Junger Wildunger kommt mit Geldstrafe davon

Bad Wildungen: Falschgeld-Käufer zeigt Reue vor Gericht

Elf Euro für einen falschen Fünfziger: Zu diesem Kurs hatte der angeklagte Wildunger von einem anderen Mann, der gesondert strafrechtlich verfolgt wird, die „Blüten“ angekauft.
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Elf Euro für einen falschen Fünfziger: Zu diesem Kurs hatte der angeklagte Wildunger von einem anderen Mann, der gesondert strafrechtlich verfolgt wird, die „Blüten“ angekauft.

Wegen Geldfälschung in drei Fällen hat das Schöffengericht am Amtsgericht Fritzlar einen 31 Jahre alten Mann aus Bad Wildungen zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je 60 Euro verurteilt. Er muss die Kosten des Verfahrens tragen. Da alle Beteiligten auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

Bad Wildungen/Fritzlar – „Mir tut es leid, ich schäme mich dafür.“ Das sagte der seriös auftretende Beschuldigte zum Schluss der Beweisaufnahme. Laut Gesetz hätte er für das Delikt auch zu einer Freiheitsstrafe ab einem Jahr verurteilt werden können.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte im Juni 2017 von einem anderen Mann, der gesondert strafrechtlich verfolgt wird, gegen Zahlung von durchschnittlich elf Euro zunächst fünf, später weitere zehn per Tintenstrahl-/Bubblejetverfahren gedruckte, falsche 50-Euro-Scheine erworben. Drei Geldscheine brachte er in Umlauf, zwölf verbrannte er, hieß es während der Beweisaufnahme.

„Ja, es stimmt leider“, bekannte der 31-Jährige sich gegenüber Richterin Corinna Eichler zu den Vorwürfen. Er hätte sich – so formulierte er – das Geld auch von den Eltern oder Freunden borgen können, dafür aber sei er „zu stolz“ gewesen. Er habe die doppelte Leasing-Rate für sein Auto zahlen müssen. Das habe er „von der Steuer“ finanzieren wollen, die aber nicht eingegangen sei. Er schäme sich für die Tat, weil ihm seine Eltern beigebracht hätten: „Wer hart arbeitet, hat ehrliches Geld verdient.“

Nach dem Realschulabschluss habe er eine Lehre zum Mechatroniker gemacht. Nach einer Tätigkeit in der Autoproduktion sei er in die Fachabteilung Getriebeakustik gewechselt und mache jetzt Normalschicht. Der Beruf bereite ihm Spaß.

Geradezu freundschaftlich unterhielten sich der Angeklagte und die Richterin während der Beweisaufnahme über getunte und laute, rasante Autos, „furchtbar laute Motorräder“ im normalen Straßenverkehr und in Erholungsgebieten.

Das reuige Verhalten sei positiv zu bewerten, sagte der Staatsanwalt und beantragte 140 Tagessätze zu je 80 Euro. Der Verteidiger plädierte auf 20 Tagessätze weniger.

Die Richterin meinte, der Antrag der Staatsanwaltschaft sei kaum noch zu toppen, zumal das Gesetz für die angeklagte Tat eine Freiheitsstrafe ab einem Jahr vorsehe. Bei der Urteilsverkündung hieß es, es sei ein minderschwerer Fall, der Angeklagte einsichtig und er habe keine Vorstrafen. Kein Thema im Prozess: woher der junge Wildunger überhaupt das Wissen nahm, bei wem man „Blüten“ kaufen kann.

Von Manfred Schaake

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