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Waldeck-Frankenberg: Feuerwehren bereiten sich auf Ernstfall vor

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Auf einem Feld bei Korbach hat der Kreisfeuerwehrverband Einsatzkräfte von Feuerwehren aus Waldeck-Frankenberg für den Umgang mit Vegetations-, Wald-, und Flächenbränden geschult.
Auf einem Feld bei Korbach hat der Kreisfeuerwehrverband Einsatzkräfte von Feuerwehren aus Waldeck-Frankenberg für den Umgang mit Vegetations-, Wald-, und Flächenbränden geschult. © Kreisfeuerwehrverband

160 Waldbrände gab es in diesem Jahr schon in Hessen – darunter der Großbrand am 19. Juli im Burgwald. Zudem mussten die Feuerwehren im Landkreis schon zu einigen Bränden auf Feldern ausrücken, weil Maschinen bei der Ernte Feuer gefangen hatten. Angesichts der anhaltenden Trockenheit rechnet das Land Hessen weiterhin mit einer „hohen, lokal sogar sehr hohen Waldbrandgefahr“. Daher gilt weiter Alarmstufe A, die das Land am 18. Juli ausgerufen hatte. Auch in Waldeck-Frankenberg sind die Feuerwehren in Alarmbereitschaft.

„Wir haben Sorge vor einem Waldbrand, ganz klar, Es gibt unvernünftige Leute genug“, sagt Francisco Ayora Escandell, Gemeindebrandinspektor der Gemeinde Burgwald. Er meint damit, dass die meisten Waldbrände unbeabsichtigt oder beabsichtigt von Menschen ausgelöst werden.

Wie die Feuerwehren der Waldbrandgefahr begegnen, dazu haben die Gemeindebrandinspektoren im Frankenberger Land gemeinsam ein Konzept ausgearbeitet, berichtet Ayora Escandell: Wenn Alarmstufe „F2 Wald“ ausgegeben wird, dann rücken alle Wehren des Südkreises, die große Wassertank-Fahrzeuge besitzen, mit diesen direkt aus.

Bei einem Seminar des Kreisfeuerwehrverbandes wurden Feuerwehrleute aus dem Landkreis kürzlich für den Umgang mit Wald- und Flächenbränden geschult. „Das Seminar war sehr wertvoll für uns“, sagt Korbachs Stadtbrandinspektor Carsten Vahland. 10 bis 15 Einsätze wegen Vegetationsbränden habe es allein im Bereich der Korbacher Feuerwehren in den vergangenen Wochen gegeben. Landwirte haben die Wehren mit Wasserfässern unterstützt, das habe hervorragend geklappt, so Vahland.

Allen Wehrführern sei das Risiko bewusst und Einsatzkräfte seien sensibilisiert, sagt Willingens Gemeindebrandinspektor Jürgen Querl. Im Wald oder fernab der öffentlichen Wasserversorgung müsse das Löschwasser zur Brandstelle transportiert werden. Viele Bäche seien zu leer, die Kommunen seien darauf angewiesen, sich mit Tanklöschfahrzeugen zu unterstützen. Wegen der Urlaubszeit sei aber die Personaldecke dünner als üblich – auch dies werde durch die Zusammenarbeit aufgefangen.

Am besten sei es, wenn die Wehren gar nicht erst ausrücken müssen: „Wir können nur appellieren, angesichts der Trockenheit in der Natur vorsichtig zu sein“, sagt Querl.

In Deutschland gibt seit 2018 immer wieder länger anhaltende Phasen von großer Trockenheit. Damit steigt auch die Gefahr für Vegetations-, Wald-, und Flächenbrände. Wie Feuerwehren damit umgehen sollen, war jetzt Thema bei einer Informationsveranstaltung des Kreisfeuerwehrverbandes in Korbach. Dafür wurden je zwei Plätze je Gemeinde vergeben, um das Wissen anschließend in die 172 Ortsteil-Feuerwehren in Waldeck-Frankenberg weiterzugeben.

Geleitet wurde das Seminar von der gemeinnützigen Organisation @fire, die oft auch bei Bränden im Ausland – in Amerika, Kroatien, Spanien und Griechenland – im Einsatz sei und von dort viele Techniken und Taktiken für solche Brände kenne. „Ziel dieses Seminars war es, zu zeigen, mit welchen Möglichkeiten jede Wehr unterstützend eingreifen kann, selbst mit minimalistischen Mitteln“, teilte der Kreisfeuerwehrverband mit. „Voraussetzung für den Erfolg bei Vegetationsbränden ist, dass jeder die gleiche Sprache spricht und dies auch ausgebildet wird. Denn bei größeren Bränden sind viele Wehren vor Ort und deshalb sollten alle auf dem gleichen Stand sein.“ Vegetationsbrände sei der Sammelbegriff für verschiedene Arten von Bränden in der freien Natur. Die Gefahr für solche Brände könne durch extreme Trockenperioden wie sie in den vergangenen Jahren häufig vorgekommen sind, enorm steigen. „Oftmals werden die Feuer durch die Unachtsamkeit des Menschen verursacht, der trotz Verbote und Hinweise brandauslösendes Verhalten ausübt. Die Brandintensität wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, wobei wie bei allen Bränden üblich, vor allem die Menge eines vorherrschenden Brandgutes und der vorhandene Sauerstoff entscheidend für den Brandverlauf sind“, erläutern die Experten.

Vegetationsbrände könne man in verschiedene Arten und Unterarten aufteilen:

.  Feld-, Wiesen- und Heidebrände: abgeerntet oder nicht abgeerntet.

.  Waldbrände: Bodenfeuer am häufigsten verbreitet; Untergrundfeuer entstehen in/durch Mulch, Moor oder Wurzelwerk und können Tage später zum Neubrand werden; Vollfeuer; Kronenfeuer/Wipfelfeuer.

.  Brände an Hanglagen: Feuer läuft nach oben schneller als nach unten.

.  Brände in besonderen Gebieten Beispiel: munitionsbelastete Gebiete.

Im theoretischen Teil wurden die verschiedenen Vorgehensweisen zu den einzelnen Brandarten erarbeitet – zum Beispiel direkter oder indirekter Angriff, Fahrzeugeinsatz, Risikosituationen, Gesundheitsschutz, Werkzeugeinsatz sowie Schlauchmanagement. Im praktischen Teil ging es unter anderem darum, mit Werkzeugen Schneisen zu erstellen, die das Feuer aushungern.

„Das war eine sehr gute Vorbereitung für die anstehende drohende Gefahr der Vegetations-, Wald-, und Flächenbrände und wie man damit umgehen kann“, lautet das Fazit. „Dies gilt es jetzt weiterzugeben in die umliegenden Wehren. Es muss nicht zwingend jedes für Vegetationsbrände vorgesehenes Einsatzfahrzeug über alle Handwerkzeuge, Ausstattungen oder technischen Raffinessen verfügen. Vielmehr macht eine sinnvolle und bedachte Verteilung sowie eine geordnete Verwendung von Mannschaft und Einsatzmitteln Sinn.“  red/jpa

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