72-Jähriger freigesprochen, Partner hatte gelogen

Prozess: Falschaussage gegen Jagdkollegen

Frankenberger Land. In zwei Fällen soll ein Jäger seine Waffe samt Munition auf einem fremden Grundstück an die Hauswand gelehnt zurückgelassen haben. Wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz musste er sich jetzt vor Gericht verantworten.

.„Cool, wie im Film“, war aus den vollbesetzten Zuschauerrängen zu hören, als ein Zeuge etwas zögerlich aussagte, keine herrenlose Waffe gesehen zu haben und damit die Vorwürfe gegen den 72-jährigen Angeklagten entkräftigte.

„Der hatte Muffensausen, es ist eben was anderes wenn man es zuhause bei einer Flasche Bier bespricht“, wurde auf den Zuschauerbänken das Verhalten des Zeugen kommentiert. Dieser hatte nach der Belehrung Richterin Andrea Hülshorst gebeten, diese noch mal zu konkretisieren und dann ausgesagt, nichts gesehen zu haben. Mit dieser Aussage widersprach er den Angaben des 58-jährigen Anzeigeerstatters, der mit dem Angeklagten ein Revier im Oberen Edertal gepachtet hat.

Bereits zuvor hatte die Tochter des 58-jährigen Jägers von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und nur in einem Fall bestätigt, eine herrenlose Waffe in ihren Tresor geschlossen zu haben. Da sie die Waffe allerdings nicht kannte, somit auch keinem Besitzer zuordnen konnte, und die Information über den angeblichen Besitzer allein von ihrem Vater hatte, sah es das Gericht als nicht erwiesen an, dass es sich um die Waffe des Angeklagten gehandelt habe.

„Ich fühle mich vereimert von Ihnen“, sagte Hülshorst dem 58-jährigen Anzeigeerstatter und Zeugen, nachdem dieser nach einer kurzen Pause und Rücksprache mit seinem Anwalt seine Aussage korrigierte: Er habe beim zweiten Vorfall nur Handy und Patronen gefunden, keine Waffe, der erste Vorfall habe sich jedoch so zugetragen, wie er bereits gesagt habe.

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, zitierte der Staatsanwalt ein berühmtes Sprichwort und beantragte, den Angeklagten freizusprechen. Auch die Tatsache, dass erst ein Jahr nach den angeblichen Vorfällen Anzeige erstattet wurde, als die Streitigkeiten zwischen beiden Parteien angefangen hatten, sei auffällig. Das zum Beginn der Verhandlung von der Verteidigung präsentierte Schriftstück eines Angestellten des Angeklagten passe ebenfalls ins Bild. Darin hatte der Angestellte den 72-Jährigen darüber informiert, dass der 58-Jährige ihn um eine Zeugenaussage gegen dessen Jagdkollegen gebeten habe, „diese wollte er sich was kosten lassen, hat er extra betont“.

Was der Verteidiger in seinem Plädoyer gesagt hat und ob Richterin Hülshorst dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt ist und den Angeklagten freigesprochen hat, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA-Frankenberg.

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