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Waldeck-Frankenberg: Viele sparen Gas ein -
EWF erhält deutlich mehr Anfragen

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Von: Philipp Daum

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Teure Energie: Die Gaspreise sind wegen des Kriegs in der Ukraine in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen.
Teure Energie: Die Gaspreise sind wegen des Kriegs in der Ukraine in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. © Armin Weigel/dpa

Immer mehr Menschen im Landkreis wollen wegen der gestiegenen Energiepreise wissen, wie sie Gas einsparen können. Darauf weist die Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) auf Anfrage unserer Zeitung hin. 

Waldeck-Frankenberg – „Im Vergleich zu früher wenden sich deutlich mehr Kunden mit ihren Fragen an uns und möchten wissen, wo sie Energie sparen können. Es ist aber zu früh, um einzuschätzen, wie viele mitma-chen. Das Ziel der Bundesnetzagentur ist, dass wir beim Gasverbrauch 20 Prozent einsparen. Das ist eine Maßnahme, die einen Engpass verhindern soll“, sagt EWF-Geschäftsführerin Inken Barth. Die EWF ist der größte Energieversorger im Landkreis. Sie versorgt im Netzgebiet derzeit rund 90 000 Kunden mit Strom und knapp 25 000 mit Gas.

„Es kommt dabei auch auf die individuelle Situation an. Wenn der Gasverbrauch pro Wohnfläche vorher schon niedrig war, dann sind die geforderten Einsparungen nicht mehr so leicht umzusetzen“, fügt EWF-Geschäftsführer Stefan Kieweg hinzu. Im Winter sollen die ersten LNG-Terminals Gas einspeisen – und wenn der Export an die europäischen Nachbarn moderat ausfalle, trage das alles dazu bei, einen Engpass nach Möglichkeit zu verhindern.

Im Oktober hat sich laut Stefan Kieweg die Situation gebessert. Der Gaspreis an der Börse sei gesunken – die höheren Füllstände in den Gasspeichern und das milde Wetter hätten dazu beigetragen. Es sei aber zu früh, um bei der Beschaffung Entwarnung zu geben. „Der Gaspreis ist vor allem im Vergleich zu den Jahren 2019 und 2020 weiterhin sehr hoch“, sagt der EWF-Geschäftsführer.

Auf den vergleichsweise warmen Oktober weist auch Inken Barth hin. „Die sehr milden Temperaturen haben ganz sicher unseren Kunden dabei geholfen, Gas einzusparen. Die aktuellen Berichte der Bundesnetzagentur bestätigen das. In der 42. Kalenderwoche verbrauchten Privathaushalte 40 Prozent weniger Gas, verglichen mit dem Durchschnitt für die Jahre 2018 bis 2021“, berichtet die EWF-Geschäftsführerin.

Dass dies allerdings nur „Momentaufnahmen sind“, darauf weist Stefan Kieweg hin. „Deshalb sind wir sehr vorsichtig mit der Deutung, wie sich der Gasverbrauch in den nächsten Wochen entwickelt. Trotzdem ist es eine erfreuliche Nachricht für unsere Kunden, dass sich die Heizperiode ein wenig nach hinten verschiebt.“Der Krieg in der Ukraine hat den Gas-Preis in den vergangenen Monaten in die Höhe schnellen lassen. Das lokale Energieversorger ihre Kunden vor diesem Preisanstieg nicht bewahren können, darauf weisen die EWF-Geschäftsführer Inken Barth und Stefan Kieweg hin.

„Wir können die Großhandels-Preise bei Gas aber auch bei Strom nicht beeinflussen. Mit unserer langfristigen Beschaffung können wir verhindern, dass kurzfristig hohe Beschaffungskosten direkt beim Kunden ankommen“, sagt Stefan Kieweg. Die EWF versuche immer zum bestmöglichen Zeitpunkt einzukaufen. Preisexplosionen wie von Juni bis September des Jahres ließen sich damit etwas dämpfen. „Das gilt aber nur für die Mengen, die wir sicher kalkulieren können, weil wir Kunden haben, die schon seit Jahren bei uns sind.“

Mit Blick auf die aktuell zur Verfügung stehende Gas-Menge sagt die EWF-Chefin Inken Barth: „Wir können technisch und bilanziell nicht unterscheiden, aus welchen Quellen unser Erdgas stammt. Unser Gasnetz hat mehrere sogenannte Netzkoppelpunkte, an denen wir von den vorgelagerten Netzbetreibern mit Gas versorgt werden.“ An keiner Station seien derzeit Veränderungen beim Gasdruck zu beobachten. Der Gasbetrieb und die Leitstelle beobachteten die Situation rund um die Uhr.

„Die milden Temperaturen haben durchaus mit dazu beigetragen, dass die Speicherstände schneller gefüllt werden konnten“, führt Inken Barth weiter aus. Derzeit seien die Gasspeicher zu mehr als 98 Prozent gefüllt. Die Temperaturen hätten laut Bundesnetzagentur im Oktober um 2,5 Grad Celsius über dem Jahresdurchschnitt von 2018 bis 2021 gelegen.

Stefan Kieweg sagt dazu: „Zusätzlich haben uns auch die Einsparungen bei den Gaskunden und höhere Gasimporte aus Norwegen und den Niederlanden geholfen. Gut gefüllte Speicher erhöhen die Sicherheit unserer Gasversorgung.“ Wenn das die Beschaffungskosten stabilisiere, könnten auch Kunden davon profitieren. „Andererseits mussten Gasimporteure wie Uniper fehlende russische Lieferungen durch andere ersetzen und dafür hohe Kosten tragen“, berichtet der EWF-Geschäftsführer.

Um die hohen Gaspreise für die Bürger abzufedern, soll ab Februar oder März 2023 die Gaspreisbremse gelten. Ein Kernpunkt dabei ist, dass die hohen Preise am Gas-Markt für ein Grundkontingent von 80 Prozent – zwölf Cent sind bindend – nicht an die Kunden weitergegeben werden dürfen. Allerdings: Beschlossen ist die Gaspreisbremse bisher noch nicht. „Die genaue Umsetzung ist in der Abstimmung und muss dann durch den Bundestag und den Bundesrat verabschiedet werden. Deshalb haben wir noch keine konkreten Informationen, wie die Bremse konkret umgesetzt wird und ab wann sie gilt“, sagt Kieweg. Die Entlastungen sind laut Barth „aber notwendig – und je schneller sie umgesetzt werden, umso besser“. Wichtig sei, dass die EWF so schnell wie möglich den Kunden Auskunft geben könne. „Viele möchten von uns wissen, was auf sie zukommt“, sagt die EWF-Geschäftsführerin.

Von Philipp Daum

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