Tücher bringen Pumpen zum Stillstand – Bürgermeister Junghenn: Nicht in die Toilette werfen

Feucht- und Hygienetücher werden in Allendorf/Eder zum Problem

Eine durch Feuchttücher verstopfte Pumpe aus dem Regenüberlaufbauwerk Hofenstück in Battenberg.
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Eine durch Feuchttücher verstopfte Pumpe aus dem Regenüberlaufbauwerk Hofenstück in Battenberg.

„In der Kläranlage kommt es durch den Einsatz von Feuchttüchern zu erheblichen Problemen“, betont der Verbandsvorsteher des Abwasserverbandes „Oberes Edertal“, der Allendorfer Bürgermeister Claus Junghenn. „Die Tücher bringen die Pumpen der Anlagen zum Stillstand.“ Das verursache einen erheblichen Aufwand und zusätzliche Kosten.

„Wir haben keine Leute, um täglich Pumpen auseinander zu bauen“, betont Junghenn. Feuchttücher seien „das schlimmste Problem für alle Anlagenbetreiber“.

Anders als herkömmliches Toilettenpapier, zersetzen sich Feuchttücher (sowohl Feucht-, als auch Reinigungstücher) nicht. Sie bestehen in den meisten Fällen aus einem chemisch bearbeiteten Vliesstoff und enthalten zusätzliche Materialien, zum Beispiel Weichmacher. Vermischt mit anderen Stoffen in der Kanalisation, bilden sich dadurch lange, verfilzte und reißfeste Stränge, die sich in den Pumpen festsetzen und diese zum Stillstand bringen. Insbesondere in den Regenrückhaltebecken, wo kein Rechen grobe Stoffe aussortieren kann, sorgen die Feuchttücher für Probleme. Sie schwimmen außerdem an der Oberfläche, verringern so den Sauerstoffaustausch und beeinträchtigen die Biologie der Anlage.

„Die Probleme werden immer größer“, beobachtet der Leiter der Kläranlage Haine, Dieter Egenolf. Fällt ein Pumpwerk aus, können Regenbecken überlaufen. Zusätzlich könne sich das Abwasser bis in private Keller zurückstauen. Das Problem mit Feuchttüchern habe sich aber in Corona-Zeiten, wo viele Menschen öfter zu Hause sind bzw. im Homeoffice arbeiten, verstärkt.

Nach Egenolfs Einschätzung wissen offenbar viele Menschen nicht, dass feuchtes Toilettenpapier nur in den Mülleimer geworfen werden sollte. „Auch Speisereste, Öle, Pillen und andere Medikamente gehören nicht ins Klo“, betont der Chef der Kläranlage.

Zwar führten in der Toilette entsorgte Nahrungsmittel nicht zu Verstopfungen im WC, gleichwohl sollten Speisereste in der Biotonne entsorgt werden, weil sich Ratten von den heruntergespülten Essen ernährten. Die Nager könnten sich weiter vermehren und schnell zur Plage werden. „Und wenn die gewohnte Fütterung durch das Toilettenrohr dann plötzlich ausfällt, kann es durchaus sein, dass hungrige Kanalratten in der Toilettenschüssel wieder auftauchen“, warnt Verbandsvorsteher Junghenn.

Warme und flüssige Öle und Fette könnten aushärten und langsam den Hausanschluss oder die Hauptkanäle zusetzen. Auch Hygieneartikel wie Kosmetiktücher, Zahnseide, Wattestäbchen, Tampons, Binden, Kondome, Rasierklingen und Haare gehörten in dafür vorgesehene Mülleimer. Tabletten, Pillen und flüssige Arzneimittel sollten weder in der Toilette noch im Waschbecken weggespült werden. Die Wirkstoffe könnten in den Wasserkreislauf gelangen und die Umwelt schädigen. Arzneimittel könne man an die Apotheken zurückgeben.  nh/off

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