Leiterin der Kaulbachschule verabschiedet sich in den Ruhestand

Eine Pädagogin, die herzhaft lachen kann

Rosel Reiff war seit 2012 Leiterin der Kaulbachschule in Bad Arolsen. Ende Januar 2021 verabschiedet sie sich in den Ruhestand.
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Rosel Reiff war seit 2012 Leiterin der Kaulbachschule in Bad Arolsen. Ende Januar 2021 verabschiedet sie sich in den Ruhestand.

„Man muss Lust haben auf Schule und auf die Arbeit mit Kindern, dann macht Schule auch einen Heiden-Spaß.“ Das sagt Rosel Reiff am Ende ihrer Karriere als Lehrerin.

Bad Arolsen - Zum Halbjahreswechsel verabschiedet sich die Leiterin der Kaulbachschule in die passive Phase ihrer Dienstzeit vor dem offiziellen Eintritt in den Ruhestand zum 31. Juli dieses Jahres. Zehn Jahre lang hatte sie die auf Wunsch des Kultusministeriums vorgearbeiteten Unterrichtsstunden angespart, so dass ihr Ruhestand nun ein paar Monate früher beginnen kann.

Dabei passen der Begriff Ruhestand und Rosel Reiff eigentlich gar nicht zusammen. Die quirlige Pädagogin und Macherin strotzt nur so vor Ideen und Tatendrang. So wundert es nicht, dass sie für die kommenden Jahre eine Menge Pläne hat.

Viele Pläne für den Ruhestand

Rosel Reiff arbeitet in der Fair-Trade-Gruppe der Stadt mit. Außerdem würde sie gerne im ökumenischen Tafelladen mitarbeiten. Interesse hat sie auch an einer aktiven Mitarbeit beim Mengeringhäuser Statt-Theater, wenn demnächst die Corona-Pandemie endlich überwunden sein wird.

Schließlich kandidiert Rosel Reiff bei der Kommunalwahl auf der Liste der Grünen für ein Mandat im Stadtparlament. Vor vielen Jahren war sie Gründungsmitglied der Grünen in ihrer Heimatstadt Hofgeismar. Als Lehrerin hat sie sich aus aller Parteipolitik herausgehalten. Nun aber will sie ihren Beitrag dazu leisten, dass Politik mehr auf Nachhaltigkeit setzt. Zuerst einmal will die scheidende Schulleiterin aber ein wenig zur Ruhe kommen, sich Zeit für sich und den Garten und ihre Hühner nehmen.

Schon mit 13 Jahren Nachhilfe gegeben

Schon vor dem Abitur nahm die 16-Jährige in Hofgeismar eine Stelle bei der damaligen Drogeriemarktkette „Ihr Platz“ an. „Ich arbeitete in den Ferien Vollzeit“, sodass meine angesammelten Stunden während der Schulzeit die Halbtagsstelle auffüllten. Das Abitur habe ich quasi nebenbei gemacht“, erzählt sie lachend.

Dabei habe für sie immer festgestanden, einmal als Lehrerin arbeiten zu wollen. Schon mit 13 habe sie Nachhilfestunden gegeben, nach dem Abitur dann ein Pädagogikstudium in Kassel begonnen. Als Unterrichtsfächer wählte sie Mathematik und Religion, außerdem Sport.

Wertvolle Hilfe beim Start in Deutschland

Ihr Referendariat absolvierte sie an ihrer alten Schule in Hofgeismar. Doch als sie fertig war, galt in Hessen ein Einstellungsstopp. Während andere aus ihrem Jahrgang damals als Taxifahrer arbeiteten, fand Rosel Reiff eine Anstellung als Honorarlehrerin bei der Gesellschaft für Berufsbildung GfB.

Hier begleitete sie Schulaussteigern zum externen Hauptschulabschluss. Es folgten neun Jahre bei der GfBA, einer Bildungseinrichtung, die seinerzeit in Arolsen und Kassel Sprachkurse für Flüchtlinge anbot und zu höheren Bildungsabschlüssen qualifizierte.

Damals bildete sich Rosel Reiff im Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache (DAZ) fort und unterrichtete unter anderem angehende Industriemechaniker in den Fächern Physik und Mathematik. Mit dem Wechsel an eine Förderschule in Kassel erfolgte im Jahr 1993 ihre Verbeamtung.

Schulleiterin in Goddelsheim und Bad Arolsen

Pädagogisch erweitere sich ihr Einsatzgebiet erneut, weil es galt, Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen möglichst individuell zu fördern. Für die Bund-Länderkommission (BLK-Modellversuch) arbeitete Rosel Reiff als Aufgabenentwicklerin für Mathematik und als SINUS-Fortbildnerin leitete sie bundesweit ungezählte Fortbildungen, vor allem für Mathematiklehrer und Lehrerinnen, aber auch für ganze Kollegien oder auch für Schulleiter. Daraus entwickelten sich zahlreiche Veröffentlichungen in pädagogischen oder mathematischen Fachzeitschriften sowie in einigen Schulbüchern.

Das hessische Kultusministerium lud sie zur Mitarbeit in der einer Arbeitsgruppe ein, in der Kriterien für eine gelingende Schulleitertätigkeit erarbeitet wurden. Es folgten sechs Jahre als Schulleiterin an der Mittelpunktschule in Goddelsheim und 2012 die Übernahme der Leitung der Bad Arolser Kaulbachschule mit damals rund 780, aktuell etwa 600 Schülern und 60 Pädagogen

Meistens gut gelaunt

„Ich bin leidenschaftliche Ausbilderin“, sagt Rosel Reif von sich selbst. „Und von Grund auf Schulentwicklerin, denn Schule muss sich immer weiter entwickeln, so wie sich auch die Kinder und die ganze Gesellschaft immer weiter entwickeln.“

Ihre Schüler müssen künftig auf die bei Rosel Reiff übliche Belohnung für gute Mitarbeit verzichten: „Wenn eine Stunde gut verlaufen ist, gibt es bei mir immer einen Witz.“ (Elmar Schulten)

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