Erster Weltkrieg: Evangelische Frauen erinnerten an Schicksale vor 100 Jahren

Weiße Spitzentaschentücher auf schwarzem Leinen: Mit jedem von ihnen wurde in der Schreufaer Kirche an ein ganz konkretes Frauenschicksal im Ersten Weltkrieg erinnert. Die Materialien und Zeitzeugenberichte für den Gottesdienst sammelte diese Frauengruppe aus dem Kirchenkreis Eder. Foto: Völker

Schreufa. An konkrete Frauenschicksale im Ersten Weltkrieg erinnerten Frauen des evangelischen Kirchenkreises Eder. In der Kirche von Schreufa gaben Chroniktexte, Zeitzeugenberichte und Feldpostbriefe Zeugnisse ihres ganz speziellen Leids ab.

Während an einigen Orten des Frankenberger Landes die Nachricht der Mobilmachung 1914 bei vielen Männern patriotischen Jubel auf den Straßen und Gesang auslöste, berichtet die Ellershäuser Schulchronik von einer „fürchterlichen Nachricht der Ortsschelle“ und vom „Weinen und Aufschreien der Frauen, Mütter und Mädchen“ in den Stuben.

Etwa 17 Millionen Tote erforderte diese „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, allein in Schreufa kamen 14 junge Männer um. „Dahinter stehen Namen von Müttern, Frauen und Kindern, die nicht erinnert werden“, sagte Pfarrerin Andrea Wöllenstein (Marburg).

So kamen in dem Abendgottesdienst Stimmen zu Wort, die schilderten, wie Frauen angehalten wurden, an die Front nur „Sonntagsbriefe“ zu schicken und dort nicht „durch Klagen die Waffen stumpf zu machen“.

Von Karl-Hermann Völker

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