Landeskirche zahlt nicht mehr

Fachwerkkirchen in Kurhessen-Waldeck droht Verhüllung mit Schiefer

Waldeck-Frankenberg. Die evangelischen Kirchengemeinden in Kurhessen-Waldeck müssen sich darauf einstellen, dass die Landeskirche die Unterhaltung ihrer Fachwerkkirchen nicht mehr finanziell unterstützen kann.

Die Fachwerkarchitektur der Gotteshäuser muss mit Naturschiefer bekleidet oder aber künftige Außenrenovierungen selbst gezahlt werden. Gemeinden in Waldeck-Frankenberg wurde vom Landeskirchenamt nahe gelegt, die für die nordhessische Kulturlandschaft so prägende Fachwerkarchitektur ihrer Gotteshäuser mit Naturschiefer zu verkleiden oder aber künftige Außenrenovierungen selbst zu bezahlen.

„Angesichts der knappen landeskirchlichen Beihilfemittel für Baumaßnahmen an Kirchen wird empfohlen, bei Fachwerkkirchen zumindest die Wetterseiten zu verhängen“, erklärte auf Anfrage Petra Schwermann, Pressesprecherin des Landeskirchenamtes in Kassel, und versicherte: „Eine grundsätzliche Weisung an die Kirchengemeinden, immer zu verhängen, existiert nicht!“ Es werde aber künftig nicht mehr möglich sein, eine alle zehn bis 15 Jahre notwendige Fachwerksanierung „mit Beihilfemitteln der Landeskirche zu schultern“. Kirchengemeinden, die trotzdem wiederholte Fachwerksanierung wünschten, würden darum angehalten, dafür eigene Rücklagen zu bilden.

So wurde kürzlich die Fachwerkkirche von Allendorf/Hardtberg bei Frankenau zwar im Inneren mustergültig renoviert, aber ihre letzte sichtbare Fachwerkfläche verschwand unter dunklem Schiefer. In Frankenberg- Hommershausen, wo die Gemeinde mit Spenden und Dorffesten 27.000 Euro für die Innensanierung ihres Fachwerksaalbaus mit Dachreiter gesammelt hat, will man hingegen das Sichtfachwerk in Eigenleistung erhalten.

Angus Fowler (Marburg) vom Förderkreis Alte Kirchen, der seit Jahren für den in Europa einzigartigen Fachwerkkirchen-Gürtel in Nordhessen kämpft, bedauert diesen Trend zur Verschieferung.

Von Karl-Hermann Völker

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