Ein Leben zwischen Whitesboro (Texas) und Bad Arolsen

Ein Waldecker Champion: Sebastian Petroll gewinnt zwei Titel bei großem Westernreitturnier in den USA

Sebastian Petroll trainiert Reining-Pferde.
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Alles im Griff: Sebastian Petroll trainiert im texanischen Whitesboro Reining-Pferde und nimmt selber an Profi-Turnieren teil.

Wenn Sebastian Petroll mit seinem Pick-up zur Arbeit fährt, trägt er Westernhut und Boots mit Sporen. Der Arolser ist ein moderner Cowboy, der auf einer Ranch in Whitesboro (Texas) Reining-Pferde für die großen Turniere des Westernreitsports trainiert.

Bad Arolsen/Whitesboro - Dieser Sport brachte ihm Anfang Dezember zwei große Titel ein. Auf einem der größten Westernreitturniere in Oklahoma City wurde er Doppel-Champion.

Geboren in Wiesbaden, arbeitet der Arolser mittlerweile seit mehr als 15 Jahren in Amerika. Schon als Kind saß er fest im Sattel und war in vielen Disziplinen des Westernreitens erfolgreich. „Das Reining ist etwas Besonderes. Eine andere Art, mit Pferden umzugehen“, sagt er, „das hat mich schon früh begeistert.“

Das Hobby zum Beruf gemacht

Mit seinen Pferden wurde er als Jugendlicher unter anderem Deutscher Meister und Europameister. Außerdem mehrfacher Jahressieger in weiteren Westerndisziplinen und „Rookie of the year“.

Nach dem Abitur entschied er sich, das Hobby zum Beruf zu machen. In Amerika wollte Petroll von den Besten lernen. Er berichtet: „Der Norden Texas ist sozusagen das ,Mekka’ des Pferdesports in den USA. Wenn man die Spitze des Reining-Sports erreichen möchte, muss man dorthin ziehen. Deshalb war die Entscheidung für mich nicht schwer.“ Petroll arbeitete zunächst auf verschiedenen Ranches und machte sich im Jahr 2011 im Mutterland des Westernreitsports selbstständig.

Das war für ihn der Beginn eines deutsch-amerikanischen Doppellebens. Nach wie vor ist nämlich Deutschland nicht nur Heimat, sondern auch Arbeitsplatz. „Das ist eine aufregende Herausforderung“, berichtet der Westernreiter, „Bad Arolsen ist so etwas wie ein Anker für mich, dort bin ich immer noch zu Hause. Regelmäßig komme ich dort nicht nur mit meiner Familie zusammen, sondern koordiniere Kurse in ganz Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern.“

Das Zentrum seiner Arbeit liegt dennoch in den USA. Petroll ist ein Profi im Reining-Sport und wurde 2014 unter anderem zum „Professional of the year“ gewählt. Der Sportler nimmt an Turnieren teil. Das Highlight der Saison war für ihn auch im vergangenen Jahr wieder einmal das Turnier in Oklahoma City.

„Sliding Stopps“: Petroll gibt seinem Pferd das Kommando abrupt zu stoppen.

Mit rund 400 Starts in der „Open Futurity“, der Klasse der Berufsreiter und etwa 180 Pferd-Reiter-Kombinationen in der „Non Pro Futurity“, den Amateurklassen, war das Feld der Starter breit aufgestellt. 5000 bis 10  000 Zuschauer hätten sich dieses Turnier normalerweise angeschaut, schätzt Petroll. „In Corona-Zeiten blieb nur der Livestream, den online allerdings weit mehr Fans verfolgt haben.“

Vor Ort durften sich aufgrund der Infektionslage keine Zuschauer das Spektakel anschauen. „In der Halle trugen wir außerdem alle Masken. Das war eine sehr ungewohnte Atmosphäre, aber die Freude über meine Siege war deshalb nicht weniger groß“, sagt er. Petroll wurde dort „Level 2“- und „Level 3 Futurity Champion“ der NRHA (National Reininghorse Association).

Außer einem Preisgeld in Höhe von 60 000 Dollar, gewann der Reining-Profi noch weitere Sachpreise, darunter zwei hochwertige Sättel. „Einen davon werde ich, wenn es wieder möglich ist, nach Bad Arolsen bringen und dort deponieren. Er ist dann nicht nur eine Erinnerung an ein großartiges Turnier, sondern wird, ebenso wie ich, einen festen Platz in meiner Heimatstadt haben“, berichtet der Westernreiter.

Die etwas andere Art, im Sattel zu sitzen

Westernreiten setzt sich aus einer Vielfalt von Disziplinen zusammen, die für jeden Geschmack, jedes Temperament, jeden Ausbildungsstand und jeden Pferdetyp und Reiter etwas bieten.

Als vor ungefähr 40 Jahren die ersten Westernreiter in Deutschland in den Sattel stiegen, wurde es im Land der Dressur- und Springreiter deutlich bunter und vielseitiger. Gescheckte Paints, Appaloosas mit Punkten und nervenstarke Quarter-Horses boten Freizeit- und Turnierreitern neue Möglichkeiten, Jeans ersetzten die engen Reit-hosen und der Westernhut den Reithelm.

Zunächst als „wilde Cowboys“ belächelt, eroberten sich die Westernreiter im Laufe der Jahre ihren festen Platz in der Sportwelt. Doch einige Vorurteile und Missverständnisse halten sich bis heute, obwohl der Weg zum ausgebildeten Pferd nicht weniger Fleiß, Ausdauer und Perfektion, als in anderen Reitsportarten, erfordert. Eine harmonische Zusammenarbeit, mit einem auf Dauer motivierten und leistungsfähigen Pferd, ist auch hierbei das Ziel. Mit einem Minimum an Hilfen soll es seine Aufgaben erledigen.

Unter den zahlreichen Disziplinen im Westernreitsport gilt „Reining“ als die Königsdisziplin: Temporeiche, nervenstarke Pferde, schnelle Ritte und begeisterte Zuschauer. „Reiningpferde sind Athleten mit Höchstleistung“, erklärt der frischgebackene Doppelchampion Sebastian Petroll, der als Profi diesem Sport nachgeht.

Die im Galopp gerittene „Westerndressur“, setzt sich aus verschiedenen Manövern zusammen. Die vorgeschriebene Aufgabe „Pattern“ ist auswendig zu reiten. Zu den Manövern zählen unter anderem „Spins“, schnelle Drehungen auf der Hinterhand, „Sliding Stopps“, ein Stopp aus dem Galopp auf der langen Seite, „Zirkel“, fliegende Galoppwechsel, „Roll Back“, eine schnelle Hinterhandwendung um 180 Grad und „Speed Control“, die Kontrolle der Geschwindigkeit ohne sichtbare Unterstützung des Reiters.

Eine Western-Disziplin, die auch in Europa immer mehr Beachtung findet. „Europa hat in den vergangenen Jahren aufgeholt, doch die USA sind immer noch führend. Schließlich sind die Staaten das Vaterland des Reining Sports“, betont Petroll. (red/sk)

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