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Fälle von Vogelgrippe in Waldeck-Frankenberg - Tötung droht

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Von: Susanna Battefeld, Jörg Paulus

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In Waldeck-Frankenberg gibt es nach Angaben des Landkreises derzeit Fälle von Geflügelpest in zwei Betrieben. Symbo
In Waldeck-Frankenberg gibt es nach Angaben des Landkreises derzeit Fälle von Geflügelpest in zwei Betrieben. © dpa

Die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, hat aktuell auch Waldeck-Frankenberg erreicht. In zwei Geflügelzuchtbetrieben wurden Tiere positiv auf das Vogelgrippe-Virus getestet. Den Tieren dieser Bestände droht die Tötung. 

Waldeck-Frankenberg – Die Vogelgrippe-Fälle seien in zwei Geflügelzuchtbetriebe in Ortsteilen von Frankenberg und Vöhl aufgetreten, bestätigte der Landkreis auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Proben wurden vom Landkreis Waldeck-Frankenberg genommen und im Hessischen Landeslabor in Gießen positiv getestet. Zur Abklärungsuntersuchung liegen diese inzwischen dem Referenzlabor, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit Friedrich-Löffler-Institut, zur finalen Untersuchung vor“, berichtete die Kreisverwaltung am Freitagmittag.

„Im Falle der Bestätigung des positiven Ergebnisses müssen nach EU-Recht und der Verordnung des Bundes zum Schutz gegen die Geflügelpest vorgegebene Maßnahmen ergriffen werden. Zum Schutz der Vogel- und Geflügelpopulation im Landkreis Waldeck-Frankenberg sieht die Rechtslage hierzu leider zwingend auch eine Tötung der Bestände vor, in denen die infizierten Tiere festgestellt wurden“, erläuterte Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner.

„Eine Tötung der Bestände“ bedeutet, dass mit den infizierten Tieren auch alle anderen Tiere in dem Bestand getötet werden, bestätigte Heimbuchner. Und es müssten auch positiv getestete Tiere getötet werden, die keinerlei Krankheitssymptome haben. „Das sehen die rechtlichen Vorgaben so vor.“

In den beiden aktuellen Fällen gehe es um insgesamt rund 120 Tiere. Mit dem Ergebnis der finalen Untersuchung sei an diesem Wochenende zu rechnen. Erst dann werde der Kreis entsprechende Maßnahmen ergreifen. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit könnten sich die Tiere bei der kürzlich stattgefundenen Rassegeflügelausstellung in Frankenau angesteckt haben“, informierte der Landkreis. Daher wurden vorsorglich auch alle weiteren Aussteller beprobt. Aktuell seien aber keine weiteren positiven Fälle bekannt.

Geflügelpest: Hochansteckende Tierseuche

Die Geflügelpest (Vogelgrippe) ist eine hochansteckende Tierseuche. Erreger sind Influenza-Viren, die grundsätzlich auch auf Menschen übertragen werden können; insgesamt sei das Risiko laut Robert Koch-Institut bei der aktuellen in Deutschland kursierenden Variante aber sehr gering. Gefährdet seien demnach nur Personen mit engem Kontakt zu infiziertem Geflügel. Das Hessische Umweltministerium warnt aktuell vor der Teilnahme mit Geflügel an Tierschauen.

Lukas Backhaus aus Altenlotheim hatte unsere Zeitung auf das Thema aufmerksam gemacht. Seine Tiere sind nicht betroffen, als Mitglied im Vorstand des Landesverbandes der hessischen Rassegeflügelzüchter mache er sich vor dem Hintergrund der angedrohten Tötung kompletter Bestände aber Sorgen um die Zukunft der Rassegeflügelzucht: „Unser Hobby und die Artenvielfalt sind in großer Gefahr.“

Vogelgrippe: Geflügelzüchter in Waldeck-Frankenberg sind in Sorge

Bei einem Züchter, der namentlich nicht genannt werden möchte, sollte am Freitagmorgen, 9. Dezember, sogar zur Vorbereitung schon mal der Container zum Abtransport der gekeulten Tiere aufgestellt werden, berichtete der Züchter unserer Zeitung. Am frühen Freitagvormittag gab es dann zunächst Entwarnung: Die geplante Keulung sei vom Landkreis wieder aufgehoben worden, berichtete uns der Züchter.

Die Erleichterung währte aber nicht lange, einige Stunden später informierte ihn der Landkreis darüber, dass man zwar das Ergebnis einer weiteren Probe abwarten wolle, wenn die aber den positiven Befund bestätigen sollte, müssten die Tiere doch getötet werden – und zwar alle.

„Von meinen knapp 100 Tieren ist nur eine Ente betroffen, die wie der Rest des Bestandes aber topfit ist und keinerlei Krankheitsanzeichen hat“, betonte der Züchter im Gespräch mit unserer Zeitung. Das habe ihm auch die Tierärztin vom Veterinäramt bestätigt.

Mehrere Hühner auf einem Feld.
Symbolbild © penofoto/Imago

„Wenn tatsächlich alle Tiere getötet werden, gehen 50 Jahre Zuchtarbeit verloren“, beklagt der Geflügelhalter, der jetzt erstmal das Ergebnis der zweiten Probe abwarten will. „Wenn die auch positiv sein sollte, werde ich auf jeden Fall auf eine Blutprobe bei der betreffenden Ente bestehen“, kündigte er an. Bislang sei nur ein Tupferabstrich im Kropf und der Kloake gemacht worden, berichtete er. Er wolle auf jeden Fall „alle Hebel in Bewegung setzen“.

„Das braucht kein Mensch“, machte er seinem Frust Luft. Der Zusammenhalt unter den Züchtern sei zum Glück sehr gut. „Das kann schließlich jedem passieren.“ Die ersten Proben, die den positiven Befund ergeben hatten, seien genommen worden, weil er vor drei Wochen mit seinen Tieren an einer Ausstellung teilgenommen habe. „Das Ergebnis habe ich am Mittwoch bekommen.“

Auch die Tiere der anderen Aussteller seien getestet worden, ergänzte sein Züchterkollege Lukas Backhaus, dessen Tiere nicht von der Vogelgrippe betroffen sind. „Uns wurde das Ergebnis zum Glück schon am Donnerstag mitgeteilt“, sagt der Altenlotheimer. Er wisse jedoch von anderen Züchtern, die noch nichts gehört hätten. „Die haben schlaflose Nächte“, sagte Backhaus, der wenig Verständnis für die angedrohte Keulung ganzer Bestände hat.

Züchter kritisieren Vorgehen des Landkreises

In einigen Kreisen und Bundesländern würden in einem positiv getesteten Bestand die Tiere in Quarantäne gesetzt, um ein Verbreiten des Virus’ zu verhindern. Dadurch könnten die Tiere weiterleben und es würden regelmäßig Tests gemacht bis zur Negativ-Testung. Geflügel ohne Krankheitssymptome müsse dort nicht unnötig getötet werden. „Warum ist dies in Hessen nicht so?“, fragt Backhaus.

Für große Mastbetriebe sei das Keulen „kein großer Verlust’’, im nächsten Jahr kommen einfach neue Tiere zum Mästen, erläutert Backhaus. „Wenn allerdings in der Rassegeflügelzucht dein ganzer Bestand getötet wird, wird gleichzeitig die ganze Zuchtlinie vernichtet, das Hab und Gut des Züchters. Die meisten Züchter werden nicht wieder mit der Zucht anfangen, wodurch die Vereine Mitglieder verlieren und wahrscheinlich schließen müssen“, befürchtet er.

Auch der tierschutzpolitische Sprecher der SPD im Hessischen Landtag, Florian Schneider, hat angesichts zunehmender Fälle von Geflügelpest in Hessen für eine Isolation der betroffenen Bestände plädiert anstatt für deren komplette Keulung. In anderen Bundesländern wie Bayern würden in einem positiv getesteten Bestand die Tiere in Quarantäne gesetzt und diese so lange aufrechterhalten, bis durch negative Tests eine Weiterverbreitung des Virus’ ausgeschlossen ist. Dadurch werde das Töten gesunder Tiere verhindert, schreibt Schneider in einer Pressemitteilung am 9. Dezember.

Fälle von Geflügelpest auch in Marburg-Biedenkopf

Wie berichtet, sind wegen des Verdachts auf Geflügelpest vor wenigen Tagen 25 Tiere eines kleinen Geflügelzuchtbetriebes in der Gemeinde Münchhausen getötet worden. Wie der Landkreis Marburg-Biedenkopf am Montag mitgeteilt hatte, waren in dem Betrieb zuvor mehrere Hühner verendet. Als Quelle der Infektion dort kommt eine Geflügelausstellung in Nordrhein-Westfalen in Frage, die der Münchhäuser mit Tieren besucht hatte.

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