Gefängnishof wird Gedenkstätte

Erinnerung an 185 Häftlinge im früheren KZ-Außenlager in Arolsen

Ein Gedenkort für die mindestens 185 Gefangenen des Konzentrationslagers Buchenwald im Außenlager Arolsen soll im Gefängnishof der früheren Kaserne geschaffen werden. Rechts Stadtrat Udo Jost vom Verein Historicum 20, der als Projektträger fungiert.
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Ein Gedenkort für die mindestens 185 Gefangenen des Konzentrationslagers Buchenwald im Außenlager Arolsen soll im Gefängnishof der früheren Kaserne geschaffen werden. Rechts Stadtrat Udo Jost vom Verein Historicum 20, der als Projektträger fungiert.

Im ehemaligen Gefängnishof der einstigen Bad Arolser Kaserne soll an Häftlinge des Außenlagers des KZ Buchenwald erinnert werden.

Bad Arolsen – Über 75 Jahre nach Ende des NS-Regimes soll nun auch in Bad Arolsen an Häftlinge des KZ Buchenwald erinnert werden. Im Gefängnishof der früheren SS-Kaserne will der Verein Historicum 20 eine Gedenkstätte für die bisher nachgewiesenen 185 Häftlinge des Außenlagers Arolsen schaffen.

NS-Geschichte sichtbar machen

Das ist ein Ergebnis der Bemühungen, an die NS-Geschichte in der ehemaligen SS-Stadt mit Standort einer Garnison und Sitz des Kommandos des SS-Oberabschnitts Fulda-Werra öffentlich zu erinnern. Genau dies mahnte die Direktorin der Arolsen Archives, Floriane Azoulay, an.

Kommission berufen

Dies führte im vorigen Jahr zur Berufung einer städtischen Kommission zur NS-Geschichte, der Mitglieder des Magistrates und der Stadtverordnetenversammlung sowie sachkundige Bürger angehören.

Das Gremium habe sich wegen der Corona-Einschränkungen bisher nicht in Präsenz treffen und daher auch nicht regulär konstituieren können, berichtet Bürgermeister Jürgen van der Horst.

Das ist bisher geschehen

Die Kommission wird nach der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im April neu gebildet und soll dann auch die Arbeit endlich aufnehmen.

Die Zeit sei jedoch nicht ungenutzt verstrichen, betont der Rathauschef. So habe der Verein Historicum 20 mit Vorstandsmitglied Stadtrat Udo Jost in Zusammenarbeit mit einem Geschichtskurs der Christian-Rauch-Schule und der Lehrerin Christina Römer Ideen entwickelt für die Gedenkstätte zur Erinnerung an die Häftlinge des KZ-Außenlagers.

Dann wird gebaut

In die Vorbereitungen eingebunden seien die Arolsen Archives und über Videokonferenzen auch die Kommission zur NS-Geschichte. Ab dem kommenden Herbst soll der Gefängnishof am ehemaligen Stabsgebäude barrierefrei als Gedenkstätte zugänglich gemacht werden.

Auf vier Tafeln im Inneren des Hofes wird, so die Pläne, über das KZ Buchenwald, das Außenlager unter dem Decknamen Artur und an die SS-Führerschule informiert werden. Die Namen von 185 Häftlingen des Außenlagers und die Haftgründe werden auf acht weiteren Tafeln veröffentlicht.

Auf Webseite informieren

Ergänzend dazu sollen mithilfe der Arolsen Archives die Schicksale dieser Menschen dargestellt werden. In welcher Form, ob digital oder in einem Druckwerk, das ist noch nicht endgültig entschieden. Vorgesehen ist es, eine Webseite zu dem Thema zu gestalten.

Laut Stadtrat Jost wird eine schlichte Gestaltung angestrebt, der durch eine Gittertür abgesperrte Innenhof soll tagsüber zugänglich sein und für die dunklere Jahreszeit eine Beleuchtung erhalten. Ziel ist es, einen Gedenkort, aber auch eine Fläche für Veranstaltungen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts zu bieten.

Das sind die Gründe

Es sei auch überlegt worden, so Bürgermeister van der Horst, ob direkt an den Gebäuden des Außenlagers Gedenktafeln angebracht werden sollten, die seit fast zwanzig Jahren als Einkaufszentrum genutzt werden. Doch würden die Informationstafeln im Einkaufsgeschehen kaum die nötige Beachtung finden.

Der ehemalige Gefängnishof als ein Ort des Schreckens neben biete sich dafür am besten an, betonte Jost. Dieser steht in Verbindung mit den Gefängniszellen des angrenzenden Stabsgebäudes.

Das macht das Historicum

Träger des Pilotprojektes zum Sichtbarmachen von NS-Geschichte in Bad Arolsen ist der Verein Historicum 20, der im Stabsgebäude bereits eine Gedenkstätte zur Geschichte der aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammenden Kaserne betreibt.

Die Kosten werden mit rund 16 000 Euro beziffert. Bezuschusst wird das Vorhaben aus dem LEADER-Programm der EU. Beteiligt an den Bauarbeiten ist neben dem Bauamt der Betriebshof der Stadt. Jost strebt eine Übergabe der Gedenkstätte am 27. Januar 2022 an, am Holocaust-Gedenktag in Erinnerung an die Befreiung der Menschen aus dem Vernichtungslager Auschwitz.

Die Kommission

Denkbar sei aber auch bei etwaigen baulichen Verzögerungen der Tag der Befreiung der KZ-Häftlinge des Lagers Buchenwald im April.

Die Mitglieder der Kommission zur Darstellung der NS-Geschichte von Bad Arolsen wurden im vergangenen Jahr berufen. Ziel ist es nicht, die Forschung der örtlichen NS-Geschichte voranzutreiben, sondern die Spuren dauerhaft sichtbar zu machen und damit die Erinnerung zu fördern.

Basis geschaffen

Die lokale Geschichte ist unter anderem durch die Bücher von Bernd-Joachim Zimmer über das Außenlager Artur oder durch das Buch über die Juden im Raum Arolsen von Michael Winkelmann aufarbeitet worden. Die Kommission greift bei der Kennzeichnung öffentlicher Orte auf diese Arbeiten oder auch auf Recherchen der Arolsen Archives zurück.

Ergänzend zu den in die Kommission berufenen sachkundigen Bürgern könnten weitere Personen mit Fachwissen gehört werden, so der Rathauschef. (Armin Haß )

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