HNA-Serie „Faszination Oldtimer“

Heinz Debus aus Röddenau und sein „Jubikäfer“ von 1985

Tadellos gepflegt: Dieser VW Käfer von 1985 ist der ganze automobile Stolz von Heinz Debus aus Röddenau. Der Wagen verfügt noch über den Erstlack. Es finden sich keine Rostblasen und keine Chrompickel.
+
Tadellos gepflegt: Dieser VW Käfer von 1985 ist der ganze automobile Stolz von Heinz Debus aus Röddenau. Der Wagen verfügt noch über den Erstlack. Es finden sich keine Rostblasen und keine Chrompickel.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben zunehmend Oldtimer aus, auch in unserer Region. In der HNA-Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren betagten, aber charmanten Fahrzeugen vor.

Röddenau – Weihnachten 1961. Heinz Debus holt seine Ehefrau aus dem Frankenberger Krankenhaus ab. Mit dabei ist ihre kürzlich geborene Tochter. Die junge Familie ist in einem VW Käfer unterwegs. Und da bekanntermaßen die Heizung in einem solchen Wagen oft schlecht funktioniert, wird das Neugeborene gegen die Kälte warm eingepackt. „Damals wohnten wir in Mohnhausen und hatten ein gutes Stück zu fahren“, erinnert sich Heinz Debus an die kalte Heimfahrt.

Solche Erlebnisse brennen sich im Gedächtnis tief ein. Und prägen mitunter auch den automobilen Geschmack – zumindest, was das Thema Oldtimer anbetrifft. Bei dem heute 79-jährigen Heinz Debus, der seit Jahren in Röddenau lebt, ist dies so.

Der damals ein Baby transportierende VW war ein goldmetallicfarbener Käfer, „und er war auch unser erstes Auto“. Auch das zweite Fahrzeug der Familie Debus in den 1960er-Jahren war ein Käfer. Wie der Vorgänger ein 1200er mit 34 PS. Mit diesen beiden Autos ging es mehrere Male in den Urlaub. Etwa an den Edersee, sogar bis ins italienische Meran.

Blick in den Käfer-Motor: Heinz Debus liebt die robuste, aber auch einfache Technik dieses Kultautos: „Da kann man auch vieles selber reparieren.“

So ist es denn auch kein Wunder, dass Debus heute wieder einen Käfer sein Eigen nennt. Wieder ein 1200er mit 34 PS. Zinngrau. Erstlack ohne Rostblasen. Keine Pickel im Chrom. Ungeschweißt und unfallfrei. Logisch, dass Debus aufgrund dieses guten Zustands seines Oldtimers stolz ist. Bei diesem Käfer handelt es sich um ein Jubiläumsmodell, das 1985 anlässlich „50 Jahre VW Käfer“ gebaut wurde. Weltweit nur 3150 Exemplare, davon 2400 für Deutschland. Genannt wird er schlicht „Jubikäfer“.

„Ich hatte 1995 den Wagen in Usseln gesehen. Er stand in ,Thorstens Käfergarage‘ – eine kleine Firma, die Käfer instandsetzt und verkauft.“ Erst habe der Inhaber das Fahrzeug nicht veräußern wollen, gab dann aber doch dem Herzenswunsch von Heinz Debus nach. 52 000 Kilometer hatte der Volkswagen mit dem typischen luftgekühlten Boxer-Motor im Heck damals auf dem Tacho. Heute sind es gerade mal 55 591. „Ich schone den Wagen und unternehme Touren, die nicht so weit führen“, begründet der Röddenauer die relativ wenigen Mehrkilometer seit dem Kauf.

Zusammen mit Nachbarn, die ebenfalls VW Käfer besitzen, ist er ab und an in der näheren Umgebung unterwegs. Aber auch auf Dorffesten glänzte sein „Jubikäfer“ als Ausstellungsstück. „Die Menschen freuen sich immer, wenn sie ein solches altes Fahrzeug sehen. Denn ein Oldtimer ist oft interessanter als ein modernes Auto“, schildert Heinz Debus seine Erfahrung.

Stilsicher: Das Radio Braunschweig inmitten einfacher Bedienelemente am Armaturenbrett. Auch ein Glücksbringer fehlt nicht im Käfer von Heinz Debus.

Es wundert auch nicht, dass sein Käfer sogar schon einmal als Brautauto unterwegs war: „Ich habe das Hochzeitspaar auf dessen Wunsch erst zum Standesamt nach Frankenberg und anschließend zum Feiern nach Battenberg chauffiert.“

Abgesehen von der gefühlsmäßigen Verbindung zu einem VW Käfer aus früheren Jahren, ist es für Debus die robuste und zugleich einfache Technik dieses Fahrzeugs, die ihn fasziniert: „Da muss man kein Kfz.-Mechaniker sein, um vieles selber reparieren zu können.“ Letztlich ist es aber auch die in massives Blech gegossene knuffige Form, die Debus‘ Herz heute noch berührt.

VW Käfer gelten als unverwüstlich. Ein Verkaufshit weltweit. „Er läuft und läuft und läuft...“, heißt es in der berühmten VW-Werbung. „Mit dem letzten Käfer aus dem Emder VW-Werk endet 1978 die Europa-Produktion des erfolgreichen Volkswagens“, beschreibt Hans-Christian Wöste von der Deutschen Presseagentur in einem Beitrag für die „Automobilwoche“. Er erinnert an das endgültige Aus im Jahr 2003: „In Mexiko wird der letzte Ur-Volkswagen mit dem luftgekühlten Boxer-Motor im Heck montiert. Kein anderes Automobil wird bis 2002 so oft hergestellt, mehr als 21,5 Millionen Käfer laufen bis zum Produktionsende weltweit aus den VW-Hallen.“

Der kleine, bucklige Wagen ist rund um den Globus zum Kultauto geworden. Eines davon ist der tadellos gepflegte Käfer von Heinz Debus. So wird man ihn und sein zinngraues Schätzchen mit dem unverwechselbaren Käfer-Sound auch weiterhin auf den Straßen des Frankenberger Landes bestaunen können. Zwar nicht sehr oft, aber in Abständen immer wieder mal.

Von Klaus Jungheim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.