norwegische Journalistin hat die Rückgabe von persönlichen Erinnerungsstücken von KZ-Häftlingen aus den Arolsen Archives ermöglichen können.

Bad Arolsen – Eine norwegische Journalistin hat bei einem Besuch der Arolsen Archives eine kleine Sammlung von persönlichen Gegenständen gefunden, die KZ-Häftlinge aus Norwegen bei ihrer Verhaftung durch die Nazis abgenommen wurden.

Intensive Suche

Gril Grov Srdal beschloss daraufhin, bei der Suche nach den Verwandten der Verfolgten zu helfen, um ihnen diese Erinnerungsstücke zurückzugeben. Dank intensiver Recherche, guter Landeskenntnisse und Aufrufen in Fernsehen und Hörfunk fand sie in Zusammenarbeit mit den Arolsen Archives fast alle der gesuchten Familien.

Mehr als 9000 Widerstandskämpfer, Männer und Frauen, wurden während der deutschen Besatzung Norwegens von den Nationalsozialisten verhaftet und in deutsche Konzentrationslager gebracht, wo sie zum Teil schwerste Zwangsarbeit leisten mussten. Im Bestand der Arolsen Archives finden sich auf Tausenden Dokumenten viele Informationen über diese NS-Verfolgten aus Norwegen und auch eine Sammlung an Gegenständen, die eine kleine Gruppe von ihnen in Deutschland zurückließ.

Aus Lagern gerettet

Es sind die Taschenuhren, Geldbörsen, Schmuckstücke von rund 30 Häftlingen, die im Rahmen einer berühmten Aktion des Schwedischen Roten Kreuzes aus den Lagern gerettet werden sollten. Die Schweden durften mit ihren „Weißen Bussen“ die Konzentrationslager anfahren und, mit offizieller Genehmigung der SS, skandinavische Häftlinge mitnehmen.

Sie kamen in ein Sammellager im Konzentrationslager Neuengamme, um dort vom Roten Kreuz betreut und in ihre Heimatländer zurückgebracht zu werden. Ihre Effekten wurden wie bei jedem Transport mitgenommen. Ein Teil davon blieb im KZ Neuengamme und kam von dort in die Sammlung der Arolsen Archives.

Von Schicksalen berührt

Die Schicksale der norwegischen Häftlinge haben die Journalistin Gril Grov Srdal nicht losgelassen, nachdem sie im Sommer 2019 die Arolsen Archives im Rahmen einer anderen Recherche besucht und dabei zum ersten Mal die Effekten gesehen hatte. Mit ihrem Team machte sie sich in Norwegen auf die Suche nach den Nachkommen der Verfolgten, um ihnen die Sachen zurückzugeben.

Gril Grov Srdal berichtete in Fernseh- und Hörfunkbeiträgen über die Rückgaben und stellte die Effekten von KZ-Häftlingen vor, deren Familien sie noch nicht gefunden hatte. Dank ihrer Bemühungen und der guten Zusammenarbeit mit den Arolsen Archives waren bald fast alle Angehörigen aufgespürt.

Dieser Ring wurde dem Norweger Thorvald Michelsen bei Inhaftierung abgenommen.

Die Arolsen Archives bewahren noch über 2000 Effekten von Menschen aus ganz Europa auf, um sie den Angehörigen der Verfolgten zurückzugeben. Bei der Suche nach den Familien ist die Institution auf die Hilfe von Freiwilligen wie Gril Grov Srdal angewiesen: Menschen, die gute Landes- und Sprachkenntnisse haben, sich für die Geschichte der NS-Verfolgung interessieren und Lust haben auf die spannende, aber auch aufwendige Vor-Ort-Recherche.

Die Arolsen Archives informieren auf ihrer Webseite über die Effekten: https://digitalcollections.its-arolsen.org/010209

Über die Arolsen Archives: Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.  red

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