HNA-Serie „Faszination Oldtimer

Michael Deuker aus Gemünden steuert einen legendären Mercedes-Benz 300 SL Roadster

Auf den Spuren der Rallye Monte Carlo: Der Gemündener Michael Deuker nahm mit seinem Mercedes-Benz 300 SL Roadster auch an der Sommer-Monte 2018 teil. Beifahrer war seinerzeit Ralf Dewner, ein guter Freund Deukers aus Stadtallendorf. Die Kiemen in der Wagenseite sorgen für Frischluft im 215-PS-Motor.
+
Auf den Spuren der Rallye Monte Carlo: Der Gemündener Michael Deuker nahm mit seinem Mercedes-Benz 300 SL Roadster auch an der Sommer-Monte 2018 teil. Beifahrer war seinerzeit Ralf Dewner, ein guter Freund Deukers aus Stadtallendorf. Die Kiemen in der Wagenseite sorgen für Frischluft im 215-PS-Motor.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben Oldtimer aus. In unserer Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren Fahrzeugen vor.

Gemünden – Clark Gable, Curd Jürgens, Glenn Ford, Schah Reza Pahlevi oder der Maharadscha von Jaipur haben ihn gefahren. Auch Elvis Presley, Horst Buchholz oder Pablo Picasso ließen sich sehr gerne in ihm fotografieren. Und Gunther Philipp fuhr ihn bei mehreren Flugplatzrennen. Seine größten Erfolge aber feierte der Mercedes-Benz 300 SL Roadster in den USA: Dort ging er 1957 bei den Rennen des „Sports-Car-Club of America“ an den Start.

Diese illustre Liebhaberschar und die Triumphe dieses außergewöhnlichen Cabrios dokumentiert der Fotograf Markus Bolsinger in seinem Buch „50 Jahre Mercedes-Benz 300 SL“ aus dem Jahr 2004 – über ein Auto, das zur Legende geworden ist. Die Autoren Jürgen Lewandowski und Dr. Harry Niemann skizzieren in dem Hochglanzwerk einen Wagen-Typ, der beispielsweise dem Gemündener Michael Deuker vor vielen Jahren ans Herz gewachsen ist und auch heute noch von ihm gefahren wird. Mercedes-Oldtimer sind seit jeher seine große automobile Leidenschaft.

Top gepflegt: Das Armaturenbrett des Mercedes-Benz 300 SL Roadster. Rechts sind zwei Zeitmesser angebracht, denn mit dem eleganten Wagen geht es bei Oldtimer-Rallyes auch auf Pokalejagd.

Sieht man von den eingangs genannten Staatsoberhäuptern einmal ab, befindet sich der 61-Jährige schon von Berufs wegen neben den erwähnten Künstlern quasi in bester historischer 300-SL-Gesellschaft: Deuker ist Geschäftsführer der Depro-Firmengruppe, die sich seit mehr als 35 Jahren in der Veranstaltungsbranche als heimischer Dienstleister im Event- und Konzertbereich bundesweit etabliert hat. Und er ist Besitzer eines Mercedes-Benz 300 SL Roadster.

Letztlich ist es denn auch kein Wunder, dass Deukers Mercedes-Benz 300 SL Roadster einen prominenten Vorbesitzer aus der Musikbranche hatte: Ralf Bendix, deutscher Schlagersänger, Produzent, Komponist und Texter. Ältere kennen ihn auch als erfolgreichen Interpreten der deutschen Coverversion des „Babysitter-Boogie“, die ihm eine Goldene Schallplatte einbrachte. Bendix starb 2014 im Alter von 90 Jahren.

Zwar nicht golden, aber silbergrau glänzt der Roadster, den Deuker seit 1998 besitzt. „Das Mercedes-Benz-Classic-Center bei Stuttgart war mir damals bei der Suche behilflich“, schildert er. Dort wurde der Bendix-300er im Auftrag zum Kauf angeboten.

Seitdem hat Michael Deuker an unzähligen Ausfahrten und Rallyes teilgenommen. Ob nun im Waldeck-Frankenberger Land oder auf internationalem Parkett: Das 215 PS starke Cabrio hat seinem Besitzer viele Pokale eingefahren. „Die Technik meines im Jahr 1960 gebauten Wagens ist absolut zuverlässig“, lobt Deuker. Und: „Er läuft geschmeidig.“ Wenn er wollte, könnte er den Sechszylinder-Motor auf ein Spitzentempo von 250 km/h bringen. Es bleibt aber bei diesem Gedankenspiel.

Wuchtig: Stoßstangenhörner verschaffen dem silbergrauen Oldtimer Baujahr 1960 eine besonders markante Frontpartie.

Auch wenn der Mercedes-Benz 300 SL ursprünglich aus dem Rennsport stammt, in der Tradition der legendären Silberpfeile steht und Deuker mit seinem Roadster auch auf Pokalejagd geht, schätzt der Depro-Chef ebenso ruhig dahinfließende Touren mit ausschließlich touristischem Aspekt: „Ich genieße dann die Landschaft. Das ist dann wie Urlaub auf vier Rädern.“

Weniger entspannend ist bei einem solchen Wagen ohne Servo das Lenken: „Das ist sehr anstrengend. Wenn ich da beispielsweise nur an die Serpentinen in Monaco denke, habe ich gleich Muskelkater in den Armen.“

Derlei Schmerzen nimmt der Mercedes-Benz-Oldtimer-Freund aber gerne in Kauf. Es kommt ohnehin so oft auch nicht vor. Letztlich paart sich bei dem 300 SL Eleganz mit Kraft. Um die Power der Oldtimer-Legende richtig im Griff zu haben, bedarf es nicht nur einer gehörigen Portion Können des Fahrers, sondern auch guter Bremsen. Deukers Roadster verfügt über Scheibenbremsen: „Das ist bei diesem wuchtigen Fahrzeug sehr hilfreich.“

In diesem Zusammenhang würdigt der 61-Jährige die Ersatzteil-Versorgung für den Mercedes-Benz 300 SL: „Sie ist sehr gut. Sollte es aber doch etwas nicht mehr geben, wird es von den Stuttgartern wieder hergestellt. Es darf sich aber vom Original nicht unterscheiden. Auch eine neue Entwicklung kommt nicht in Frage.“

In diesem Punkt zeigt sich eine erzkonservative Seite des Oldtimer-Besitzers. Michael Deuker gibt unumwunden zu: „In dieser Beziehung bin ich Purist. An den Mercedes kommt nichts dran, was nicht dran gehört. Er muss genau so sein, als wäre er gerade erst vom Montageband gelaufen.“

(Von Klaus Jungheim)

Der „Sportwagen des 20. Jahrhunderts“

Mercedes-Benz präsentierte den 300 SL im Februar 1954 auf der „International Motor-Sports-Show“ in New York. Er war der schnellste Sportwagen seiner Zeit. Unter der Verkaufsbezeichnung Mercedes-Benz Typ 300 SL wurde er in den Jahren 1954 bis 1957 als Coupé mit Flügeltüren und in den Jahren 1957 bis 1963 als Roadster angeboten.

1400 Coupés und 1858 Roadster wurden damals gebaut.

Im Jahr 1999 wurde das Fahrzeug von Lesern der deutschen Oldtimer-Zeitschrift Motor-Klassik zum „Sportwagen des 20. Jahrhunderts“ gewählt. (Quelle: Wikipedia)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.